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Intelligente Brille liest ihrem Träger Texte vor

Mithilfe von Kameras „liest“ die Brille Texte, verarbeitet diese und gibt sie als Ton wieder aus

Der Japaner Keisuke Shimakage wollte eigentlich nur seinem Vater helfen, als er diese Brille erfand. Sie sollte ihn beim Lesen unterstützen, da dieser aufgrund von Legasthenie nicht in der Lage ist, Texte so schnell zu lesen, wie es manchmal erforderlich ist. Nun sorgt das Produkt jedoch für immer mehr Interesse.

Legasthenie gibt es überall auf der Welt. Die Krankheit stört die Betroffenen massiv in ihrem alltäglichen Leben, da sie die Fähigkeit zu lesen, hemmt. Viele Legastheniker sagen, dass die Worte vor ihren Augen tanzen, sich die Reihenfolge der Buchstaben oder Zeichen vertauscht und aus jedem geschriebenen Wort Unsinn macht. Dies unterscheidet sich von Analphabeten, die niemals lesen und schreiben gelernt haben. Doch gleichzeitig beeinflusst die Legasthenie nicht die Fähigkeit zu sehen oder andere Sinne. Lediglich das Lesen ist betroffen. Und genau dabei soll Shimakages Brille helfen.

Der 27-jährige Shimakage war noch ein Produkt Design Student, als er begann, die intelligente Brille 2013 zu entwickeln. Zu diesem Zeitpunkt hatte sein Vater einen Hirninfarkt erlitten, der die Legasthenie verursachte. Aus diesem Schicksalsschlag heraus entstand die Idee für die Erfindung. Mittlerweile ist Shimakage Firmenpräsident des von ihm gegründeten Unternehmens Oton Glass. Diese hat ihren Sitz im Minato Ward in Tokyo und arbeitet an der Verbesserung der Erfindung. Denn mittlerweile ist aus dem Ansatz, seinem Vater das Leben leichter zu machen, eine Geschäftsidee geworden. Der Name des Unternehmens verweist auf diesen Ursprung, denn „oton“ bedeutet Vater in einem japanischen Dialekt, „oto“ heißt Stimme.

Die intelligente Brille soll in Zukunft verkaufsfähig sein

Bei seinen Nachforschungen und im gesamten Entwicklungsprozess lernte Shimakage viele Menschen mit Legasthenie kennen. Diese Bekanntschaften und die Erzählungen der vielen alltäglichen Probleme sorgten dafür, dass der junge Mann sich entschied, die intelligente Brille zu kommerzialisieren. Und im Laufe der Zeit erweiterte er seine Zielgruppe. Mittlerweile arbeitet das Unternehmen daran, das Gerät auch für Menschen mit Sehschwäche und anderen Schwierigkeiten auszubauen. Mittlerweile arbeiten in seinem Unternehmen fast zehn Leute, darunter auch Ingenieure. Sie alle haben das Ziel, das Produkt verkaufsfähig zu machen, um so vielen Menschen wie möglich zu helfen.

Die Brille besteht aktuell aus einer Kamera im Gestell, die Fotos von Buchstaben, Zeichen oder Texten macht. Dazu muss ein Knopf an der Seite betätigt werden. Die Daten verarbeitet das Gerät über das Internet und es verarbeitet sie in eine Stimme. Diese spielt sie dann über Kopfhörer oder Lautsprecher ab. Auf diese Weise können die Träger ihre Umwelt hören, anstatt sie zu lesen.

Das Interesse an der intelligenten Brille wächst immer mehr

Shimakage entschied sich, seine Erfindung nicht nur auf eine Gruppe von Menschen zu beschränken. Er will alle mit eingeschränkten Lesefähigkeiten aus den verschiedensten Gründen unterstützen können. Zu diesem Zweck weitete er auch seine Nachforschungen aus. Er traf sich mit zahlreichen Menschen, die eingeschränkte Sehfähigkeiten haben oder sogar blind sind. Mit ihnen erlebte er einige Zeit ihres alltäglichen Lebens und lernte viel über die Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben. Er ließ sie seine intelligente Brille testen und arbeitete mit dem Feedback. Auf diese Weise will er sein Produkt auf die entsprechenden Gruppen anpassen.

Und das Interesse dieser Ausweitung liegt nicht nur bei ihm. Auch bei der medizinischen Gemeinschaft sowie im Verein für Menschen mit Sehbeeinträchtigung, dem in Tokyo sitzendem Edge, hat es für immer mehr Aufmerksamkeit gesorgt. Vor allem die Genauigkeit und der Nutzen im täglichen Leben hat es ihnen angetan. Des Weiteren hat sich auch der gemeinnützige Japanische Legasthenie Verein mit an der Weiterentwicklung beteiligt. Sie boten eine Menge nützlicher Informationen und Verbesserungsvorschläge.

Die Zweigstelle des japanischen Retinitis Pigmentosa Vereins in der Kagawa Präfektur hat sogar eine Demonstration der intelligenten Brille organisiert. Bei dieser konnte jeder Besucher das Produkt selbst testen. Fast alle Reaktionen waren positiv und begeistert. Die Erfindung wurde als nützlicher Gegenstand im Alltag und generell als sehr gut beschrieben. Eine blinde Dame sagte laut Shimakage: „Diese Erfahrung war so berührend. Es fühlte sich an, als hätte ich meine Sehfähigkeit wiedererlangt.“ Auch die 65-jährige Vorsitzende von Edge, Eika Todo, hatte nur positive Worte für die intelligente Brille übrig: „Die Genauigkeit des Produktes wurde so sehr verbessert, dass es jetzt sogar Schilder in der Distanz und handgeschriebene Menüs im Restaurant lesen kann. […] Es gibt kein Unwohlsein, wenn man das hier draußen trägt. Das Gerät kann unsere Bedürfnisse sehr gut stillen.“

Schon jetzt kann die Brille sogar Texte übersetzen

Momentan kann das Produkt von Oton Glass bereits englische und japanische Texte in Stimmen umwandeln. Auch die Übersetzung multilingualer Texte ins Japanische und ins Englische funktioniert bereits. Dies berichtete der 26-jährige Yoshihiro Asano, der für die offene Innovation bei Oton Glass verantwortlich ist. Er sagte außerdem, dass weitere Verbesserungen in Arbeit seien. Vor allem eine Verringerung der Größe der Brille steht dabei auf dem Plan.

Mit Blick auf eine Veröffentlichung für den Verkauf der Brille hat das Unternehmen jedoch noch einen Schritt geplant. Sie wollen das Produkt als „Gegenstand für das alltägliche Leben“ zertifizieren lassen. Dies würde ihnen die Möglichkeit liefern, Zuschüsse der lokalen Regierung zu erhalten. Mithilfe der Zuschüsse kann die intelligente Brille für einen vernünftigen Preis von jedermann erworben werden.

Quelle: Asahi Shimbun

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