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Verschleppt durch Nordkorea: Wettlauf gegen die Zeit für die Familien

“Wir können nicht länger warten.” 40 Jahre nach den Entführungen von insgesamt 13 Japanern nach Nordkorea verzweifeln die Familien an ihrer eigenen Regierung.

Die Familien der nach Nordkorea entführten Japaner haben die Regierung in Japan erneut dazu aufgefordert, die Entführten in ihr Heimatland zurückzuholen. Laut Angaben von NHK World forderten die Angehörigen die Regierung in einer Sondersitzung des japanischen Unterhauses dazu auf, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

Sakie Yokota, die Mutter der 1977 entführten Megumi Yokota, forderte die Gesetzgeber mit klaren Worten dazu auf, die nach Nordkorea verschleppten Japaner nicht zu vergessen.

Auch Shigeo Iizuka, der ältere Bruder von Yaeko Taguchi, die 1978 im Alter von 22 verschwand, appellierte an die Regierung. 40 lange Jahre seien seit den Entführungen vergangen und vor rund 20 Jahren begannen die Bemühungen zur Rettung der vermissten Bürger. Iizuka, der die Familien der Entführten vertritt, forderte die Regierungsmitglieder dazu auf, über die “vergeudete Zeit ohne Ergebnisse” nachzudenken. Den alternden Familienangehörigen bleibe nicht viel Zeit und daher sei es nötig, endlich konkrete Ergebnisse und Maßnahmen einzuleiten, so Iizuka.

Fumiyo Saito, die ältere Schwester von Kaoru Matsuki, der 1980 im Alter von 26 Jahren verschleppt wurde, wies darauf hin, dass ihre Mutter vor 3 Jahren verstarb, ohne ihren Sohn jemals wiedergesehen zu haben. Bis zu ihrem letzten Atemzug habe die Mutter um ihren vermissten Sohn geweint, so Saito. Sie selber bete jeden Tag dafür, noch am Leben zu sein, wenn ihr Bruder nach Japan zurückkehrt.

Für die Familienangehörigen der von Nordkorea entführten Japaner ist die ganze Angelegenheit ein Wettlauf gegen die Zeit. Viele hoffen, ihre vermissten Kinder und Angehörigen noch vor dem eigenen Tod wiederzusehen.

Die systematische Verschleppung japanischer Bürger durch Nordkorea

In den 1970er und 80er Jahren haben nordkoreanische Agenten zahlreiche Japaner entführt und zu Spionagezwecken missbraucht. Das Regime in Pjöngjang hat 2002 erstmals zugegeben, insgesamt 13 Personen entführt zu haben. Die Dunkelziffer dürfte nach japanischen Medienangaben viel höher liegen. Bisher konnten 5 der Verschleppten in ihre Heimat zurückkehren. Laut nordkoreanischen Angaben seien die übrigen 8 gestorben, darunter auch Megumi Yokota, das jüngste und bekannteste Entführungsopfer.

Wie schon seine Vorgänger George W. Bush und Barack Obama traf sich auch US-Präsident Donald Trump auf seiner Asienreise mit den Familien der von Nordkorea entführten Menschen und appellierte an das Regime aus Nordkorea, die Entführten zurückzuschicken. Auch Premierminister Shinzo Abe betrachtet das Schicksal der verschleppten Japaner als Angelegenheit „oberster Priorität“. Dabei beteuert das Staatsoberhaupt, dass er nicht ruhen werde, bis er alle Entführten zurückgeholt hat. Passiert ist bisher nichts und vor dem Hintergrund der Nordkorea-Krise und Abe’s Vorhaben, den Ton gegen Pjöngjang zu verschärfen, scheint es immer schwieriger, die Wahrheit über das Schicksal der von Nordkorea verschleppten Menschen zu erfahren.

Titelbild: Standbild NHK World News (Japan Broadcasting Corporation)

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