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Manga-Verlage in Japan stehen unter immer größerem Druck

Manga sind einer von Japans Exportschlagern – immerhin haben sie weltweit Fans. Der Markt der Printmedien ist in Japan allerdings rückläufig und es gibt auch Konkurrenz aus anderen Ländern, besonders aus Südkorea.

Südkoreanische Web-Comics werden in Japan immer beliebter und setzen so den heimischen Markt unter Druck. Das wirft die Frage auf, ob japanische Publisher, die sich seit Jahren in erster Linie auf die Entwicklung von Print-Inhalten konzentriert haben und dort auch viel investierten, auf den Webboom setzen sollten. Zwar erscheinen mittlerweile immer mehr digitale Inhalte von japanischen Verlagen, aber das Angebot ist überschaubar.

Branchenkenner und Experten sind sich uneinig über diese Frage. Für den ehemaligen Herausgeber des Verlages Shogakukan, Hideki Egami, lautet die Antwort allerdings eindeutig „Ja“.

„Der Verkauf von Comic-Magazinen in Japan ist seit Jahren rückläufig. Wir wissen nicht, wie weit der heimische Markt für Print-Manga weiter schrumpfen wird“, so Egami. „Die japanischen Verleger sind jetzt in einer Phase, in der sie die Notwendigkeit, digital und nach Übersee zu gehen, nicht übersehen könnten. Ich denke, Webtoons sind der vernünftigste Weg nach vorne.“

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Webtoons richten sich direkt an digitale Leser

Im Gegensatz zu japanischen Manga, die in den meisten Fällen zuerst gedruckt erscheinen und vermarktet werden und dann erst online über Apps angeboten werden, richten sich Webtoons von Anfang an an Benutzer digitaler Geräte und ihr Format wurde bereits für Smartphones und PCs optimiert.

Webtoons scrollen normalerweise vertikal und sind in Farbe, im Gegensatz zu Manga, die meistens schwarzweiß sind und horizontal gelesen werden.

Zwar bietet zum Beispiel Line viele Manga für das Smartphone an, die eigentlich nur gedruckt erschienen sind, aber die südkoreanischen Comics sind oftmals beliebter. In den letzten sechs Monaten waren die zwei Webtoons „True Beauty“ von Yaongyi und „Lookism“ von Taejoon Park in den monatlichen Rankings auf den ersten beiden Plätzen.

„Da japanische Manga ursprünglich in gedruckten Formaten gelesen werden sollen, sind sie nicht unbedingt für Smartphones optimiert“, sagte Baku Hirai, ein Sprecher von Line Digital Frontier. „Einige von ihnen sind zum Beispiel schwer zu lesen, weil ihre Buchstaben zu klein sind für Smartphones.“

„Solange Smartphones das beliebteste Gerät für den Online-Genuss von Manga sind, glaube ich, dass Webtoons mit ihrem vertikalen Bildlauf weiterhin das stressfreiste Manga-Leseerlebnis bieten werden, weil Smartphones auch vertikal sind und der Finger es gewohnt ist, von unten nach oben zu wischen.“

Stark für den japanischen Markt angepasst

Die immer größer werdende Popularität von Webtoons unterscheidet sich allerdings von der bisherigen Welle der koreanischen Comics: Die japanischen Konsumenten wissen oft nicht, dass es sich um südkoreanische Comics handelt.

Die meisten Webtoons, die auf inländischen Manga-Apps erscheinen, werden nicht nur übersetzt. Sie werden für das japanisches Publikum akribisch lokalisiert. Namen, Orte und verschiedene Eigennamen werden umgeschrieben. Sogar die Originalillustrationen werden geändert, um alles deutlich Südkoreanische zu entfernen, beispielsweise das Design der Polizeiautos.

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Lokalisierte Webtoons gibt es auch in anderen Sprachen, wie zum Beispiel auf Englisch. Die Neutralisierung jeglicher Andeutung von „Südkoreaness“ gilt jedoch als besonders wichtige Marketingstrategie für den Export nach Japan, so Lee Hyunseok, ehemaliger Redakteur des Manga-Magazins Young Gangan.

Ausland vernachlässigt

Da Manga bisher kaum Konkurrenz in Japan hatten, ist die Branche verwöhnt. Das hat die Verlage dazu gebracht, nur auf das heimische Publikum zu setzen. Ausländische Märkte werden zwar bedient, allerdings ist die Konzentration sehr gering. Da sich Verlage jedoch weiterhin primär auf Japan konzentrieren, verlagern sich die Märkte in Übersee. Webtoons und Comics aus China werden immer beliebter, außerdem entwickelt sich eine lebhafte Szene von eigenen Künstlern in vielen Ländern. Viele Experten meinen, dass die japanischen Verlage hier einen großen Fehler begehen.

In China werden Web-Comics immer beliebter. Allerdings arbeitet man dort auch daran, diese Comics in anderen Ländern auf den Markt zu bringen. Auch Südkorea nimmt andere Länder ins Visier.

Viele Experten sind sich einig, dass die traditionellen Manga nicht überleben werden. Die japanischen Verlage müssen anfangen, ihren Fokus auf Web-Manga und die ausländischen Märkte zu legen. Auf ehemalige Erfolge auszuruhen, würde zwangsläufig dazu führen, dass der Markt zusammenbrechen wird und die japanischen Verlage den Kürzeren ziehen.

Quelle: TTF

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