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Absolventen unter Druck

Arbeitskräftemangel führt in Japan zu unlauteren Taktiken bei Unternehmen

Der Arbeitskräftemangel hat in Japan zu einem Wettbewerb unter den Unternehmen geführt, neue Hochschulabsolventen zu rekrutieren. Mittlerweile gehen einige allerdings zu drastischen und unlauteren Taktiken über.

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Die Zahl der Neueinstellungen ist während der Pandemie in Japan deutlich zurückgegangen, hat sich nun aber sehr schnell wieder erholt, da die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen wieder steigt. Gepaart mit der demografischen Herausforderung des Landes, hat sich damit der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt deutlich verschärft.

Arbeitskräftemangel mit Druck bekämpfen

Am 1. Juni begannen die Vorstellungsgespräche für die Bewerber, die im nächsten Frühjahr die Hochschulen verlassen. Durch den Arbeitskräftemangel stellen viele Unternehmen mittlerweile potenzielle Mitarbeiter allerdings schon früher ein, in der Hoffnung sie an sich zu binden. Dabei handelt es sich allerdings um eine Vereinbarung, an die ein Bewerber nicht rechtlich gebunden ist, solange er noch die Schule besucht.

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Ist ein Bewerber allerdings noch unsicher, ob er eine Stelle annehmen will, greifen immer mehr Unternehmen darauf zurück, Druck auszuüben.

Die Beispiele häufen sich, wie der Fall einer 21-jährigen Studentin zeigt, die demnächst ihren Abschluss an einer privaten Universität in Tokyo machen wird. Sie stellte sich bei einigen Unternehmen vor, darunter auch bei einer großen Einzelhandelskette.

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Im vergangenen Dezember erhielt sie ein informelles Stellenangebot und verpflichtete sich im März auf Anfrage des Einzelhändlers schriftlich, sich nicht bei anderen Unternehmen zu bewerben.

In der Zwischenzeit erhielt sie jedoch ein informelles Stellenangebot von einem Unternehmen, das sie bevorzugt, und informierte das andere Unternehmen über ihre Absicht, das Angebot abzulehnen.

Der Personalchef befragte sie fast eine halbe Stunde lang, ob sie gelogen habe, als sie sich dem Unternehmen gegenüber verpflichtete, und ob sie verstanden habe, was die Zusage bedeute. Alles, um sie dazu zu bewegen, ihre Entscheidung zu überdenken.

In einer vom Kabinettsbüro durchgeführten Umfrage gaben im März dieses Jahres 11,6 Prozent der Hochschulabsolventen an, ähnliche Erfahrungen mit Unternehmen gemacht zu haben, die ihnen eine Stelle angeboten hatten; das sind 2,6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Jobangebote kommen immer früher

Der Anstieg zeigt, dass Unternehmen durch den Arbeitskräftemangel vor einer großen Herausforderung stehen und es immer schwieriger wird, neue Mitarbeiter zu rekrutieren.

Laut des Beschäftigungsinformationsdienstes Disco hatten 42,2 Prozent der befragten Unternehmen im Mai Schwierigkeiten bei der Einstellung neuer Mitarbeiter.  Das sind 14,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die japanische Regierung hat den 1. Juni als Datum festgelegt, an dem die Einstellung offiziell beginnen kann. Allerdings ist das Datum nicht bindend. Laut Recurit, dem führenden Arbeitsinformationsdienst in Japan, hatten 65,4 Prozent der Hochschulabsolventen bereits am 15. Mai ein Stellenangebot bekommen.

Das zeigt, dass viele Unternehmen durch den Arbeitskräftemangel gezwungen sind, die Vorschriften der Regierung zu umgehen.

Kein Schutz durch die Regierung

Im Juni 2020 trat ein Gesetz in Kraft, das große Unternehmen dazu verpflichtet, Belästigung zu verhindern und Frauen in der Belegschaft zu fördern. Im April dieses Jahres wurden die Vorschriften auf kleine und mittelständische Unternehmen ausgeweitet.

Es schützt aber nur die Beschäftigten. Nach den nationalen Richtlinien besteht selbst bei Beschwerden über Belästigung durch Studierende, die nach ihrem Abschluss eine Stelle suchen, nur die Verpflichtung, sich um geeignete Gegenmaßnahmen zu bemühen.

Damit existiert in Japan kein Schutz vor den Praktiken, die sich im Land immer weiter ausbreiten.

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