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Schaden für Japans internationalen Ruf

Japans Einreiseverbot wird immer stärker kritisiert

Japans Einreiseverbot „Travel Ban“ sorgt bei vielen Menschen, allen voran denjenigen, die Familie im Land haben und Studierenden, für Enttäuschung und Verärgerung. Mittlerweile mehren sich die Stimmen weltweit aus der Wirtschaft, die neben Studentenverterter:innen, eine Lockerung fordern und davor warnen, dass das Festhalten an dieser Maßnahme dem internationalen Ruf Japans schadet.

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Das Verbot wurde im November gelockert, allerdings Ende des Monats, nachdem sich die Omikron-Variante ausbreitet, erneut verschärft und kurze Zeit später bis Ende Februar verlängert. Ob es Ende des Monats aufgehoben wird, ist fraglich, allerdings heißt es aus der Regierung, dass an einem Konzept gearbeitet wird.

Einreiseverbot behindert Japans Wachstum

Christopher LaFleur, Sonderberater der amerikanischen Handelskammer in Japan (ACCJ), sagte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch im Foreign Correspondents‘ Club of Japan: „Japans Einreiseverbot für Geschäftsreisende und Studenten hat in der Tat zunehmend wirtschaftliche und menschliche Kosten verursacht. Das Verbot und das Moratorium für die Ausstellung neuer Visa haben japanische und internationale Unternehmen daran gehindert, die Talente anzuwerben, die sie benötigen. Es hat Ehepartner und andere Familienmitglieder getrennt und die Bemühungen um eine Wiederbelebung der japanischen Wirtschaft definitiv zurückgeworfen.“

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LaFleur sprach mit anderen in Japan ansässigen ausländischen Wirtschaftsgruppen, dem Dekan und Präsidenten der Temple University Japan und einem italienischen Studenten, der aufgrund des Verbots zu Hause festsitzt.

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„Langfristig hat das Verbot das zukünftige Wachstum Japans stark behindert, da es das Angebot an neuen Talenten einschränkt, die alle unsere Unternehmen benötigen, um ihre Geschäfte hier in Japan aufrechtzuerhalten und auszubauen“, so LaFleur.

Schaden für Unternehmen ist groß

Marcus Schürmann, Delegierter der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan, die rund 450 Unternehmen vertritt, sagte, eine kürzlich von der Kammer durchgeführte Umfrage habe ergeben, dass 23 Prozent der Befragten Geschäftsprojekte durch das Einreiseverbot verloren hätten. Von diesen Unternehmen gaben 20 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Verluste auf bis zu 10 Millionen Euro belaufen.

„Die deutsche Wirtschaft hat natürlich seit vielen, vielen Jahren sehr gute und stabile Geschäftsbeziehungen hier mit Japan, auch unter gleich gesinnten Partnern. Das hat auch die in der Regel hohen Kosten für den Betrieb von Geschäften in Japan gerechtfertigt. Aber diese positive Einstellung schwindet“, so Schürmann und merkte an, dass die Umfrage auch zeige, dass Firmen ihre Betriebe verkleinern und eine Verlagerung zu regionalen Alternativen in anderen Teilen Asiens in Betracht ziehen würden.

Regierung ist sich des Problems bewusst

Michael Mroczek, Vorsitzender des European Business Council in Japan, traf sich am Mittwoch mit dem japanischen Premierminister Fumio Kishida, um das Reiseverbot zu besprechen.

„Die japanische Regierung ist sich bewusst, dass die Reisebeschränkungen Probleme verursacht und sich negativ auf die Wirtschaft ausgewirkt haben. Der Premierminister versicherte mir, dass er die Situation und die Entwicklungen nicht nur innerhalb des Landes, sondern auch in anderen Ländern prüfen werde“, so Mroczek nach dem Treffen.

Auch der größte japanische Wirtschaftsverband Keidanren hat sich bereits gegen das Einreiseverbot ausgesprochen und es als unrealistisch bezeichnet.

Anmerkung der Redaktion: Bist Du vom Verbot direkt betroffen, erzählt uns Deine Geschichte.

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