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Knights & Magic 1 – Was nicht passt, wird passend gemacht

Mit Knights & Magic holt Anime House einen echten Augenschmaus zu uns. Die Mischung aus Comedy, Action und knallharten Maschinen liefert mit dem ersten Volumen einen mehr als ansprechenden Auftakt.

Tsubasa Kurota ist ein genialer Programmierer und ein riesiger Otaku. Seine Wohnung ist voll gestellt mit zahllosen Mecha-Bausätzen. Als er gerade seine neue Errungenschaft nach Hause trägt, gerät Tsubasa in einen Autounfall und stirbt dabei. Während er noch der Möglichkeit hinterher trauert, seinen neuesten Bausatz fertigzustellen, gehen bei ihm die Lichter aus.

Als Kurota wieder zu sich kommt, befindet er sich im Körper des kleinen Ernesti Echevalier und ist mit seiner Mutter gerade in einer Kutsche unterwegs. Als diese von einem seltsamen Monster angegriffen wird, ist klar, dass die Serie Tokyo verlassen hat. Richtig spannend wird es, als die Reisegruppe von Ernestis Vater und einem Silhouette Knight gerettet wird. Für Ernesti, der Kurotas Leidenschaft für Mechas behalten hat, ist klar: Er wird Knight Runner und steuert irgendwann selbst einen Silhouette Knight. Bevor dieser Traum allerdings in Erfüllung gehen kann, heißt es für den Jungen erst einmal, die Schulbank zu drücken.

2010 startete Hisago Amazake-no auf der Online-Plattform Shosetsuka ni Nora die Novelreihe zu Knights & Magic und legte damit den Grundstein für eine Reihe weiterer Veröffentlichungen. Unter dem Label Hero Bunko brachte der Verlag Shufunotomo 2013 die Reihe auch als Light Novel auf den Markt. 2016 folgte dann eine Manga-Reihe bei Square Enix, die bisher sieben Bände umfasst. 2017 machte sich das Studio 8-Bit daran, die Story um den jungen Knight Runner Ernesti in einem Anime umzusetzen.

Knight Ernestie
Bild: 8-Bit

Von Rittern und Magiern

Die Grundidee a lá “Otaku landet in Fantasy-Welt” ist jetzt nicht so neu, allerdings in Knights & Magic äußerst ansprechend umgesetzt. Immerhin landet kein Jugendlicher, sondern ein erwachsener Mann mit entsprechender Lebenserfahrung in einer mittelalterlichen Welt. Seine Kenntnisse als Programmierer erweisen sich für Kurota in seinem neuen Leben natürlich als absoluter Pluspunkt, ist er damit doch seiner neuen Zeit weit voraus. Denn sowohl die Computersprache als auch die Magie in seiner neuen Heimat funktionieren nach festgelegten Formeln und Regeln. In seinem Fall bleibt Genie halt Genie.

Was aber auch den ersten Logik-Fehler mit sich bringt: Keiner scheint sich zu fragen, warum ein 12-jähriger Schüler eine Hightech-Idee nach der anderen aus dem Ärmel schüttelt. Die Faszination für riesige Roboter ist bei einem Jungen verständlich, aber das Wissen, mit dem Ernesti um sich wirft, dürfte nicht nur bei seinen Freunden für Verblüffung sorgen.

Insgesamt macht die Serie aber viel Spaß. Vor allem die Begeisterung, mit der Ernesti sich auf alles stürzt, was ansatzweise wie ein Roboter aussieht, sorgt für Schmunzeln. Durch ein recht hohes Erzähltempo passiert in den drei vorliegenden Episoden bereits einiges, was natürlich die Messlatte für die späteren Folgen hochlegt.

Wenn ich mich nicht verändern kann, ändere ich halt alles andere!

Ernesti ist eine Figur, die einem schnell ans Herz wächst. Als Erwachsener im Körper eines Kindes ist er selbstverständlich seinen Klassenkameraden weit voraus. Das lässt er allerdings nicht allzu sehr heraushängen, es sei denn, es geht darum, seine nervigen Lehrer zu düpieren, die ihm bei seinem Traum, Knight Runner zu werden, anfangs mehr im Weg stehen als eine Hilfe darzustellen. Durch seine offene Art findet er in den Kindern Adeltrud, Archid und Batson schnell zuverlässige Freunde. Und obwohl sein androgynes Aussehen die Frage nach seinem Geschlecht immer mal wieder aufkommen lässt, ist er jetzt schon ein wahrer Ritter.

Da anfangs ein großer Fokus auf Ernestis neues Leben als Schüler gelegt wird, bleibt für die meisten anderen Figuren nicht allzu viel Zeit, um sich richtig vorzustellen. Was aber auch nicht weiter stört, es gibt dazu ja noch mehr Gelegenheiten. Außerdem liefert eine übergeordnete Erzählerin weitere Informationen zu Handlung und Hintergründen, sodass man sich als Zuschauer trotzdem stets im Bilde befindet. Um neben dem kleinen großen Held aufzufallen, müssen sich die meisten Charaktere aber auch mächtig ins Zeug legen.

Ernestie aus Knights and Magic als Kind
Bild: 8-bit

Mit Esther Brandt als deutsche Stimme der Hauptfigur holt Anime House eine sehr erfahrene Synchronsprecherin mit ins Boot, was man auch merkt. Der kleine Ernesti klingt wirklich wie ein Mädchen, was einen passenden Bezug zu seinem Aussehen herstellt, bleibt später kein Zweifel, dass es sich um einen Jungen handelt. Vor allem den Spagat zwischen kindlicher Begeisterung und knallharter Programmierer-Überlegung bringt Esther Brandt äußerst stimmig rüber.

Markus Haase bekommt mit Dietrich Cunitz einen äußerst ambivalenten Charakter ab. Er muss zwischen Großmaul, Hasenfuß und doch nettem Kerl hin- und herspringen, vor allem zum Anfang. Das gelingt aber wirklich gut. Die großen Töne zu Anfang kommen genauso glaubhaft rüber, wie Dietrichs Panik im Gefecht. Vor allem beim Monolog, indem er seine Flucht vor sich selbst zu rechtfertigen sucht, bleibt die Figur stimmlich äußerst präsent.

Hurra, Mechas!

Auch grafisch bietet Knights & Magic, was der Titel verspricht, nur dass anstatt strahlender Rüstungen getunte Roboter durch die Gegend säbeln und die Monster ins Jenseits befördern. Da die Ritter in der Regel gleichzeitig noch Magier sind, kommen die magisch verbesserten Attacken dementsprechend auffällig daher. An dieser Stelle bleibt nicht nur bei den Gegnern kein Auge trocken, auch die Augen der Zuschauer können sich an den packenden Kämpfen mit passenden Effekten ergötzen.

Selbstverständlich machen die Lenker der Mechas etwas her, wobei auch hier Ernesti der größte Blickfang bleibt. Seine androgyne Gestalt sorgt anfangs für ein paar Missverständnisse, allerdings bringt seine kindliche Begeisterung zusätzliche Comedy mit in die Handlung. Vor allem seine Augen schaffen es immer wieder zu faszinieren. Die zwei verschiedenen Farben, in denen sie immer wieder schillern, deuten auf die zwei Welten hin, denen der Junge entspringt. Auf der einen Seite das begeisterte Kind, auf der anderen der coole und abgeklärte Programmierer, der für jede Situation die passende Formel aus dem Ärmel schüttelt.

Knights & Magic and Monster
Bild: 8-Bit

Auch die Gegner, denen sich die Silhouette Knights stellen müssen, machen optisch einiges her, sodass es fast Schade ist, dass sie am Ende meist mit einem großen Knall ins nächste Leben befördert werden. Dementsprechend auffällig gestalten sich die Kämpfe, in denen das Studio 8-Bit gestalterisch ordentlich aus dem Vollen schöpft. Die Kämpfe wirken dynamisch und die Magie-Attacken erinnern in ihrem Aufbau wirklich ein wenig an ein Programm, das sich vergrößern und variabel einsetzen lässt.

Fazit

Knights & Magic erweist sich als Mischung aus Fantasy mit Mittelalter-Romantik und einer guten Prise Altmetall, die allerdings ausgesprochen gut funktioniert. Obwohl die neue Welt von Kurota in vielen Hinblicken rückständig erscheint, ist sie an anderer Stelle doch um einiges weiter. Mechas sind für viele bereits ein Grund, die Serie zu schauen, durch die Verbindung mit Magie werden aber auch Fantasy-Fans angesprochen, die für große Maschinen nicht so viel übrig haben.

Die hervorragende Animation sowie ein gelungener deutscher Sprecher-Cast sind weitere gute Gründe, der Reihe eine Chance zu geben. Der Protagonist wächst einem schnell ans Herz und ist trotz seiner manchmal altklugen Art niedlich. Auch die anderen Figuren kommen sympathisch rüber und auch wenn die Grundidee ein wenig mit der Klischee-Keule wedelt, macht Knights & Magic einfach Spaß.

Knight's & Magic
Bild: 8-Bit

Info

Knights & Magic Volumen 1
Original Name: Knight´s & Magic
Studio: 8-Bit
Deutscher Publisher: Anime House
Regisseur: Yusuke Yamamoto
Drehbuch: Michiko Yokote
Musik: Masato Koda
Erschienen am: 29. März 2019
Synchronisation: LAB SIX sound & media solutions
Dialogregie: Antonio F. Lopes
Länge: 80 Minuten (Folge 1 – 3)
Freigegeben ab: ab 12 Jahren
Genre: Fantasy, Action
Sprachen: Deutsch, Japanisch (deutsche Untertitel)
Medium: Blu-ray/DVD

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