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Verwirrung bei Japans letztem Taifun zeigt Notwenigkeit von ausländerfreundlichen Katastrophenwarnungen

Mangelnde oder fehlerhafte Übersetzung sind großes Problem

Der Taifun Hagibis kostete viele Menschen in Japan das Leben. Darunter befanden sich einige Ausländer, die ihre Häuser nicht verließen, da sie die Katastrophenwarnung nicht verstanden. Viele merkten nach dem Sturm an, dass ausländerfreundliche Warnungen dringend notwendig seien, um Verwirrung in der Zukunft zu vermindern.

Viele Ausländer berichteten nach dem Taifun, wie sie mit den Warnungen kämpften und sich oft nur ganz knapp noch retten konnten. Einer von ihnen ist der Restaurantbesitzer Chura Mani Lamichhane aus Nepal, der in der Stadt Tochigi lebt. Bevor der Taifun das Restaurant traf, erhielt er die Frühwarnung über sein Smartphone mit dem typischen Alarmton. Obwohl Lamichhane seit vier Jahren in Japan lebt, konnte er die Mischung aus Kanji und Hiragana in der Nachricht nicht verstehen.

Übersetzungen nur mithilfe von Freunden

Er erhielt in den folgenden Stunden zehn weitere Nachrichten, die zur Evakuierung aufriefen und vor Erdrutschen warnten. Dank einer Übersetzung von einem Freund in Nepalesisch verstand er zwar die Warnungen, sie machten ihm jedoch Angst, da er nichts über die Evakuierungszentren wusste und er blieb deswegen zu Hause.

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Für ihn war es eine fatale Entscheidung, denn um Mitternacht kam das Wasser und überschwemmte den ersten Stock der Wohnung. Zusammen mit seiner Frau und seinem drei Monate alten Sohn gelang es ihm, noch rechtzeitig in den zweiten Stock zu Nachbarn zu flüchten. Laut Lamichhane hätten nur wenige Minuten mehr ausgereicht und sie hätten sich vermutlich nicht mehr in Sicherheit bringen können.

Ähnlich erging es dem technischen Praktikanten Van Han Nguyen aus Vietnam. Seit 2018 ist er im Land, um Schweißen zu lernen und reparierte sowie managte Gerüste und andere Dinge. Japanisch beherrscht er dabei nur auf einem einfachen Level und er kann in der Sprache weder richtig lesen noch schreiben. Als der Sturm am 12. Oktober auf sein Wohnheim zusteuerte, verstand er nicht, wie gefährlich die Situation für ihn und seine Kollegen ist.

Schwer verständliche Anweisungen

Er verstand ebenfalls nicht die Katastrophenmeldungen, obwohl er versuchte, sie mit einer App zu übersetzen. Nguyen verstand zwar, dass sie evakuieren sollten, konnte jedoch nicht herausfinden, wo sich die beschriebene Notunterkunft aus der Nachricht befand. Sein Vorgesetzter Yasunori Kumagami ahnte glücklicherweise, dass Nguyen und die anderen die Nachrichten nicht verstehen und holte sie alle rechtzeitig mit seinem eigenen Wagen ab, um sie zu sich nach Hause zu bringen.

Alle überstanden den Taifun, die Wohnung von Nguyen wurde jedoch komplett überflutet und war mit Schlamm bedeckt. Nach dem Sturm half er dabei, den Schlamm bei der Fabrik in Koriyama in Fukushima zu beseitigen und an dem Haus aufzuräumen. Gegenüber Reportern erklärte er, dass ihn der Anblick traurig machte.

Forderung von besseren Systemen

Mittlerweile fordert das Sendai Disaster Multilingual Support Center Warnungen in verschiedenen Sprachen. Automatische Übersetzungen sorgen meistens für Fehler und helfen Ausländern nicht weiter. Es gibt zwar bereits in einigen Gemeinden mehrsprachige Systeme, die reichen allerdings bei Weitem nicht aus. Die Regierung selbst soll für ein schnelles umfassendes System mit mehrsprachigen Informationen sorgen, damit alle Menschen in Japan rechtzeitig evakuieren können.

Während Taifun Hagibis starben 86 Menschen, wobei viele in ihren Häusern gefunden wurden. Mehrere Tausend Häuser wurden beschädigt oder komplett zerstört. In der Landwirtschaft und Fischindustrie kam es ebenfalls zu massiven Schäden. Nach bisherigen Schätzungen soll sich der Schaden in den betroffenen Regionen auf mehr als acht Milliarden Euro belaufen.

MS

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