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Arbeitsplatzabbau im Dienstleistungssektor erwartet

Pandemie wird Japan über 1 Million Arbeitsplätze kosten

Eigentlich hat Japan einen Arbeitskräftemangel, doch durch die Pandemie hat sich die Situation geändert, denn immer mehr Arbeitsplätze werden abgebaut.

Obwohl die japanische Regierung den Ausnahmezustand in den meisten der 47 Präfekturen aufgehoben hat, sagen einige Ökonomen, dass Japan sich in diesem Jahr auf massive Arbeitsplatzverluste einstellen muss und die Finanzkrise von 2008 übertreffen könnte.

Dienstleistungsbranchen besonders betroffen

Die Finanzkrise führte zu Problemen in Japans verarbeitender Industrie. Doch dieses Mal stehen nach Ansicht von Wirtschaftswissenschaftler über eine Million Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor auf dem Spiel, da die Pandemie den persönlichen Kontakt einschränkt.

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„Verglichen mit den Ereignissen während der Finanzkrise, schadet die Pandemie den Einnahmen der nicht-verarbeitenden Industrie“, so Munehisa Tamura, Forscher am Daiwa-Forschungsinstitut. Die Dienstleister haben damals tatsächlich einen Teil der Arbeitsplatzverluste im verarbeitenden Gewerbe abgefedert, aber es gibt nicht viele Branchen, die den Arbeitsplatzabbau abfedern könnten.

Arbeitslosenquote gestiegen, aber immer noch niedrig

Japans Arbeitslosenquote ist im März gegenüber dem Vormonat um 0,1 Punkt auf ein Einjahreshoch von 2,5 Prozent gestiegen, obwohl dies nach wie vor einer der niedrigsten Werte seit mehr als 20 Jahren ist. Innenminister Sanae Takaichi teilte Reportern am 28. April mit, dass die Pandemie begonnen habe sich auf die Arbeitsplätze auszuwirken, wobei die Zahl der Teilzeit- und Zeitarbeitskräfte im Vergleich zum März 2019 um 260.000 gesunken sei.

Wirtschaftswissenschaftler sagen jedoch, dass die tatsächlichen Auswirkungen von diesem Zeitpunkt an sichtbarer sein werden, da die Wirtschaftstätigkeit seit der Ausrufung des Ausnahmezustands Anfang April erheblich eingeschränkt wurde.

Nach einer Schätzung des Daiwa-Forschungsinstituts wird Japan, selbst wenn sich die Ausbreitung des Virus bis Juni verlangsamt, in diesem Jahr insgesamt mehr 1 Million Arbeitsplätze verlieren, die Selbstständigen nicht eingerechnet. Das bedeutet, dass die Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent im Jahr 2019 auf 3,8 Prozent steigen könnte, so der Bericht. Sollte sich die Pandemie bis Ende des Jahres weiter ausbreiten, könnte die Zahl der Arbeitslosen auf schwindelerregende 3 Millionen ansteigen, bei einer Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent, so der Bericht.

Auswirkungen der Pandemie größer als die der Finanzkriese

Die Einschätzung deutet darauf hin, dass die Pandemie einen schwereren Tribut fordern könnte als die Finanzkrise im Jahr 2009, als etwa 950.000 Arbeitsplätze, einschließlich der Selbstständigen, verloren gingen und die Arbeitslosenquote 5,1 Prozent erreichte.

Tamura, der den Bericht mitverfasste, sagte, dass bereits vor der Pandemie das Verhältnis der Personalkosten zur Bruttomarge bei den inländischen Firmen gestiegen sei, die jetzt – da die Wirtschaft eingebrochen ist – unter noch größerem Druck stehen, die Arbeitskosten zu senken. „Es ist möglich, dass die Auswirkungen auf die Beschäftigungen größer sind als der ‚Lehman-Schock'“, so der Ökonom.

Der Yen wurde im Dezember 2007 bei etwa 111 Punkten zum Dollar gehandelt, begann aber 2008 einen Höhenflug. Nach September erreichte er einen Kurs von etwa 90 Punkten zum Dollar, was die Gewinne exportorientierter Hersteller stark beeinträchtigte. Die Situation mit dem Coronavirus ist jedoch anders. Die Gesundheitskrise hat den Yen, der in den letzten Wochen bei etwa 107 Punkten zum Dollar gehandelt wurde, nicht stark beeinflusst. Nichtsdestotrotz schätzt UBS, dass die Coronavirus-Rezession bis September rund 400.000 Arbeitsplätze in der japanischen Industrie kosten wird.

Was die Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor betrifft, so ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich das Verbraucherverhalten wieder normalisieren wird, selbst wenn der Ausnahmezustand im nächsten Monat ausläuft, da die Menschen immer noch zögern werden, auswärts zu essen, zu Reisen und Veranstaltungen zu besuchen, wie sie es früher getan haben, so Adachi.

Wenn das Gaststätten-, Bar- und Hotelgewerbe weiter kämpft, werden bis September rund 800.000 Arbeitsplätze verloren gehen, schätzt UBS. Darunter befinden sich auch viele kleine und mittlere Unternehmen, die in der Regel nicht genug Geld haben, um mehrere Monate mit Umsatzeinbrüchen zu überleben. Sie haben auch einen höheren Anteil an Teilzeitbeschäftigten.

UBS sagte, dass die Arbeitslosigkeit bis zum Quartal April-Juni 3,8 Prozent und bis zum nächsten Quartal 4,4 Prozent erreichen könnte. Dies sei zwar nicht so schlimm wie die Finanzkrise von 2008, aber Adachi warnte davor, dass Unsicherheiten im Überfluss vorhanden seien.

Regierung will mit Hilfpaket gegensteuern

Um die Folgen abzuschwächen, hat die Regierung im vergangenen Monat ein Hilfspaket in Höhe von 117 Billionen Yen geschnürt, das stärkere Subventionen für die Anpassung der Beschäftigung, ein Steuermoratorium und finanzielle Unterstützung für Unternehmen und Einzelunternehmer in Schwierigkeiten vorsieht. Tamura vom Daiwa-Institut sagte, das Budget für die Beschäftigungszuschüsse sei größer als das für die Finanzkrise, d.h. es werde Unternehmen helfen, Arbeitsplätze zu schützen.

Unter normalen Umständen deckt der Zuschuss 66 Prozent der Gehälter ab, die kleine und mittelständische Unternehmen Arbeitnehmern zahlen, die vorübergehend beurlaubt sind. Aufgrund der Pandemie hat die japanische Regierung diesen Anteil je nach Fall auf 100 Prozent erhöht, allerdings mit einer täglichen Obergrenze von 8.330 Yen. Premierminister Shinzo Abe sagte jedoch, die Regierung wolle diesen Betrag erheblich erhöhen, möglicherweise auf 15.000 Yen pro Tag – ein Schritt, der laut Tamura notwendig sei.

„Wenn der Höchstbetrag 8.330 Yen beträgt, schultern die Unternehmen immer noch schwere finanzielle Lasten, sodass sie Arbeitsplätze abbauen könnten“, so der Ökonom. Tamura wies auch darauf hin, dass das komplizierte Antragsverfahren einige Unternehmen zögern lässt, die Vorteile des Systems zu nutzen, sodass die Regierung den Prozess vereinfachen müsse.

TJT

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