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Wirtschaft soll wieder angekurbelt werden

Vom Tsunami getroffenes Kernkraftwerk erhält finale Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme

Ein Kernkraftwerk im Nordosten Japans, das durch die Tsunami- und Erdbebenkatastrophe von 2011 beschädigt wurde, hat die finale Genehmigung zur Wiederaufnahme des Betriebs erhalten. Am Mittwoch gab ein lokaler Beamter grünes Licht.

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Das Kernkraftwerk in Onagawa von Tohoku Electric Power Co. in der Präfektur Miyagi ist der erste Reaktor, der die endgültige Genehmigung zur Wiederinbetriebnahme mit Zustimmung der lokalen Behörden erhalten hat. Eine der Reaktor-Einheiten soll hierbei den Betrieb wieder aufnehmen.

Reaktor bestand die nationale Sicherheitsprüfung

Bei dem Kernkraftwerk ist derselbe Siedewasserreaktor verbaut wie im zerstörten Kraftwerk Fukushima Daiichi, das eine der schlimmsten Atomkatastrophen der Welt verursachte.

Die Regierung der Präfektur Miyagi und die Bürgermeister von Onagawa und Ishinomaki gaben ihre Zustimmung bei einem Treffen für eine Wiederaufnahme des Betriebs, nachdem der Reaktor im Februar die nationale Sicherheitsprüfung bestanden hatte.

„Die Anlage bietet eine ausgezeichnete, stabile Stromversorgung und kann auch die lokale Wirtschaft ankurbeln“, sagte ein Regierungsbeamter auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen in Ishinomaki.

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Das Onagawa-Kraftwerk ist das Kernkraftwerk, das dem Epizentrum des Erdbebens von vor neun Jahren am nächsten liegt. Das Erdbeben hatte eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala und zählt zu einem der stärksten Erdbeben weltweit.

Einteilung der Intensität von Erdbeben nach der Richterskala. Bild: Wikipedia
Einteilung der Intensität von Erdbeben nach der Richterskala. Bild: Wikipedia

Ein Beamter von Tohoku Electric sagte, das Versorgungsunternehmen werde „weiterhin sein Bestes tun, um die Sicherheit“ im Anlagenbetrieb zu gewährleisten.

Es gibt bereits Pläne den zweiten Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen. Tohoku Electric sagt, dass nachdem die Arbeiten an Sicherheits- und Katastrophenschutzmaßnahmen abgeschlossen sind, wie zum Beispiel der Bau eines 800 Meter langen Dammes im Kraftwerk, könne der zweite Reaktor im Geschäftsjahr 2022 wieder gestartet werden.

Regierung drängt auf Reaktivierung des Kernkraftwerks

Die japanische Zentralregierung hat auf eine Reaktivierung des Reaktors gedrängt, um eine stabile Stromversorgung in der Präfektur zu gewährleisten. Ebenso strebt die japanische Regierung auch an, die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf netto Null zu bringen. Dazu haben bereits viele japanische Unternehmen neue Maßnahmen ergriffen.

Explosion des Kernkraftwerks in Fukushima beim Erdbeben von 2011.
Explosion des Kernkraftwerks in Fukushima beim Erdbeben von 2011.

In Tokyo sagte der oberste Kabinettssekretär Katsunobu Kato auf einer Pressekonferenz, die Zustimmung vor Ort sei ein wichtiger Schritt.

Vor der Kundgabe am Mittwoch hatten die Gemeinden von Onagawa und Ishinomaki ihre Zustimmung bereits gegeben, ebenso die Vertreter der Präfekturen. Am Montag einigten sich die Verantwortlichen der meisten von Miyagis 35 Gemeinden bei einem Treffen darauf, die Entscheidungen von Onagawa und Ishinomaki zu unterstützen.

Ein Teil des Grundes für die lokale Zustimmung ist das Geld, das durch das Kernkraftwerk erwirtschaftet wird. Onagawa hat bereits in der Vergangenheit von der Zentralregierung rund 27 Milliarden Yen (217 Millionen Euro) an Zuschüssen sowie hohe Steuereinnahmen durch Tohoku Electric erhalten.

Masanori Takahashi, der Vorsitzende der Handelskammer der Stadt, der bei den Gemeinden Lobbyarbeit betreibt, um den Neustart zu unterstützen, sagte: „Wir nähern uns dem Ende der katastrophenbedingten Infrastruktur-Entwicklungsprojekte“ und fügte hinzu, dass es nun „absolut notwendig ist, den Reaktor wieder in Betrieb zu nehmen, um die Wirtschaft der Stadt wieder in Gang zu bringen“.

Anwohner denken die Genehmigung sei überstürzt

Einige Anwohner sind jedoch der Meinung, dass die Genehmigung überstürzt erfolgte, da Bedenken darüber bestehen, ob Evakuierungspläne im Falle eines Atomunfalls tatsächlich umgesetzt werden können.

Der 825.000-Kilowatt-Siedewasserreaktor erhielt Anfang des Jahres von der Atomaufsichtsbehörde die Genehmigung zum Wiederanfahren und ist damit der zweite Reaktor, der nach der Atomkatastrophe von Fukushima die strengen Sicherheitsstandards erfüllt.

Der Reaktor des Kernkraftwerks Tokai von Japan Atomic Power Co. in der Präfektur Ibaraki erfüllt ebenfalls die strengen Sicherheitsstandards. Es hat zwar die Genehmigung der Aufsichtsbehörde erhalten, den Betrieb im September 2018 wieder aufzunehmen, muss aber noch die Zustimmung der örtlichen Behörden einholen.

Ein massives Erdbeben und ein nachfolgender Tsunami trafen den Nordosten Japans am 11. März 2011 und lösten in der Präfektur Fukushima, die an Miyagi angrenzt, eine nukleare Katastrophe aus, deren Schweregrad mit dem des Tschernobyl-Unfalls von 1986 vergleichbar ist. In Onagawa wurden mehr als 800 Menschen als getötet oder vermisst gemeldet.

Das Bild zeigt das Zerstörungsausmaß des Erdbebens 2011. Bild: Kyodo
Das Bild zeigt das Zerstörungsausmaß des Erdbebens 2011. Bild: Kyodo

Die Katastrophe führte dazu, dass alle 54 Reaktoren Japans kurzzeitig zum Stillstand kamen. Bislang sind neun Reaktor-Einheiten in fünf Anlagen des Landes nach behördlicher und lokaler Genehmigung wieder angelaufen.

Im Onagawa-Kernkraftwerk schalteten sich alle drei Reaktoren ab, aber die unterirdischen Stockwerke der zweiten Reaktor-Einheit wurden überflutet, nachdem die Anlage von einer 13-Meter hohen Wasserwand getroffen wurde.

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