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Kleine Unternehmen im Zugzwang

Lohnerhöhungen in Japan kommen – aber nicht für alle

Einer kürzlich durchgeführten Umfrage zufolge planen viele japanische Unternehmen in diesem Jahr Lohnerhöhungen für ihre Beschäftigten und kommen damit einer Forderung des japanischen Premierministers nach.

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Allerdings werden die Erhöhungen nicht für alle gelten, denn kleine Unternehmen, die den Großteil der japanischen Arbeitsplätze ausmachen, können sich eine Erhöhung in der Regel nicht leisten.

Kleine Unternehmen können Kosten für Lohnerhöhungen nicht weitergeben

Vor allem kleinere Unternehmen haben Probleme, die gestiegenen Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, um höhere Materialkosten oder sogar Lohnerhöhungen ausgleichen zu können.

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Für den japanischen Premierminister ist dies eine sehr schlechte Nachricht, genauso für die Bank of Japan, die beide auf Lohnerhöhungen setzen, um die Inflation für die Menschen abzumildern.

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Rengo, Japans größer Gewerkschaftsbund, hat bereits angekündigt, bei den kommenden „shunto“ (Lohnverhandlungen im Frühjahr) 5 Prozent mehr Lohn zu fordern. Große Unternehmen kündigten eine Erhöhung von etwa 2,9 Prozent an, die größte Erhöhung seit 26 Jahren.

Aber auch bei Rengo ist man sich bewusst, dass viele Beschäftigte nur eine deutlich geringere oder gar keine Erhöhung erhalten werden. Selbst Japans größter Wirtschaftsverband fordert mittlerweile Lohnerhöhungen.

Im vergangenen Jahr hätten einige Unternehmen mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten können, und nur sehr wenige hätten ein kleines Plus erwirtschaftet. Viele kleine Unternehmen haben sich noch immer nicht von den Auswirkungen der Pandemie erholt.

Kleine und mittlere Unternehmen machen 99 Prozent der Wirtschaft in Japan aus und stellen fast 70 Prozent der Arbeitsplätze, so eine Regierungsumfrage aus dem Jahr 2016.

Große Unternehmen akzeptieren Preisanpassungen ihrer Zulieferer oft nicht

Diese Unternehmen bilden unter anderem das Rückgrat des verarbeitenden Gewerbes („monozukuri“), das sich aus einer Vielzahl von Zulieferern zusammensetzt, von winzigen Subunternehmern aufwärts. Toyota zum Beispiel hat etwa 60.000 Zulieferer.

Viele würden die Löhne gerne erhöhen, allerdings sind sie dabei auf das Verständnis ihrer Kunden angewiesen. Die Sorge, dass ihnen die Kunden davonlaufen, wenn sie ihre Preise anheben, um eine Lohnerhöhung zu kompensieren, ist groß.

Laut einer Umfrage des Handels- und Industrieministeriums vom September geben kleine und mittlere Unternehmen nur 47 Prozent der höheren Kosten an die Käufer weiter.

Dieser Trend zeigt sich vorwiegend in Branchen mit vielen kleinen Zulieferern. Lkw-Unternehmen können beispielsweise nur 19 Prozent ihrer Kostensteigerungen weitergeben.

Bei der Wettbewerbsbehörde häufen sich mittlerweile die Meldungen über große Unternehmen, die sich weigern, höhere Preise von Zuliefern zu akzeptieren.

Lohn in Japan deutlich unter OECD-Durchschnitt

Japans durchschnittlicher Jahreslohn lag 2021 bei ungefähr 4.433.000 Yen (ca. 31.873 Euro) und damit weit unter dem OECD-Durchschnitt. Er hat sich gegenüber den frühen 1990er-Jahren kaum verändert.

Die Reallöhne, die die Inflation berücksichtigen, haben den stärksten Einbruch seit acht Jahren erlebt. Darüber hinaus gelten viele kleine Unternehmen als „schwach“ und wurden in den letzten Jahren durch staatliche Beihilfen unterstützt.

Doch auch diese Anreize müssen irgendwann zurückgezahlt werden, was es noch unwahrscheinlicher macht, dass diese Unternehmen die Löhne ihrer Beschäftigten anheben werden.

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