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22 Meter lange Nasen dienen nicht der Geschwindigkeit

Warum werden die Nasen der Shinkansen eigentlich immer länger?

Im Laufe der Jahre sind die Nasen der Shinkansen in Japan immer größer geworden, dieser Trend hat einen einfachen Grund.

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Der ALFA-X, der Prototyp eines Hochgeschwindigkeitszuges der nächsten Generation, der derzeit auf der Tohoku-Shinkansen-Linie getestet wird, hat eine Nase von 22 Metern. Das entspricht 80 Prozent der gesamten Länge des Triebwagens, der insgesamt 26,25 Meter lang ist.

Nasen der Shinkansen werden immer länger

Der neue Shinkansen ist weit von dem Aussehen entfernt, wie die Hochgeschwindigkeitszüge der Serie 0, die 1964 in Japan eingeführt wurden. Die Serie 0 wird auch liebevoll „dangobana“ betitelt, was „Knopfnase“ heißt.

Ein Shinkansen der Serie 0 auch dangobana genannt
Ein Shinkansen der Serie 0 auch dangobana genannt

Der ALFA-X, hat mit seiner langen Nase eine futuristische Silhouette, die das Gefühl von Geschwindigkeit vermittelt. Doch der eigentliche Zweck hinter den immer länger werdenden Nasen ist nicht die Geschwindigkeit, sondern der Lärmschutz.

Der Betreiber des ALFA-X, die East Japan Railway Co., will den neuen Zug bis März 2020 testen. Später soll er mit einer maximalen Geschwindigkeit von 360 Kilometer pro Stunde auf Japans Schienen unterwegs sein.

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Der Leiter der Entwicklungsabteilung bei JR East betont allerdings, dass die Geschwindigkeit nicht der wichtigste Faktor ist. 1993 erreichte ein Shinkansen bei einer Testfahrt immerhin 425 Kilometer pro Stunde, was über der maximalen Testgeschwindigkeit von 400 km/h des ALFA-X liegt.

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Wichtiger ist es, den Geräuschpegel des Zuges so niedrig wie nur möglich zu halten. Dafür wird der ALFA-X auch mit einer kürzeren Nase, die 16 Meter lang ist, getestet „Wir sammeln Daten darüber, welche Nasenlänge die Lärmbelastung am effektivsten reduziert“, so das Unternehmen.

„Tunnel boom“-Effekt bekämpfen

Bei Shinkansen, die durch einen Tunnel fahren, tritt ein Phänomen auf, dass „tunnel boom“ genannt wird. Die Luft vom Zug wird nach vorne gedrückt und am Tunnelausgang entsteht dadurch ein Geräusch, dass sich wie eine Explosion anhört.

Da neue Shinkansen den japanischen Richtlinien zur Lärmbelastung entsprechen müssen, ist die Länge der Nase der Züge wichtig, um die Geräuschentwicklung zu reduzieren.

Allerdings führt eine lange Nase auch dazu, dass im ersten Wagen eines Shinkansen weniger Sitzplätze eingebaut werden können. Ein Zug der E5-Serie, die derzeit auf der Tohoku-Linie fährt, hat eine Nase von 15 Metern Länge. Das führt dazu, dass nur 29 Sitzplätze eingebaut werden konnten. Der ALFA-X hat im vorderen Teil gar keine Sitzplätze mehr.

Umgekehrt hat das neue Modell N700S, das derzeit von JR Central getestet wird, einen  27,35 Meter langen Triebwagen, dessen Nase 10,7 Meter lang ist. Daher wird er wohl auch 65 Sitzplätze im vorderen Teil des Zuges haben.

Ein Shinkansen der N700S Serie
Ein Shinkansen der N700S Serie

Sollte der ALFA-X im Testbetrieb mit einer 16 Meter langen Nase genauso geräuscharm sein, wie aktuell mit 22 Metern, dann dürfte der Trend bei Shinkansen zu langen Nasen in Japan ein Ende haben. Sollte dies nicht der Fall sein, könnten Shinkansen auf den Markt kommen, die noch längere Nasen als der ALFA-X haben.

Quellen: Kyodo, Ma, AS, TJT

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