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Die gesamte Produktivität Japans leidet darunter

Schlafmangel immer noch ein Problem bei japanischen Angestellten

Züge gehören für Pendler in den japanischen Alltag. Menschen, die in einer Großstadt leben, haben trotzdem einen weiten Arbeitsweg. Viele Japaner nutzen die Zeit im Zug, um Schlaf nachzuholen, denn nicht wenige sind mittlerweile in der Lage immer und überall zu schlafen.

Pendler oder Schüler, die in den Zügen einen Mittagsschlaf einlegen, oder erschöpfte Menschen mit roten Augen gehören in Japan zum Stadtbild. Was auf den ersten Blick manchmal noch ein wenig lustig aussieht, erweist sich als echtes Problem für die Menschen.

Schlafmangel als Zeichen für Karriere

Japanische Firmen sind dafür berüchtigt, die Mitarbeiter unter Druck zu setzen. Deadlines müssen eingehalten werden und die Arbeitstage sind vollgepackt mit Meetings und Konferenzen. Einer Studie zufolge leisten 25 Prozent aller japanischer Angestellten 80 Überstunden pro Monat. Diese Mehrarbeit wird als selbstverständlich angesehen und erfolgt deswegen unentgeltlich.

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Gleichzeitig verzichten die Angestellten auf ihren Urlaub. Eine andere Studie brachte ans Licht, dass viele Arbeitnehmer in Japan auf ihren Urlaub verzichten oder ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie sich bezahlte Freizeit gönnen. Mittlerweile gibt es sogar buddhistische Zeremonien für solche verfallenen Urlaubstage. Viele Angestellte berichten davon, dass sie mit Disziplinarmaßnahmen und Kündigungen rechnen müssen, wenn sie ihren Urlaub nehmen.

Vor Kurzem berichtete eine große japanische Tageszeitung von einem extremen Fall von Mehrarbeit. Im Mittelpunkt steht ein junger Angestellter eines Lebensmittelgeschäfts, der durch harte Arbeit als Manager aufstieg.

Mit dieser Beförderung war sein geregelter acht Stunden langer Arbeitstag aber vorbei. 15-Stunden-Tage ohne Pause wurden die Regel. Oftmals war der Japaner fast 24 Stunden am Tag in der Firma. Als leitender Angestellter hatte der Japaner aber auch keinen Anspruch mehr auf Überstundenzuschläge.

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Dass in solchen Situationen Schlaf auf der Strecke bleibt, ist nicht verwunderlich. Der Japaner berichtete davon, dass er selbst an Tagen, an denen er relativ zeitig Schluss machte, lange nicht schlafen konnte, weil er gedanklich weiterhin bei der Arbeit blieb. Sein Handy wurde zum Angst-Objekt, weil es immer wieder, auch in der Nacht, klingelte, sodass erholsamer Schlaf unmöglich war. Nachdem sich gesundheitliche Probleme häuften, entschloss sich der Mann schließlich zu kündigen.

Firmen steuern gegen, ob mit Erfolg, bleibt abzuwarten

Eine Studie des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt aus dem Jahr 2017 belegte schon, dass viele junge Japaner angaben, nicht richtig schlafen zu können oder sich danach trotzdem nicht ausgeruht zu fühlen. Nahezu die Hälfte aller arbeitender Erwachsenen in Japan schlief damals weniger als sechs Stunden pro Nacht.

Obwohl man erwarten würde, dass lang arbeitende Angestellte zu viel Produktivität führen, sorgen zermürbende Arbeitszeiten eher dafür, dass die Menschen nicht mit vollem Einsatz dabei sind. Die Produktivität sinkt sogar. Nach Angaben der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat Japan unter den G-7-Staaten die niedrigste Produktivität.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzen immer mehr japanische Unternehmen auf Power-Napping, kleine Nickerchen während des Tages. Die teilnehmenden Firmen bieten ihren Angestellten Decken mit Kapuzen oder ähnliche Hilfsmittel an, um ihre Angestellten zu ermunter,n im Büro ein Nickerchen für 15 bis 20 Minuten einzulegen. Ob die Initiative die Produktivität aber wieder steigern kann, wurde bisher nicht untersucht.

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