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HomeNachrichten aus JapanWirtschaftJapans Firmen blicken nach den Corona-Maßnahmen unentschlossen auf die Telearbeit

Telearbeit gehört inzwischen für viele schon zum Alltag

Japans Firmen blicken nach den Corona-Maßnahmen unentschlossen auf die Telearbeit

Als Reaktion auf die Entwicklung der Infektionslage hat die Japan Business Federation (Keidanren) am 17. Juni nun beschlossen, ihre Richtlinien zur Infektionskontrolle für das Virus zu überarbeiten und zu vereinfachen. Noch ist unklar, wie sich diese Entscheidung auf die aktuell noch stark geförderten Telearbeitsmöglichkeiten auswirken wird.

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Im Rahmen der Telearbeit können die Mitarbeitenden eines Unternehmens auch teilweise außerhalb der Geschäftsräume und Betriebsstätten arbeiten. Diese Form der Arbeit erlebte während der Pandemie einen regelrechten Boom, da sich auf diese Weise viele persönliche Kontakte im Alltag vermeiden ließen. Allerdings hat dieses Konzept auch eine Kehrseite. Inzwischen äußern viele Unternehmen ihre Besorgnis über die fehlende Verbindung zwischen den Mitarbeitenden und ihrer Arbeitsweise.

Viele kehren nach der Telearbeit wieder in ihre Büros zurück

Mit den sinkenden Infektionszahlen kehren in Japan immer mehr Berufstätige in ihre Betriebe zurück. Gleiches gilt auch für die Mitarbeitenden der Honda Motor Co.

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Honda hatte es seinen Bürofachkräften ermöglicht, während der Pandemie bis zu einem Monat am Stück komplett außerhalb des Büros zu arbeiten. Eine Umstellung, die das Kommunikationssystem des Unternehmens an seine Grenzen brachte.

Einer der Verantwortlichen kommentierte diesbezüglich: „Aufgrund vermehrter Umzüge innerhalb des Unternehmens, wie etwa der Allianz mit der Sony Group Corp., spürten wir die Grenzen der Kommunikation durch Telearbeit.“

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Angesichts dieser Entwicklung entschied man sich in diesem Mai dazu, von nun an wieder vermehrt auf einen Arbeitsstil zu setzen, der auf „face-to-face“-Kontakten basiert.

Auf der Suche nach dem besten Arbeitsstil

Zwar ist in den aktuellen Richtlinien der Japan Business Federation klar festgehalten, dass „verschiedene Arbeitsformen, wie etwa Telearbeit, [von den Unternehmen] in Betracht gezogen werden sollten“, aber in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen sah man sich dazu gezwungen, diesen Leitlinien den Teilsatz „während Zeiten der Ausbreitung von Infektionen“ hinzuzufügen.

Viele Unternehmen wollen sich auf die Zeit nach der Pandemie vorbereiten und sind daher unablässig auf der Suche nach passenden Arbeitsstilen, mit denen sie flexibel auf die herannahenden Umstellungen reagieren können.

Eine ziemliche Herausforderung, zumal viele Firmen, darunter auch Fujitsu Ltd., ihre Büroflächen zugunsten von Effizienz und Mobilität im Laufe der Pandemie signifikant verkleinert haben.

Alte Muster kollidieren mit neuen Konzepten und Wertvorstellungen

Unternehmen wie die Lixil Corp. wollen ihren Arbeitsstil nachhaltig verändern. Dort wolle man „nicht zu den Tagen vor COVID zurückkehren“. Die Mitarbeitenden sollen demnach auch in Zukunft grundsätzlich von zu Hause aus arbeiten und ihre Arbeitszeiten flexibler planen können. Das Unternehmen will sogar so weit gehen, seine Büroflächen im Laufe der Zeit um insgesamt 90 Prozent zu reduzieren.

Eine Umfrage der privaten Denkfabrik Persol Research and Consulting Co. ergab zudem, dass über 80 Prozent der Arbeitskräfte, die aktuell außerhalb des eigentlichen Firmengeländes arbeiten, dies auch weiterhin gern tun würden. Die Umfrage wurde im Februar dieses Jahres durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt lag die Telearbeitsquote unter Vollzeitbeschäftigten in Japan bei 28,5 Prozent.

Yuji Kobayashi, Senior Chief Researcher des Unternehmens, wies an dieser Stelle auf die Möglichkeit hin, dass einige der Arbeitskräfte sogar ihre Unternehmen verlassen könnten, wenn die Telearbeit wieder eingestellt würde.

Laut einer Umfrage von PwC Consulting erwägen 81 Prozent der 357 befragten Unternehmen die Fortführung eines Systems, das Remote- und Vor-Ort-Arbeit kombiniert.

Shigeru Kitazaki, der ebenfalls an der Entwicklung und Durchführung der Umfrage beteiligt war, geht davon aus, dass diejenigen Unternehmen, die sich nicht den inzwischen veränderten Arbeitsvorstellungen ihrer Mitarbeitenden anpassen, in Ungnade fallen werden.“

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