Realverfilmungen in Kritik – ist diese gerechtfertigt?

Japanische Filme basieren auf Romane oder sind Eigenkreation der Regisseure oder Drehbuchautoren. Doch in den vergangenen Jahren setzt man zunehmend auch auf Verfilmungen von Anime und Manga. Und dies oft nicht gerade zur Freude der Fans. Doch warum stehen viele den Realfilmen kritisch gegenüber und lassen kein gutes Haar an ihnen?

Anime- und Manga-Fans lieben ihre Serien aufgrund ihrer Animationen, der tiefgründigen Geschichten und der Charaktere. Ein Anime und Manga kreiert seine ganz eigene Welt. Anders als bei einem Roman, wo die Vorstellungskraft des Lesers mehr angekurbelt wird, wird einem bei einem Anime bereits alles perfekt vor die Nase gehalten. Dort gibt es auch keinerlei Probleme, schwierige Action-Szenen darzustellen und eine spektakuläre Kamera-Führung einzubauen, solange ein gutes und talentiertes Studio am Werk ist. Auch kann man der Fantasie freien Lauf lassen, wenn es um die Charaktere selbst geht, sei es bei den Haaren oder der Kleidung.

Wenn dann auf einmal eine Realverfilmung angekündigt wird, schlagen viele die Hände über den Kopf zusammen, weil sie sich absolut nicht vorstellen können, wie ihre Lieblingsserie optimal in echt in Szene gesetzt werden kann, damit auch genau das gleiche Feeling, wie im Anime oder Manga entsteht. Die gleiche Sorge kommt auf, wenn es um die Schauspieler geht. Kaum ein Darsteller kann genauso aussehen, wie ihre animierten Vorbilder (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). Und so wird die schöne Welt, die einem im Anime und Manga geboten wird, für die Fans zerstört.

Worlf Girl & Black Prince Manga-Live Action
© Warner Bros. / Shueisha
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Und was resultiert daraus? Dass die Verfilmung auf Grund und Boden kritisiert wird, ehe überhaupt ein erster Trailer erschienen ist. Aus ihrer Sorge heraus, enttäuscht zu werden und sich von der ersten bis hin zur letzten Sekunde über den Film aufzuregen, geben einige dem Streifen überhaupt keine Chance und schauen sich ihn noch nicht einmal an. Sie kritisieren aber schön weiter und picken sich nur negative Kommentare zu dem Film heraus, um ihre Meinung weiter zu verstärken. Positive Feedbacks werden dabei eher weniger ernst genommen.

Hana Yori Dango
Hana Yori Dango © TBS

In manchen Punkten muss man diesen Fans natürlich recht geben. Einen 20-teiligen Manga in einen zweistündigen Film zu packen … das ist fast unmöglich. Da müssen viele Abstriche gemacht werden und meist trifft es dabei Szenen, die die Fans am meisten lieben. Eine um bessere Alternative sind japanische Serien, die weitaus positiveres Feedback von den Fans erhalten. Als Beispiel kann ich hier die Drama-Adaptionen von Hana Yori Dango, Nodame Cantabile und einer der jüngsten Werke Nigeru wa Haji da ga Yaku ni Tatsu nennen, die zu ihren Zeiten richtige Hits waren. Der Grund ist: Die Geschichte hat mit 10 bis 12 Episoden Zeit, sich richtig zu entfalten. Auch werden die Charaktere viel besser beleuchtet und wachsen einem so ans Herz. Von daher bin selbst ich kein besonders großer Fan von News, in denen angekündigt wird, dass ein 20-teiliger Manga eine Film-Adaption erhält.

Des Weiteren erwartet man vielleicht etwas zu viel von japanischen Filmen. Jeder von uns kennt sicherlich mindestens einen bis zwei Hollywood-Filmen, wenn nicht sogar mehr, bei denen sie sagen „Wow!“. Und genau an diesem Punkt geschieht es, dass japanische Filme leicht mit Hollywood-Produktionen, die viel mehr Geld in das Projekt reinstecken können, verglichen werden. Und genau diese Denkweise sollte man ablegen, wenn man sich japanische Filme anschaut. Diese werden zwar mit viel Geld produziert, aber nicht mit so viel wie in Hollywood. Für japanische Verhältnisse gibt es aber trotzdem Effekte, die wirklich beeindruckend sind, wie die Monster in Parasyte oder ja, sogar in Attack on Titan. Obwohl dieser Titel gerade einer der Filme ist, an dem kein gutes Haar gelassen wird. Außerdem werden japanische Filme auf eine ganz andere Art und Weise gedreht, wie manch andere aus anderen Ländern. Sie sind sehr ruhig, dunkel, die Story entwickelt sich nur langsam. Es gibt zwar auch hier Ausnahmen, aber die meisten Filme, die ich beispielsweise gesehen habe, kann man ruhig so beschreiben.

Anders sind die japanischen Serien, die viel lebensfroher und heller erscheinen. Die Story wird auch zügiger und mit viel mehr Details erzählt. Die japanischen Filmmacher richten sich eher weniger an die Gewohnheiten der Übersee-Fans, sondern an das japanische Publikum, die die Erzählweise von japanischen Filmen durchaus mögen.

Nach all diesen Gründen fragen sich sicherlich viele: „Warum gibt es überhaupt Verfilmungen von Anime- und Manga-Titeln?“. Gegenfrage: „Warum denn nicht? Warum muss eine Verfilmung von der Story und den Charakteren immer genau so sein, wie die Originalvorlage?“ Die Filme basieren meist nur auf der Vorlage des Manga, Anime oder Romans, das muss nicht zwingend heißen, dass alles genau so sein muss, wie es in der Vorlage steht. Meist sind die Autoren und Mangaka an der Filmproduktion selbst involviert und segnen den Film ab. Das heißt, dass sie oftmals auch diese Veränderungen in der Story und bei ihren Charakteren wollen. Warum? Weil sie ihr Werk auf eine andere Art und Weise einmal erzählen und die Zuschauer, die das Original kennen, auch mit Veränderungen überraschen möchten.

Es gibt natürlich auch Filme, bei denen mit Trailer geworben wird, wie sehr doch die Szenen dem Original ähneln. Auf diese Weise geben sie dem Fan Hoffnung, dass es die Erwartungen übertrifft. Wenn letztendlich der Film doch nicht so ist, wie erwartet, gehen die Zuschauer mit enttäuschten oder verärgerten Gesichtern aus dem Kino. Diese Art, einen Film zu werben, ist sicher nicht die beste Marketing-Strategie, da sie letztendlich schnell nach hinten losgehen kann.

Außerdem gibt es tatsächlich Menschen, ob ihr es glaubt oder nicht, die sich recht wenig für Anime und Manga interessieren. Meist finden vor allem diese Leute die Verfilmung gar nicht mal so übel. Und in vielen Fällen kommt es letztendlich dazu, dass diejenigen sich dann doch einmal dazu verleiten lassen, sich den Manga zu kaufen oder den Anime anzuschauen. Von daher können enttäuschte Fans oder Hater der Realverfilmungen doch sogar glücklich sein, dass durch diese Art und Weise für ihre Lieblingsserie geworben wird, dass noch mehr Menschen die Geschichte kennenlernen, dass noch mehr Menschen im Nachhinein das Original zur Hand nehmen und Gefallen darin finden.

Zettai Kareshi © Fuji TV

Ich bin ein Mensch, der kaum aktuelle Manga- und Anime-Titel kennt, sich stattdessen aber ein Drama und Film nach dem anderen reinzieht. Aber selbst ich kam schon einmal in die Situation, dass ich von einer Live-Action-Adaption enttäuscht war, weil ich das Original kannte. Es handelte sich um Zettai Kareshi, der Manga stammt von Yuu Watase. Ich freute mich zunächst sehr auf das neu angekündigte Drama. Doch kaum war die erste Episode geschaut, war ich mehr als enttäuscht. Das lag daran, dass ich die Veränderungen der Charaktere nicht mochte. Statt erwachsene und arbeitende Menschen, hätte ich mich bei Zettai Kareshi mehr auf junge Schüler gefreut, so wie es im Manga auch ist. Doch im Laufe des Dramas legte ich diese geradlinige Denkweise ab und fing an Gefallen an der Serie zu finden. Schlussendlich liebte ich sie sogar, weil man die Geschichte um den Roboter-Lover von einer anderen, aber einzigartigen, Seite präsentierte. Es wäre doch irgendwie langweilig gewesen, wenn alles genauso passiert wäre, wie man es schon vom Original kennt.

Warum regt man sich grundsätzlich über solche Dinge auf? Ja, dann ist die Verfilmung total misslungen, das rüttelt doch nichts an der Tatsache, dass der Lieblingsanime oder -manga einfach fantastisch ist. Das Original ist und bleibt auch oft das Beste. Grundsätzlich sollte man versuchen, an der Sache so heranzugehen, dass man die Verfilmung als eigenständiges Werk ansieht. Wenn man die Verfilmung als misslungen empfindet, dann legt man den Film halt beiseite und schont seine Nerven, indem man sich gemütlich auf die Couch legt und eine weitere Anime-Folge anschaut oder einen weiteren Band liest.

Attack on Titan, Black Butler und Gantz gehören zu den Filmtiteln, die von Anime- und Manga-Fans nicht wirklich geliebt werden. Viele nehmen diese als Beispiel dafür, dass Japaner einfach kein Talent haben, Filme zu drehen. Dass es auch anders geht, beweisen Death Note, Rurouni Kenshin, Bakuman und Chihayafuru. Diese Movies erhielten viel Lob, weil man es hier geschafft hat, die Story, nicht zuletzt auch wegen des wunderbaren Casts, gut in Szene zu setzen.

Tokyo Ghoul © Shochiku

Momentan stehen vor allem die kommenden Verfilmungen bekannter Mangatitel wie Tokyo Ghoul, Ajin, Gintama und Fullmetal Alchemist im Fokus. Ein kurzer Trailer zum letztgenannten Titel verspricht vieles, vor allem auch gute und hochwertige Effekte. Auch Japaner wollen sich weiterentwickeln, so wird in Fullmetal Alchemist das erste Mal in der japanischen Filmgeschichte die CG-Alphonse-Technologie verwendet. Ob dies zum gewünschten Erfolg und vor allem zur Zufriedenheit der Fans führt, kann man heute noch nicht wissen. Das einzige, was man machen kann, ist abzuwarten, bis man sich den Film mit eigenen Augen ansieht. Und vielleicht auch in der Lage ist, sich nicht zu sehr am Original festzuhalten und offen für Neues zu sein.

Letztendlich ist es eine reine Geschmackssache, ob einem die japanischen Filme und spezielle Titel gefallen oder nicht. Das liegt an den eigenen Erwartungen, einige mögen viel Action, andere mögen es eher ruhiger. Selbst die Leistung der Schauspieler sind oft eine objektive Angelegenheit. Natürlich gibt es auch hier, wie in jedem anderen Land auch, Darsteller, die einen besseren Job machen könnten. Es gibt aber sehr viele andere, die es mit manch anderen international bekannten Namen locker aufnehmen könnten. Andere finden die Art des Schauspiels zu übertrieben, für manch einem ist es genau das, was sie sehen wollen, um unterhalten zu werden.

Doch egal ob man Verfilmungen mag oder nicht, man sollte denjenigen, die ihre Freude daran haben, nicht den Spaß rauben. Denn niemand würde es mögen, wenn jemand aus irgendeinem Grund kein gutes Haar an Anime und Manga lässt. Natürlich kann man seine Meinung sagen. Aber man sollte immer darauf achten, wo die Grenze und wo sie angebracht ist.

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1 Kommentar auf "Realverfilmungen in Kritik – ist diese gerechtfertigt?"

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Marcel
Gast
Da vergisst jemand Ajin da kommt auch eine Realverfilmung raus, im September. Sonst die Kritik ist durchaus gerechtfertigt, wenn ich mir Filme wie Ghost in the Shell ansehe, aber das Ganze kann man auch nicht verallgemeinern, da es auch gute bzw großartige gibt. Bin gespannt auf Tokyo Ghoul und Ajin.… Read more »
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