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Analysen bewerten die Situation falsch

Finanzieller Nutzen der Olympischen Spiele in Tokyo wird überschätzt

Es gibt einige Analysen zum finanziellen Nutzen der Olympischen Spiele in Tokyo und die meisten kommen zum Schluss, dass der Nutzen sehr groß ist.

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Dies dürfte auch einer der Gründe dafür sein, wieso die japanische Regierung die Kritik im eigenen Land komplett ignoriert.

Schätzungen über den finanziellen Nutzen der Olympischen Spiele sind zu optimistisch

Yoshihiko Senoo, ein Wirtschaftswissenschaftler und Forschungsberater des Land Institute of Japan und ehemaligem Mitglied der inzwischen aufgelösten Wirtschaftsplanungsbehörde, sieht das allerdings etwas anders und hält die Analysen zum finanziellen Nutzen für verkehrt.

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In einem Gespräch mit der Tageszeitung Mainichi Shimbun sagte Senoo, dass Schätzungen, über den finanziellen Nutzen bei jeder Großveranstaltung normal sind, aber Wirtschaftsexperten diesen eher Misstrauisch gegenüber stehen.

Ein Grund für dieses Misstrauen ist, dass viele Schätzungen die erwarteten Einnahmen und Ausgaben durcheinander bringen.

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Als Beispiel nannte Senoo eine Veranstaltung mit einem erwarteten Ertrag von 5 Milliarden Yen, nach einer Investition von 100 Milliarden Yen.

In Bezug auf die wirtschaftlichen Auswirkungen sollte die Zahl von 5 Milliarden Yen in den Fokus gerückt werden, aber bei Sportveranstaltungen werden die Ausgaben in der Regel mit den erwarteten Einnahmen in einen Topf geworfen. In diesem Fall könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen also 105 Mrd. Yen betragen. Dies führt dazu, dass die Menschen zu hohe Erwartungen an die wirtschaftlichen Auswirkungen des Projekts haben.

Als weiteren Faktor nannte der Professor, dass die erwarteten Einnahmen tendenziell überschätzt werden.

Direkte Effekte entstehen durch Investitionen in die Ausstattung der Stadien und das Management der Veranstaltung. Danach tauchen indirekte Effekte als Ergebnis des Verhaltens der Verbraucher auf, die kommen, um den Wettbewerb zu sehen.

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Jede Schätzung scheint den Multiplikatoreffekt, der in der Ökonomie Welleneffekte anzeigt und Input-Output-Tabellen, die als Grundlage der Statistik dienen, zur Berechnung der indirekten Effekte zu verwenden.

Laut Senoo ist es jedoch nicht bekannt, wie viele indirekte Effekte enthalten sind. Unter Ökonomen ist Kritik laut geworden, dass solche Schätzungen dazu neigen, alles als wirtschaftliche Effekte zu zählen.

Einige Schätzungen beziehen sogar den sogenannten „Traumeffekt“ mit ein, also das die Menschen mehr Geld ausgeben, da die allgemeine Stimmung durch die Ausrichtung der Spiele angehoben wird. Wenn man so weit geht, kommt man nicht umhin, die Gültigkeit der Schätzungen infrage zu stellen.

Menschen werden durch die Pandemie nicht automatisch mehr Geld ausgeben

Mit Blick auf die tatsächlichen Zahlen sagte Senoo, dass der wirtschaftliche Einfluss zwischen 2013 und 2020 auf insgesamt 3 Billionen Yen geschätzt wurde.

Obwohl diese Zahl im Vergleich zu Schätzungen, die von 100 Billionen Yen ausgehen, bescheidener ist, bleiben dennoch Zweifel.

Laut der Schätzung entfallen von den 3 Billionen Yen Gewinn 1,67 Billionen Yen auf Tokyo und die restlichen 1,29 Billionen Yen auf die kleineren Regionen.

Wenn die Spiele stattfinden, gibt es vielleicht Menschen, die Veranstaltungsorte in kleineren Regionen besuchen, aber es scheint, dass der geschätzte Gewinn für andere Gebiete als Tokyo zu hoch angesetzt ist.

Auch wenn die Schätzungen mit Vorsicht zu genießen sind, mag es Leute geben, die glauben, dass es für die Wirtschaft besser ist, die Olympischen Spiele abzuhalten, als sie abzusagen.

Viele Ökonomen sind jedoch der Meinung, dass der wirtschaftliche Effekt der Austragung der Olympischen Spiele und der Paralympics für entwickelte Nationen begrenzt ist.

Wenn sich Japans Wirtschaft in einer Wachstumsphase befände, wie bei den letzten Olympischen Spielen 1964 in Tokyo, könnte man erwarten, dass die Spiele die Wirtschaft ankurbeln würden, so Senoo.

In der jetzigen Zeit, in der die Einnahmen nicht steigen, sind solche Effekte jedoch äußerst begrenzt. Selbst wenn es eine besondere Nachfrage nach den Spielen gibt, werden die Menschen nur andere Ausgaben einschränken. Wenn das so ist, wird es kaum Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft geben. Vielleicht ist es besser, die Olympischen Spiele und Paralympics als „Fest des Sports“ zu bewerten und nicht ihre wirtschaftlichen Auswirkungen.

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