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Situation kaum einschätzbar

Anstieg der Covid-19-Infektionen schürt Bedenken über einen Double-Dip in Japan

Weltweit steigen die Covid-19-Infektionen wieder an, auch in Japan, damit erhöht sich das Risiko, dass die Wirtschaft die aktuelle Dynamik bei der Erholung verliert und wieder schrumpft.

Die Ausbreitung der Infektionen erschwert die Pläne Japans, die Wirtschaft zu unterstützen.

Verarbeitende Industrie und Dienstleistungsbranche schrumpfen

Lockdowns im Ausland und erneute Besorgnis über das Virus in Japan scheinen sich bereits auf die Aktivitäten in Japans Wirtschaft auszuwirken. Das zeigen jedenfalls die PMI-Daten, die am Freitag veröffentlicht wurden. Die Zahlen zeigten eine schnellere Schrumpfungsrate sowohl in der verarbeitenden Industrie als auch im Dienstleistungssektor.

Mehr zum Thema:  Nachhaltige Erholung Japans ist unwahrscheinlich

Während die Wahrscheinlichkeit einer Double-Dip-Schrumpfung in Japan bei Ökonomen noch nicht angekommen ist, wächst das Risiko einer solchen Schrumpfung, da die kurzfristigen Aussichten selbst nach ermutigenden Ergebnissen von Impfstofftests weiterhin alles andere als klar erscheinen.

Der Anstieg der Infektionsfälle veranlasst Shinichiro Kobayashi, Chefökonom bei Mitsubishi UFJ Research & Consulting Co., sich zu fragen, ob er seine derzeitige Prognose für das erste Quartal 2021 senken muss.

„Nur ein kleiner Schubs wird ausreichen, um Japan in einen Double-Dip zu bringen“, sagte Kobayashi am Freitag, einen Tag nachdem Tokyo seine Virenwarnung auf die höchste Stufe gehoben hatte und landesweite Fälle einen weiteren Tagesrekord erreichten. „Es wird immer deutlicher, dass die Regierung nicht in der Lage ist, die Infektionen einzudämmen und gleichzeitig die Wirtschaftstätigkeit anzukurbeln.“

Am Freitag meldete Japans Hauptstadt 522 neue Infektionen, das sind mehr als 500 an einem zweiten Tag in Folge. Die lokalen Medien berichteten, dass die Zahl der täglichen Fälle in anderen Gebieten hoch ist, darunter auch ein neuer Rekord in Hokkaido.

So wie wachsende Infektionen im eigenen Land ein Double-Dip-Risiko für Japan darstellen, so könnten auch die steigenden Infektionszahlen ein schlechtes Vorzeichen für die Weltwirtschaft sein.

Die meisten Ökonomen gehen nach wie vor davon aus, dass sich Japans Wachstum fortsetzt, wenn auch in einem viel langsameren Tempo. Nach einem Rekordeinbruch während des landesweiten Ausnahmezustands im April und Mai stieg die Wirtschaft im Vorquartal auf Jahresbasis um 21,4 Prozent.

Keine Verschärfung der Maßnahmen trotz Anstieg an Covid-19-Infektionen

Die Regierung von Premierminister Yoshihide Suga und die Behörden des Großraums Tokyo haben sich bisher trotz des Anstiegs der Infektionen von einer größeren Verschärfung der freiwilligen Beschränkungen zurückgehalten. Zwar will kaum einer einen erneuten Ausnahmezustand, aber die Situation könnte weitere Maßnahmen erfordern.

Suga hat ein drittes Zusatzbudget gefordert, um die Wirtschaft auf einem Wachstumspfad zu halten, aber die Ausbreitung von Infektionen macht es ihm schwer, sich einfach auf die „Go To Travel“-Kampagne zu verlassen.

Die inländischen Reisesubventionen sind eines der erfolgreichsten Förderinstrumente der japanischen Regierung, aber sie könnten letztendlich zur Verbreitung des Virus beitragen, wenn sie verlängert oder ausgeweitet werden oder wenn Richtlinien nicht eingehalten werden.

Das Programm belastet auch die Inflation. Wie die Zahlen vom Freitag zeigen, sind die wichtigsten Verbraucherpreise so schnell wie seit mehr als neun Jahren nicht mehr gefallen, was zum Teil auf die Reiseermäßigungen zurückzuführen ist.

Mitsumaru Kumagai, Chefökonom am Daiwa Institute of Research Ltd. und Berater von Suga, schätzt die Auswirkungen der Kampagne auf das 3,6-Fache der anfänglichen Kosten, was der Wirtschaft im Laufe der Zeit einen Aufschwung von 4,9 Billionen Yen beschert. Diese Wachstumsstütze könnte weniger Auswirkungen haben, wenn das Programm verkleinert oder zurückgezogen werden muss.

Nach Angaben der Japan Tourism Agency nutzten zwischen dem 22. Juli und dem 31. Oktober etwa 40 Millionen Menschen das „Go To Travel“-Programm im Wert von etwa 209 Milliarden Yen.

Kumagai warnt davor, dass ein weiterer landesweiter Ausnahmezustand von einem Monat das Bruttoinlandsprodukt um 3,3 Billionen Yen senken und die Arbeitslosigkeit um 1,2 Prozentpunkte erhöhen würde.

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