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Existenzängste und allgemeine Kritik an der Maßnahme

Restaurants in Japan weigern sich früher zu schließen

Restaurants und Dienstleistungsunternehmen sollen in den Regionen in Japan, in dem der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, bereits um 20 Uhr zu schließen.

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Allerdings haben nun einige Unternehmen angekündigt, diesen Aufruf nicht Folge zu leisten und ihr Geschäft trotz der steigenden Infektionszahlen geöffnet zu lassen.

Existenz von Restaurants ist bedroht

Besonders Restaurants kritisieren, dass ihre Existenz bedroht ist, wenn sie einen Monat lang noch früher schließen. Außerdem sind viele Betreiber verärgert, dass sie für den Anstieg der Coronavirus-Infektionen verantwortlich gemacht werden.

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Zu denjenigen, die der Forderung nach verkürzten Öffnungszeiten nachkommen, gehört die Firma Watami Co., die unter anderem die japanische Kneipenkette Watami betreibt. Das Unternehmen hat beschlossen, ab dem 8. Januar die Öffnungszeiten in seinen rund 140 Lokalen in den vier Präfekturen, in dem der Ausnahmezustand verhängt wurden, vorübergehend zu verkürzen.

Ab dem 8. Januar macht die Isetan Mitsukoshi Holdings Ltd. in sechs ihrer Kaufhäuser um 19 Uhr Schluss. Ein Sprecher des Unternehmens kommentierte: „Wir haben dies getan, damit Kunden und Mitarbeiter bis 20 Uhr nach Hause gehen können.“

Gastronomen sind sauer

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Aber einige Gastronomen haben ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht. Die Gyudon-Ketten Yoshinoya Co. und Sukiya Co. haben unter anderem auf die Aufforderung der örtlichen Behörden reagiert, indem sie den Verkauf von Alkohol eingestellt haben, während sie ihre allerdings Öffnungszeiten beibehalten.

Ein Sprecher sagte: „Die meisten unserer Kunden kommen allein, daher gibt es nur sehr wenige Gespräche. Wie bei anderen Lokalen auch, ist es hart für uns, wenn wir gebeten werden, unsere Geschäftszeiten zu verkürzen.“

Während einer Firmenversammlung am 6. Januar drückte Takayuki Fuse, Präsident der Kirin Brewery Co., während einer Firmenversammlung am 6. Januar seine Besorgnis aus: „Die Nachfrage über das Neujahrsfest hat sich verflüchtigt. Wenn wir jetzt auch noch den Ausnahmezustand ausrufen, werden Arbeitsplätze verloren gehen. Ich habe Vorbehalte gegen eine pauschale Antwort.“

Es gibt auch Unternehmen, die überhaupt nicht mit der Forderung nach kürzeren Geschäftszeiten einverstanden sind. In einem Facebook-Post vom 5. Januar schrieb Kozo Hasegawa, Präsident von Global-Dining, das rund 40 Restaurants betreibt, darunter die Izakaya-Kette Gonpachi: „Die finanzielle Hilfe und Unterstützung der Regierung ist nicht angemessen für die Forderung nach kürzeren Öffnungszeiten.“

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Ein Restaurant- und Bar-Manager im Minato Bezirk der japanischen Hauptstadt sagte, dass er beabsichtigt, die Anfrage nach verkürzten Öffnungszeiten nicht nachzukommen: „Wir haben Infektions-Präventionsmaßnahmen ergriffen und wir bleiben geöffnet.“

Wirtschaftliche Situation für Restaurants und Bars ist schwierig

Hinter dem Widerstand gegen die Forderungen der japanischen Regierung stehen die angespannten wirtschaftlichen Bedingungen, in die viele Unternehmen durch die Pandemie gebracht wurden.

Zahlen, die von Tokyo Shoko Research veröffentlicht wurden, zeigen, dass im Jahr 2020 die Insolvenzen von Gastronomiebetrieben mit 842 Fällen um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind.

Die Skepsis in der Branche über die Wirksamkeit der Verkürzung der Geschäftszeiten zur Vermeidung von Infektionen ist ebenfalls groß.

TableCheck, ein in Tokyo ansässiges Unternehmen, das Restaurantbuchungssysteme verwaltet, untersuchte Daten von rund 2.000 Tokyoter Lokalen, die im Sommer 2020 aufgrund der Aufforderungen der Metropolverwaltung früher schlossen und stellte fest, dass die Restaurants abends voller waren als vor der Aufforderung früher zu schließen.

Das Unternehmen schlussfolgerte: „Die verkürzten Öffnungszeiten haben den gegenteiligen Effekt. Reservierungen und Zeitkontrollen sind der effektive Weg in die Zukunft.“

UBS Securities Japan Co. schätzt, dass, wenn die Situation 45 Tage andauert, die individuellen Ausgaben zwischen Januar und März 2021 um etwa 1,8 Billionen Yen sinken werden.

Der Chefvolkswirt des Unternehmens, Masamichi Adachi, sagte voraus: „Die Erholung der Volkswirtschaften im Ausland auch eine Rolle spielt, sodass ab diesem Frühjahr das Szenario, dass die japanische Wirtschaft auf einen Pfad der Erholung eintritt, unverändert bleibt.“

Der Chefökonom des Dai-ichi Life Research Institute Inc., Hideo Kumano, schlug dagegen einen vorsichtigen Ton an: „Es ist nicht auszuschließen, dass diese Ausrufung des Ausnahmezustands einen schmerzhafteren Effekt auf bestimmte Unternehmen haben wird als die Ausrufung des Ausnahmezustands im Frühjahr 2020.“

Er fügte hinzu: „Besonders aus der Sicht von Dienstleistungsbranchen wie Restaurants, für die die Erholung nur langsam voranging, ist die Ausstellung einer weiteren Erklärung ein schmerzhafter Schlag. Die Risiken durch eine Delle in den individuellen Ausgaben sind nicht verschwunden.“

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