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Veraltete Systeme und fehlende Arbeitskräfte

Japans Logistikbranche befindet sich im Krisenmodus

Die Logistikbranche in Japan befindet sich mittlerweile im Krisenmodus. Insbesondere die Pandemie hat noch einmal die Probleme verdeutlicht, da mehr Menschen online eingekauft haben als normalerweise.

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Fahrermangel und versäumte Verbesserungen der Abläufe sorgen dafür, dass das Land bis 2030 einen Rückgang der Transportkapazität von etwa 36 Prozent erleben wird.

Arbeitskräftemangel macht der Logistikbranche in Japan zu schaffen

Anders gesagt, die Logistikbranche wird mehr als ein Viertel der Güter, die per Lkw transportiert werden, nicht befördern können. Was wiederum zu wirtschaftlichen Verlusten von mehr als 10 Billionen Yen (ca. 74 Milliarden Euro) führen könnte, wenn die Probleme nicht gelöst werden.

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Rund 90 Prozent des inländischen Güterverkehrs werden in Japan von Lkw transportiert, das Rückgrat der Logistik im Land. Allerdings verschärft sich der Mangel an Fahrern immer mehr, da die Geburtenrate sinkt und die Überalterung zunimmt. Auch das um etwa 10 bis 20 Prozent niedrigere Lohnniveau und die ca. 20 Prozent längeren Arbeitszeiten sorgen nicht gerade für eine Beliebtheit der Branche bei Arbeitnehmern.

Die Zahl der Beschäftigten im Straßengüterverkehrsgewerbe ist von rund 980.000 im Jahr 1995 auf etwa 660.000 im Jahr 2020 gesunken. Die effektive Quote der offenen Stellen für Fahrer von Lastkraftwagen betrug 2008 das 1,94-fache und damit das 1,0-fache des Durchschnitts aller Branchen.

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Verglichen mit dem Durchschnitt aller Branchen von 1,0:1 ist der Arbeitskräftemangel in der Logistikbranche besonders gravierend. Nach zukünftigen Schätzungen der Japan Logistics Systems Association könnte die Zahl der Fahrer in 30 Jahren auf etwa 510.000 sinken, wenn der Rückgang im derzeitigen Tempo anhält.

Der Verband schätzt, dass die jährliche Transportkapazität der Lkw auf 2,03 Milliarden Tonnen im Jahr sinken wird. Gleichzeitig wird mit einem Anstieg der Nachfrage gerechnet.

Steigende Preise für Endverbraucher

Wenn die Nachfrage steigt und das Angebot knapp wird, werden Unternehmen bereit sein, höhere Preise an die Spediteure zu zahlen, was wiederum bedeutet, dass es zu einer Preissteigerung bei den Endverbrauchern kommt.

Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) schätzt, dass das Problem, wenn es nicht unter Kontrolle gebracht wird, das BIP in den nächsten 30 Jahren um bis zu 10,2 Billionen Yen (ca. 76 Milliarden Euro) verringern könnte.

Digitalisierung soll es richten

Die Regierung versucht das Problem mit einer digitalen Transformation der Logistik zu lösen.

Da angesichts der sinkenden Geburtenrate nicht mit einem raschen Anstieg der Zahl der Arbeitskräfte zu rechnen ist, muss die Logistik durch Digitalisierung effizienter werden. Die Pandemie hat den Rückstand Japans bei der Digitalisierung deutlich vor Augen geführt, und die Logistikbranche ist besonders betroffen.

Telefon und Fax sind in der Branche immer noch federführend, E-Mail wird zum Beispiel nur selten akzeptiert.

Einer der Gründe für die mangelnde Digitalisierung ist, dass die meisten der rund 60.000 Verkehrsunternehmen des Landes kleine und mittlere Unternehmen sind. Sie sind nicht in der Lage, mit Lagerhäusern über Preise zu verhandeln, und haben Schwierigkeiten, aus eigener Kraft in die Digitalisierung zu investieren.

Die Regierung ist auch dabei, die Logistik drastisch zu verbessern. Im März kündigte eine vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie und dem Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus (MLIT) eingesetzte Gruppe einen Zeitplan für eine Logistikreform in 40 Jahren an, mit dem Ziel, ein Konzept zu verwirklichen, das als „physisches Internet“ bekannt ist.

Die Idee ist, die effizienteste Logistik zu realisieren, indem Logistikressourcen wie Lagerhäuser und Lastwagen in ein „internetähnliches“ System verwandelt werden, in dem Einrichtungen wie Internetleitungen von allen Nutzern gemeinsam genutzt werden. Dies soll schrittweise durch die Förderung der Standardisierung von Logistikdaten, Paletten und anderen Logistikmaterialien sowie die Einführung von Systemen erreicht werden.

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