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Gesehen: Love, Chunibyo & Other Delusions! Volume 4 (Blu-ray)

Im Februar erschien mit Love, Chunibyo & Other Delusions Volume 4 der Abschluss dieses romantisch-komödiantischen Dramas um Yuuta, Rikka und ihre illustren Freunde. Enthalten sind die Folgen elf, zwölf und eine extra Episode, die nach dem Staffelfinale angesiedelt ist und von einem gemeinsamen (romantischen) Weihnachtsfest erzählt. Wie es mit Rikkas Achtklässlersyndrom weitergeht, ob sie es gar überwindet und welche Lösung Yuuta für sich selbst findet, erfahrt ihr in der letzten Ausgabe zur ersten Staffel von Love, Chunibyo & Other Delusions!

Worum geht es?

Kurz und knapp: Ums Erwachsenwerden. Dieses Thema ist in den letzten beiden Folgen allgegenwärtig. Fragen wie jene, ob es wirklich in Ordnung ist, wenn man so ist, wie man einfach ist oder ob man sich lieber verstellen bzw. anpassen sollte werden dem Zuschauer förmlich ins Gesicht geworfen. Natürlich wird diese Moralkeule nicht ohne passende Abfederung geschwungen, denn die Antwort folgt prompt. Das Achtklässlersyndrom wirkt von außen und auf den ersten Blick peinlich, realitätsfern und verstörend aber was steckt dahinter? Was, wenn einem das Schicksal so übel mitspielt, dass man nur vorwärts gehen kann, wenn man sich hinter übertriebenem Selbstbewusstsein in seine eigene Welt zurückzieht? Genau das tat Rikka, denn nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters wusste sie sich selbst nicht anders zu helfen, als das Ereignis fantasievoll und fast verdrängend zu verarbeiten. Kennen wir so etwas nicht alle? Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis fließen einige Tränen aber am Ende steht ein Wachstumsprozess, denn gerade weil jeder so etwas irgendwie kennt, ist man nicht allein, kann weitergehen und wird stärker. Die ganze Gruppe um Yuuta, Rikka, Sanae und Shinka erleben diesen Prizess, mittendrin ihr als Zuschaer, was einfach toll ist.

Die Story

Oberflächlich eine geblödelte Comedy mit Actionsequenzen im Rahmen einer Mittel- und Oberschule, deren Schüler alles andere machen als zu lernen. Auf den zweiten Blick ein Charakterdrama in bester Coming-of-Age-Tradition gewürzt mit einer gelungenen Menge Witz und Romantik. Gerade in der heutigen Zeit, wo Kinder oft alleine sind weil beide Elternteile arbeiten sind soziale Verbindungen ungeheuer wichtig. Dass in der Gruppe eine Parallelwelt aufgebaut wird, die den traurigen Alltag vergessen lässt ist da die logische Folge. Dennoch ist die Realität nicht weg und wie beides in Einklang zu bringen ist und wie man selbst die richtige Balance findet, all das beschreibt Love, Chunibyo & Other Delusions unaufgeregt, voller Identifikationspotenzial und mit unglaublich sympathischen Charakteren.

Die Idee

Anime sind primär eine Jugendkultur, deswegen sind auch fast immer Jugendliche die Hauptfiguren. Dass dann deren Probleme, Freunden und Erlebnisse das Gerüst der Erzählung sind, ist selbstverständlich. Das Rad wird also nicht neu erfunden aber die Herangehensweise ist erstaunlich frisch. Eigentlich verbrauchte Charaktertypen aber mit ganz individuellen Eigenarten, die in der Gruppe unglaublich gut harmonieren und die Botschaft der Serie auch für ältere Zuschaer spannend und unterhaltsam transportieren. Alles in allem stimmt die Chemie der Serienkomposition so unglaublich gut, dass dieses Standardthema neu wirkt.

Die Charaktere

Die Zurückgezogene, die Extravertierte, der Rationale, der Träumer und die Fürsorgliche. Diese Eigentschaften gibt’s immer und fast überall idealisiert zu bestaunen. Hier kriegen die Figuren ihre ganz eigenen Ecken und Kanten, die sich im harmonischen Gruppengefüge zu einem runden Ding abschleifen. Kein Charakter wirkt überflüssig, unnatürlich im vorgestellten Setting oder reibt an dem Sehvergnügen. In meiner letzten Rezension zu Volume 3 habe ich da weiter ausgeführt und würde mich nur wiederholen, also schaut dort mal rein!

Die Animation

Wie von kyoto Animation gewohnt erhalten wir mit Love, CHunibyo & Other Delusions einen wunderschön animierten Anime, der durch seine konstante Qualität in keiner Folge negativ auffällt. Das Studio ist eines von ganz wenigen, die noch alles “in-house” – also in Eigenregie – machen und das merkt man jede Minute. Die CGI-Einlagen fügen sich unglaublich nahtlos in die Zeichnungen ein, die Farbpalette ist bis ins letzte Stimmig und die Zeichnungen wie Animationen immer geradlinig. Das Finishing in Form von Licht und Schatten sowie Effekten verleihen den Bildern eine warme und lebensbejahende Atmosphäre. Das steht im Kontrast zur dramatischen Handlung, in der Yuuta und Rikka sich befinden und zeigt an, zu welchem Ziel sie am Ende ihrer Reise gelangen. Bild und Text greifen wunderbar ineinander und tragen die Stimmung auf allen Ebenen, was zu einem tollen kurzweiligen Erlebnis mit der Serie führt.

Der Sound

Während die Hintergründe und Animationen ein stützender Pfeiler der Geschichte sind, kommt der Musik rein unterstützende Funktion zu. So ertönen kaum auffällige und laute Stücke, die von sich aus eine Situationen beschreiben, sondern die Klänge unterstreichen die auf visueller Ebene dargebotenen Atmosphären. Hier ist auch die Abmischung unaufdringlich und für diese Funktion solide.

Die Synchronisation

Der deutsche Dialog entstand bei TV+Synchron in Berlin unter der Regie von Christian Zeiger, der damit sein Debut feierte und auch als Protagonist Yuuta zu hören ist. In beiden Funktionen hat er meiner Meinung nach eine klasse Arbeit abgeliefert. Wo besonders Jennifer Weiß als schläfrig und ständig gut gelaunte Kumin und Julia Meynen als temperamentvolle Shinka in den ersten drei Folgen noch unstet und dissonant auf mich wirkten, hat sich der Eindruck in den letzten vier Episoden gelegt. st schön zu hören, dass gerade in der letzten Staffelhälfte das Cast die Figuren verstanden zu haben scheint und Zeiger als Regisseur es auch verstand, die individuellen Leistungen so zu lenken, dass das Gesamtharmonische des Ensembles auch im deutschen zum Tragen kommt. Marie Christin Morgenstern ist als Rikka von Anfang an wunderbar, ebenso wie Luisa Wietzorek als Sanae, die ich hier fast sympathischer finde als im Original! Yuutas Freund Makoto, der als träumende Lebemann “mit dem Flow” lebt und handelt wird von Sebastian Kluckert so dargeboten, dass man ihn einfach mögen muss. Alles in allem ist die deutsche Fassung eine der für mich besten der letzten Zeit und das war bei der Serie aufgrund ihrer vielen dialogischen Eigenheiten und individuelleren Sprechmuster der Figuren wahrlich keine sichere Bank.

Extras

Kazé spendierte Love, Chunibyo & Other Delusions angefangen von der limitierten Fassung von Volume 1 jeder weiteren Ausgabe eine ganze Reihe von Extras, die mittlerweile nicht mehr selbstverständlich sind. SO lag jedem Volume ein wirklich ausführliches Booklet mit Skizzen, Artboards und Interviews (in Volume 4 mit dem Regisseu z.B.) bei. Dazu gab es drei stabile Postkarten mit anderweitig ungenutzten Artworks sowie ein Backcover auf dem Inlay. So erhalten die Fans eine ganze Reihe Bildmaterial, obwohl die Serie nur in einer standardisierten Amarayhülle erscheint. Durch das großflächige Motiv auf dem Inlay fehlt leider das Wendecover ohne FSK-Siegel aber das kann man anhand der ganzen Extras und Artworks ruhig verschmerzen, wie ich finde. Auf der Disc selbst sind die zwei letzten Mini-Episoden enthalten, die die Charaktere und deren Beziehungen weiter beleuchten, leider sind diese nicht synchronisiert. Dies machen peppermint anime und KSM Anime mittlerweile besser.

Fazit

Love, Chunibyo & Other Delusions ist neben Free! meine Lieblingsserie von Kyoto Animation! Die Harmonie und Chemie zwischen den Charakteren ist wundervoll, die Optik wie gewohnt – Kyotot Animation ist neben ufotable und SHAFT das Studio mit den tollsten Animationen, wie ich finde – klasse. Humor, Action, Drama und Romantik kommen hier als Ganzes zur Geltung und treiben die tollen Charaktere von einer unterhaltenden oder mitgefühlten Szene zur nächsten. Ich kann die Serie nur jedem empfehlen, der gute Unterhaltung mit einem Schuss Ernst und guter Animation zu schätzen weiß!

Info
Name eintragen Love, Chunibyo & Other Delusions!
Original Name: 中二病でも恋がしたい!
Transkription: Chu-2 Byo demo Koi ga Shitai!
Studio: Kyoto Animation
Deutscher Publisher: Kazé
Regisseur: Tatsuya Ishihara
Drehbuch: Jukki Hanada
Musik: Akito Matsuda
Erschienen am: 26.02.2016
Synchronisation: TV+Synchron GmbH, Berlin
Dialogregie: Christian Zeiger
Länge: 75 Minuten
Freigegeben ab: 6 Jahren
Genre: Comedy, Drama, Romance, School, Slice of Life
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Medium: Blu-ray

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