News Wirtschaft Der tiefe Fall des Carlos Ghosn: Nissan feuert seinen CEO

Der tiefe Fall des Carlos Ghosn: Nissan feuert seinen CEO

Vor Kurzem war Carlos Ghosn noch ein erfolgreicher Manager und Chef von Nissan. Doch nun ist es offiziell: Der Nissan-Konzern feuerte seinen CEO. Damit reagierte der Automobilkonzern auf die Verhaftung und die schweren Vorwürfe wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung.

Der Vorstand beschließt Entlassung von Ghosn

Carlos Ghosn Nissan CEO
Bild: Wikimedia Commons

Ghosn, gebürtiger Brasilianer, begann seine Karriere bei Michelin, brachte 1996 Renault wieder in die schwarzen Zahlen und ging 1999 zu Nissan. Nun, über 20 Jahre später, bringt ihn sein eigens verschuldeter Finanzskandal zu Fall. Am Donnerstag entließ der japanische Autokonzern in letzter Konsequenz seinen langjährigen Chef.

In einer einstündigen Sitzung beschloss der Unternehmensvorstand einstimmig die sofortige Entlassung von Ghosn aus seinem Posten als CEO und stellvertretender Direktor von Nissan Motor Co. Die Staatsanwaltschaft Tokyo verhaftete den ehemaligen Nissan-Chef wegen Steuerbetrugs und Missbrauch des Firmenvermögens. Ghosn gab über Jahre sein Gehalt zu niedrig an, zudem nutzte er Firmengelder für private Zwecke.

Der Fall des Nissan-Chefs und seine Konsequenzen

Die Verhaftung des Managers wirkte sich auch negativ auf den Aktienkurs von Renault aus, wo Ghosn einst als Executive Vice President diente. Sein jetziger Nachfolger, vormals COO (Chief Operating Officer) und nun CEO von Renault, Thierry Bollore, versucht, die Anleger und Märkte zu beruhigen und versprach Stabilität. Der französische Finanzminister Bruno Le Maire zeigt sich ebenso besorgt über den Aktienkurs von Renault (die französische Regierung hält 15% Anteil am Unternehmen). Dennoch glaubt er zuerst an die Unschuldsvermutung im Fall Ghosn und wartet Neuigkeiten aus Japan ab. Er hofft darüber hinaus, dass diese Angelegenheit keinen gravierenden Einfluss auf die Arbeitsplätze des Unternehmens hat.

Nissan
Bild: Kyodo News

Nissan Motors jedoch gab bei der Tokyoter Börse eine Erklärung ab, dass interne Untersuchungen die Ungereimtheiten aufdeckten. Zwischen 2011 und 2015 soll Ghosn ungefähr 44,6 Millionen US-Dollar (rund 42 Millionen Euro) an Einnahmen unterschlagen haben, so die Angaben der Staatsanwaltschaft Tokyo. Neben Ghosn wurde auch Greg Kelly verhaftet, ein weiterer repräsentativerer Direktor von Nissan und verantwortlich für das Personal- und Bündnismanagement. Allerdings bleiben beide noch Mitglieder im 9-köpfigen Vorstand von Nissan. Die letzte Entscheidung über eine Entlassung dort haben die Aktionäre; einen Termin für die entscheidende Hauptversammlung gibt es noch nicht.

Neben Renault ist auch die Mitsubishi Motors Corp. vom Skandal um Ghosn betroffen. Der japanische Automobilhersteller steht seit 2016 mit Nissan und Renault in Allianz. Ghosn ist auch dort Vorsitzender, nächste Woche plant das Unternehmen eine Vorstandssitzung. Die Höchststrafe bei Verurteilung wegen Verletzung von Finanz- und Wechselgesetzen beträgt 10 Jahre Gefängnis, eine Geldstrafe von 10 Millionen Yen (rund 82 Tausend Euro) oder beides.

Quelle: Asahi Shimbun

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