Project Itoh: Genocidal Organ (Blu-ray) – Ein Mann stürzt die Welt ins Chaos

Am 30. März erschien beim Publisher Kazé die Anime-Film-Adaption zu Project Itohs Genocidal Organ. Wir haben uns das Sci-Fi-Drama für euch genauer angeschaut.

Genocidal Organ ist einer von drei Anime-Adaptionen der Romane des leider verstorbenen Sci-Fi-Autors Satoshi Itoh alias Project Itoh. Gemeinsam mit den Filmen Harmony und The Empire of Corpses bildet Genocidal Organ die gleichnamige Project Itoh-Reihe, wobei jeder Film unabhängig voneinander in verschiedenen Animationsstudios produziert, aber durch die Charakter-Designs des Illustrators redjuice (Guilty Crown) vereinheitlicht wurde. Ursprünglich entstand dieser Teil beim Studio Manglobe (Samurai Champloo, Gangsta.). Doch als dieses Insolvenz anmeldete, wurde es durch das neu gegründete Geno Studio (Kokkoku, Golden Kamuy) unter dem gleichen Staff fortgeführt und schließlich am 31. Oktober 2016 im Rahmen des Tokyo International Film Festival ausgestrahlt.

Eine Welt voller Terror

Im Jahre 2015 wird Sarajevo von einer Nuklearwaffe ausradiert. Daraufhin schränken die Industrienationen die Freiheit der Menschen massiv ein, um die Sicherheit aus Angst vor dem Terror zu erhöhen. Das Resultat ist eine Welt, die von Überwachungsstaaten geführt wird, während es in den Entwicklungsländern zu immer mehr Genoziden kommt.

Genocidal Organ
Bild: Project Itoh / GENOCIDAL ORGAN

Captain Clavis Shepherd von den Special Forces wird gemeinsam mit seinem Team beauftragt, den Amerikaner John Paul zu finden und zu schnappen. Denn viele Indizien deuten darauf hin, dass dieser Mann allein hinter all den Genoziden zu stecken scheint. Doch wie schafft er es, überall dort Krieg zu entfachen, wohin er sich begibt? Shepherd stößt auf eine interessante Spur, die ihn nach Prag führt und somit auch vielleicht zu Paul.

Die Story beginnt mit dem Vorfall in Sarajevo und leitet dann zu den Ermittlungen von Captain Shepherd über. Der Zuschauer wird mitten ins Geschehen geworfen, während sich die Handlung um das aktuelle Geschehen herum aufbaut und man nach und nach die wichtigen Figuren kennenlernt. Allgemein baut sich langsam eine gewisse Spannung auf, die durch einige Action-Sequenzen und dramatische Wendungen verstärkt wird. Obwohl es anfangs eher schwierig ist, kann man der Geschichte im späteren Verlauf immer besser folgen.

Genocidal Organ
Bild: Project Itoh / GENOCIDAL ORGAN

Gesellschaftskritik von allen Seiten

Wer nur auf der Suche nach einem klassischen Vertreter des Action- oder Sci-Fi-Genre mit simpler Handlung ist, wird hier vermutlich nicht ganz fündig. Genocidal Organ befasst sich nämlich in vielerlei Hinsicht nicht nur mit der bloßen Handlung, sondern vor allem mit philosophischen und psychologischen Ansätzen sowie mit massiver Gesellschaftskritik innerhalb einer fiktiven Zukunft, die unserer allerdings nicht ganz fern zu sein scheint. Unter anderem werden sogar Themen wie Kafkas Werke, der 11. September oder der Holocaust in das Geschehen und die Dialoge miteinbezogen. Bestimmte Aspekte des Films, wie die Einschränkung der Freiheit der Menschen zur Förderung der Sicherheit des Allgemeinwohls, lassen sich wiederum auch auf die Realität beziehen, da gewisse angedeutete Parallelen zu erkennen sind. Der Fokus des Anime liegt jedoch hauptsächlich beim Thema Genozid.

Ein weiteres Merkmal, das für diesen Film spricht, ist der Einsatz und der Umgang mit den Charakteren. Diese lassen sich trotz der Umstände weder in Gut noch Böse unterteilen. Ihre Beweggründe und Philosophien regen oftmals zum Nachdenken und Hinterfragen an, selbst wenn man von vornherein anderer Meinung ist. Auch der Protagonist Clavis hat seine eher fragwürdigen Momente, in denen er nicht zögert, umgehend brutale Gewalt anzuwenden. Folglich jongliert Genocidal Organ mit völlig gegensätzlichen Weltanschauungen, die diesen Film umso interessanter gestalten.

Genocidal Organ
Bild: Project Itoh / GENOCIDAL ORGAN

Ein ernsterer Touch

Genocidal Organ ist nicht nur seiner Handlung durchgehend ernst und erwachsen gehalten, auch das Optische spiegelt diesen Eindruck stark wieder. Dies fängt schon bei den völlig realistischen Proportionen und Gesichtszügen beim Charakterdesign an und setzt sich bis hin zur Darstellung der Hintergründe fort. Die Szenarien sind stets authentisch eingefangen und durch eine flüssige, nicht zu übertriebene Animation in Szene gesetzt. Der Einsatz von CGI, wie z. B. bei Fahrzeugen, ist hierbei nicht zu dick aufgetragen und hält sich angenehm in Maßen, genau wie es sein soll.

Der Soundtrack hält sich eher im Hintergrund und bleibt nicht unbedingt im Gedächtnis hängen. Ein Problem stellt dies aber nicht dar, weil die Story auch ohne eine perfekte musikalische Untermalung auskommt. Etwas herausstechend ist dabei immerhin der Theme-Song “Reloaded” von EGOIST, der den Film mit einem leicht postapookalyptischen Unterton zu einem passablen Abschluss führt.

Genocidal Organ
Bild: Project Itoh / GENOCIDAL ORGAN

Der deutsche Cast schmückt sich bei diesem Film teilweise mit sehr bekannten Namen wie Julien Haggège (Grell in Black Butler, Envy in Fullmetal Alchemist: Brotherhood), Rainer Fritzsche (Kaname in Vampire Knight, Gomamon in Digimon), Giuliana Jakobeit (Rize in Tokyo Ghoul, Ran in Detektiv Conan) oder Viktor Neumann (Spike in Cowboy Bebop, Matthieu in Eureka Seven). Die Synchronisation ist sowohl überzeugend als auch professionell umgesetzt worden und alle Figuren wurden mehr als nur passend besetzt. Die bereits im Originalton vorhandenen Aufnahmen anderer im Film gesprochener Sprachen machen das Ganze nebenbei umso glaubwürdiger und abwechslungsreicher.

Extras: Die Blu-ray- und DVD-Collector’s-Edition des Films enthält, wie zu erwarten war, zwei Discs und kommt mit einem schicken Steelbook daher.

Fazit: Fans von Psycho-Pass oder der beiden anderen Teile der Reihe Harmony und The Empire of Corpses kommen hier sicherlich auf ihre Kosten. Genocidal Organ bietet neben einer authentischen Animation eine fast zweistündige Unterhaltung voller Spannung und psychologische sowie philosophische Ansätze, die den Zuschauer wiederholt zum Nachdenken anregen. Abgerundet wird dies durch eine äußerst gelungene deutsche Vertonung.

Info

Genocidal Organ
Genocidal Organ

Genocidal Organ
Original Name: 虐殺器官
Transkription: Gyakusatsu Kikan
Studio: Manglobe / Geno Studio
Deutscher Publisher: KAZÉ
Regisseur: Shūkō Murase
Drehbuch: Shūkō Murase
Musik: Yoshihiro Ike
Erschienen am: 31. Oktober 2016 (Japan), 25. April 2017 (Deutschland)
Synchronisation: Oxygen Sound Studios, Berlin
Dialogregie: Sven Plate
Länge: ca. 115 Min.
Freigegeben ab: FSK 16
Genre: Sci-Fi, Psychological, Drama, Action
Sprachen: Deutsch, Japanisch (deutsche Untertitel)
Medium: Blu-ray / DVD

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Bewertung

Story
80 %
Idee
78 %
Animation
86 %
Charaktere
84 %
Sound
70 %
Synchronisation
91 %

Unsere Meinung

Fans von Psycho-Pass oder der beiden anderen Teile der Reihe Harmony und The Empire of Corpses kommen hier sicherlich auf ihre Kosten. Genocidal Organ bietet neben einer authentischen Animation eine fast zweistündige Unterhaltung voller Spannung und psychologischer sowie philosophischer Ansätze, die den Zuschauer wiederholt zum Nachdenken anregen. Abgerundet wird dies durch eine äußerst gelungene deutsche Vertonung.

Info

Das Produkt, dass wir hier bewerten, wurde uns vom jeweiligen Publisher für die Review zur Verfügung gestellt.

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