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Ausnahmesportler Hakuho baut Sieg-Rekord weiter aus und liegt damit 12 Siege vor Legende Taiho.

Yokozuna Hakuho baut Rekord mit 44. Titel aus

Die beiden letzten Turniertage des Haru-Basho am letzten Wochenende waren voller Spannung, da der Ausgang des Sumoturniers bis dahin unklar war und Sekiwake Asanoyama um seine Beförderung zum Ozeki kämpfte.

Die beiden aktiven Yokozunas demonstrierten erwartungsgemäss ihr Können während zwei starke Maegashira, Takanosho und Aoiyama, ihnen bis zum vorletzten Turniertag die Führung streitig machten. Doch beide Yokozunas konnten sich durchsetzen und traten am Finaltag in einem Stichkampf gegeneinander an. Hakuho gewann gegen Kakuryu nach einem halbminütigen, kräftezehrenden Kampf durch ‘Yorikiri’. Damit holte sich der Jahrhundersportler Hakuho seinen 44. Titel und brach so seinen eigenen Rekord zum elften Mal.

Besondere Zeremonien durchzogen das ‘Stille Turnier’

Das Haru-Basho wurde am letzten Sonntag mit einer emotionalen Rede vom Vorsitzenden des Japanischen Sumoverbandes, Hakkaku, geschlossen. Er ging auf die besonderen Umstände durch die Corona-Pandemie ein und dankte den Kämpfern für ihre Hingabe trotz fehlender Zuschauer. Während der Rede standen alle Kämpfer der Makunouchi Division östlich und westlich vom Ring aufgereiht und sangen zusammen mit den Shimpan die Nationalhymne. Anschliessend wurde die Trophäe an Hakuho überreicht. Dies war eine rare, wenn nicht sogar einmalige Gelegenheit, Sumotori die Nationalhymne singen zu hören. In einem normalen Turnier mit Zuschauern wäre nur der Sieger wieder an den Ring getreten und hätte zusammen mit dem Publikum die Nationalhymne gesungen. So wurden die Fernsehzuschauer mit einem besonderen Ausklang dieses aussergewöhnlichen Turniers belohnt, dass von Anfang an mit vielen kleinen zusätzlichen Zeremonien und Bildern ungewöhnlich offen und nahbar gestaltet wurde.

Ozeki Takakeisho abstiegsgefährdet

Bis zum Haru Basho gab es nur einen Ozeki, Takakeisho. Dieser hat im März ein Make-koshi erlangt und ist im kommenden Basho abstiegsgefährdet. Sumofans vermuten, dass eine verheimlichte Knieverletzung der Grund dafür ist. Ozeki steigen nach einmaligem Make-koshi im Gegensatz zu allen anderen Rikishi nicht sofort ab. Sie können durch eine Siegbilanz, Kachi-koshi, im darauffolgenden Turnier ihren Rang sichern. Schliessen sie aber zwei aufeinanderfolgende Turniere mit Make-koshi ab, werden sie im dritten Turnier in den Rang des Sekiwake zurückgestuft und sind wie alle anderen Rikishi in jedem Turnier der Banzuke-Einstufung des Sumoverbandes unterlegen. Das bedeutet, Takakeisho muss im Mai mit mindestens acht Siegen seinen Rang sichern, sonst steigt er ab Juli wieder in die normalen Ränge ab.

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Ozeki-Hoffnung Asanoyama

Während des letzten Jahres machte Sumotori Asanoyama von sich reden. Nach kurzer Verweildauer in den unteren Divisionen gelang er durch seinen ruhigen und technisch soliden Kampfstil in den Fokus vieler Fans. Nur 3 Jahre vergingen seit seinem Debüt im Sumosport und Asanoyama gewann das Natsu-Basho letztes Jahr. Seitdem wird er als Ozeki-Hoffnung gehandelt. Bei dem damaligen Turnier fügte U.S. Präsident Donald Trump seinen eigenen Pokal zur riesigen Sammlung an Trophäen und Preisen hinzu. Die ‘Präsidenten-Trophäe’ wird nun jedes Jahr an den Sieger des Natsu-Basho, im Mai, verliehen. Etwas Ähnliches hatte zuvor der ehemalige französische Präsident, Jacque Chirac, gemacht. Als bekennender Sumofan spendete und verlieh er vom Jahre 2000 bis 2007, als er aus dem Amt schied, den ‘Präsident-der-Demokratischen-Republik-Frankreich-Pokal’, liebevoll ‚Chirac-Pokal‘ genannt.

Aufstieg im Eiltempo

Asanoyama konnte seit seinem Ersttitel alle nachfolgenden Turniere mit zweistelliger Siegbilanz gewinnen, womit er seine ausserordentlich schnelle und starke Karriere fortsetzt. Ausgenommen davon ist das Basho direkt nach dem Sieg, welches bei vielen Erstsiegern einen Leistungseinbruch aufweist. Grund hierfür sind ausgiebiges Feiern und diverse Pflichtveranstaltungen, die der Sieger bei seinen Sponsoren und Gönnern absolvieren muss. Durch Asanoyamas 10-5, 11-4, 10-5 und nun 11-4 Bilanz in den letzten vier Turnieren hat er die Kriterien für eine Ozeki-Beförderung mit Bravur erfüllt. Noch am Finaltag wurde das Ozeki-Beratungskommitee des Sumoverbandes einberufen, was seine Beförderung so gut wie besiegelte. Seit dem 25. März 2020 ist es offiziell: Asanoyama ist, nach nur 4 Jahren im Sport, Sumos neuester Ozeki. Er konnte dies als Drittschnellster von insgesamt 45 Rikishi, seit der Einführung des Sechs-Turniere-Turnus im Jahre 1958, erreichen.

Erwartungen an den Shin-Ozeki

Die Freude über die Beförderung ist kaum verflogen, da überwiegen auch schon Leistungsdruck und Erwartungen in den Medien und vermutlich auch in den Gedanken des Shin-Ozeki. Asanoyama möchte bis Ende des Jahres zum Grossmeister ‘Yokozuna’ ernannt werden, rechtzeitig vor dem Rücktritt von Takasago-Oyakata, seinem Stallmeister, im Dezember. Die Qualifizierungs-Kriterien für die Ernennung zum Yokozuna sind, wie die des Ozeki, nicht absolut. Doch im Wesentlichen muss ein Sumotori ausreichend Stärke, Technik und Würde besitzen, um die Spitze des Sports zu erklimmen. Was die Siegstatistik angeht, muss Asanoyama entweder mindestens ein überzeugendes Zensho-Yusho oder zwei starke Yusho im Anschluss an die Ozeki-Beförderung gewinnen, um zum Yokozuna ernannt zu werden. Das letzte Wort und Entscheidungsgewalt hat aber der Sumoverband. Dass Asanoyama Yusho gewinnen kann, hat er bewiesen. Um den Sport zu dominieren, muss er jedoch in der Lage sein, Yokozunas zu besiegen.

Hoffnung auf einen Japanischen Yokozuna

Die Japaner wünschen sich schon lange einen Japanischen Yokozuna, seitdem Ausländer im Sport zugelassen sind. Es gab vor der Beendigung der kurzen Yokozuna-Karriere von Kisenosato im Januar 2019 erstaunliche 20 Jahre lang keinen Japanischen Yokozuna mehr. Die Japaner setzen nun grosse Hoffnungen in Asanoyama, den Yokozuna-Rang schnell zu erreichen. Mit nur drei Basho als Ozeki konnten bisher die beiden Japaner Chiyonofuji und Kitanoumi sowie Mongole Asashoryu in den höchsten Rang aufsteigen. Da die Kriterien schwammig sind, darf man nun gespannt sein, wie schnell der Sumoverband den Rang neu verleiht, vorausgesetzt Asanoyama kann dem Leistungsdruck Ergebnisse entgegnen. Sumofans rund um den Globus drücken Asanoyama die Daumen für eine verletzungsfreie, gesunde Karriere und hoffen, dass die Ozeki-Feiern seine Leistung im kommenden Natsu-Basho im Mai nicht zu stark beeinträchtigen.

Detailanalyse: Kriterien zur Ernennung zum Yokozuna

Die letzte Stufe auf der Karriereleiter eines Sumotori ist die Ernennung zum Yokozuna, dem höchsten Rang. Von diesem Rang kann ein Kämpfer nicht mehr absteigen. Da die Kriterien für diesen Titel daher streng sind, lohnt es sich, einen Blick auf die Qualifikations-Kriterien der bisherigen 19 Yokozuna, seit dem Sechs-Basho-Turnus, zu werfen.

Mit nur drei Turnieren als Ozeki wurden Chiyonofuji, Kitanoumi und Asashoryu am schnellsten zum Yokozuna ernannt. Es folgen Futahaguro und Akebono mit vier Turnieren als Ozeki. Hokutoumi (heute Vorsitzender des Japanischen Sumoverbands, Hakkaku) verbrachte nur fünf Turniere im Ozeki Rang, Hakuho gerade mal sechs. Schaut man sich diese Ozeki an, die innerhalb eins Jahres zum Yokozuna befördert wurden, erkennt man ein Muster.

Kriterium eins: Jeder Ozeki muss mindestens drei Turniere in dem Rang bleiben. Kriterium zwei: Die Mindestanzahl an Siegen in drei aufeinanderfolgenden Basho muss bei 36 liegen.

Es scheint, dass der Sumoverband bei Langzeit-Ozeki die Kriterien höherschraubt. Verbringt ein Kämpfer längere Zeit im Ozeki-Rang sind die Qualifizierungskriterien für den Yokozuna weniger absolut und schwerer zu durchblicken. Einflüsse wie Verletzungen, Konkurrenz und Ozeki-Bedarf beeinflussen die Entscheidung des Sumoverbandes.

Fazit: Ist ein Ozeki gesund und sammelt gleich nach seiner Ozeki-Beförderung 36 Siege in drei Turnieren, wird er höchstwahrscheinlich zum Yokozuna. Nun schaut die Sumowelt gespannt auf Shin-Ozeki Asanoyama, wie er im Mai, Juli und September abschneidet. Es bleibt kein Puffer für die Ernennung zum Yokozuna, wenn er seinem Oyakata vor der Rente noch diesen Traum erfüllen will.

 

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