Fire Emblem ist bekannt dafür, eine der härtesten Strategiespiel-Serien zu sein. Aber als Free to Play-Titel? Kann das wirklich gut gehen? Nun ja – wenn man ein paar Abstriche hinnehmen kann, sehr gut sogar.

Fire Emblem Heroes erschien am 2. Februar auf Android und IOS und ist nach Super Mario Run das zweite „wirkliche“ Spiel, das Nintendo für Smartphones bzw. Tablets herausgebracht hat. Man nehme eine der wohl bekanntesten Strategie-RPG-Serien die es gibt, verpasse ihm die umstrittene „free-to-play-Kur“ und voila – schon hat man Fire Emblem Heroes!

Die Story
Fire Emblem Heroes
In Fire Emblem Heroes findet man viele Fan Favorites wie z.B. Tharja; © Nintendo

Die Titel der Fire Emblem-Reihe sind seit jeher dafür bekannt, gekonnt rundenbasierte Strategie in Einklang mit einer spannenden Geschichte zu bringen. Und auch, wenn es bei Fire Emblem Heroes durchaus eine spannende Hintergrundgeschichte gibt, kommt diese leider nicht so gut wie in den Haupttiteln der Reihe rüber, dazu mehr später.

Die Geschichte ist relativ schnell erklärt: Nachdem ihr als Spieler mit der Hilfe eines Artefaktes von den Wächtern von Askr beschworen wurdet, einer Eliteeinheit von Kriegern aus dem Lande Askr, stellt sich schnell heraus, dass ihr selbst ein auserwählter Beschwörer und in einem Krieg gewaltigen Ausmaßes gelandet seid. Gemeinsam mit den Wächtern versucht ihr von nun an, das Königreich von Askr vor dem Einmarsch des Emblanischen Imperiums zu bewahren, das die Kontrolle über beide Reiche erlangen will anstatt in Frieden zu leben.

Beide Königreiche lebten einst in Einklang miteinander – während Askr Portale in andere Welten öffnen konnte, hatte Embla die Fähigkeit, diese wieder zu schließen. Nun jedoch weigert sich das Imperium, dies zu tun – und deren Prinzessin erobert stattdessen reihenweise fremde Welten, um deren Helden zu kontrollieren und diese gegen Askr in die Schlacht zu schicken.

Dies alles klingt eigentlich nach einer durchaus spannenden Story. Leider kommt diese nicht ganz so gut rüber wie in den anderen Titeln der Reihe, bei denen die Geschichte sich vor allem durch sehr lange Dialoge und die Beziehungen einzelner Charaktere zueinander entfaltet.

Charaktere

In Fire Emblem Heroes wirken die Dialoge zwischen den einzelnen Story-Missionen weniger lebendig und dienen meistens nur dazu, die Helden der einzelnen Welten vorzustellen, woraufhin man diese der Reihe nach besiegen muss, um den Einfluss von Embla zu brechen. Die drei Hauptcharaktere Alfonse, Sharena und Anna zeigen in den Dialogen durchaus einzigartige Charaktereientschaften. Es fällt jedoch sehr schwer, sich mit diesen zu identifizieren, da die drei Charaktere sehr schnell spieltechnisch obsolet werden – durch die Free to Play-Mechanik und die zu Beginn zahlreich vorhandene Prämiumwährung hat man innerhalb kürzester Zeit schon fünf stärkere Helden, die die Starter-Helden ganz klar in den Schatten stellen. Man benutzt diese so gut wie gar nicht mehr aktiv im Kampf, weshalb es immer etwas seltsam ist, diese Charaktere in den Dialogen über die harten Kämpfe sprechen zu sehen, wenn sie eigentlich gar nicht wirklich an diesen beteiligt sind.

Gameplay

Fire Emblem Heroes spielt sich wie eine stark abgespeckte Version der restlichen Fire Emblem-Titel, kann damit aber durchaus überzeugen. Im Gegensatz zu den großen Karten der Hauptreihe kämpft man auf kleinen, 8×6 Feldern großen Karten, die ohne scrollen den Bildschirm eures Smartphones füllen und deshalb perfekt auf dieses abgestimmt sind – das Spiel ist perfekt für Touch-Steuerung optimiert. Ihr bewegt eure Helden dabei abwechselnd mit eurem Kontrahenten, positioniert euch in strategisch günstigen Positionen und versucht, eure Gegner möglichst effizient zu besiegen, also den Schaden auf eure Helden zu minimieren und euren Schadensausstoß zu maximieren. Euren Helden sind dabei bestimmten Farben zugeordnet – blaue Helden sind stark gegen rote, rote gegen grüne, und grüne Helden schlagen blaue Helden besonders effektiv. Dazu gibt es noch farblose Helden, die weder Stärken noch Schwächen gegenüber den drei Farben haben und Waffen benutzen, die nicht unter die anderen Kategorien fallen.

Fire Emblem Heroes
Die Schlachtfelder haben genau die richtige Größe, um unteregs für einige Minuten dspielen zu können; © Nintendo

Diese Formal ist jedoch kein Garant für einen Sieg: Wenn man z.B. einen Helden durch Fernkampf schwächt, kann man ihn schlussendlich meist auch mit einem Helden bezwingen, der eigentlich schwach sein müsste. Die Positionierung eurer Truppen entscheidet deshalb oft über Sieg oder Niederlage in einem Kampf.

Spezialfähigkeiten runden das Spielsystem noch einmal positiv ab. Mit ihnen könnt ihr z.B. eigenen Helden zusätzliche Bewegungen ermöglichen oder diese heilen bzw. verstärken, gegnerische Helden zu euch hin bewegen, oder auch besondere Kampfeffekte auslösen, die euch alle paar Runden nützliche Boni verleihen.

Neben den Kämpfen gibt es auch allerhand zu erledigen: Neben der Rekrutierung neuer Helden könnt ihr mithilfe erspielter Kristalle auch Charaktere aufleveln, die nicht an Kämpfen teilnehmen, sowie eure Helden verstärken, indem ihr ihre Fähigkeiten verbessert oder deren „Potential“ freisetzt. Dadurch verbessert sich deren Sterne-Niveau – damit kommen wir schließlich langsam zum leidigen Thema free-to-play.

Fire Emblem Heroes
Helden auf dem höchsten Grad sind nicht unbezwingbar, aber sehr stark. Sobald sie aber alle ihre Fähigkeiten erlernt haben, sind sie nur noch schwer aufzuhalten; © Nintendo

Ein Held kann zwischen einem und fünf Sternen haben, welche seine etwaige Stärke im Vergleich zu anderen Helden angeben. Langsam aber sicher lassen sich zwar problemlos alle Helden verbessern, dies dauert aber wohl eine sehr lange Zeit. Vor allem für höhere Ränge benötigt ihr Unmengen an Materialen, die man sich allesamt mühevoll erspielen muss, wenn man nicht zum einfacheren Mittel greift: Mikrotransaktionen. Mit Hilfe dieser könnt ihr für Preise zwischen 1,99€ und 74,99 € sogenannte Sphären kaufen, die die Prämiumwährung des Spiels darstellen. Diese werden nicht nur dazu benutzt, um neue Helden zu rekrutieren: Mit ihrer Hilfe kann man zudem sein Schloss verbessern, was einem mehr Erfahrungspunkte im Kampf einbringt, sowie seine Energie und die Anzahl erlaubter Kämpfe in der Arena wieder aufladen, wodurch man länger spielen kann. Man kann sich damit sogar ein „Continue“ kaufen, wenn man bei einer nicht-Arena Mission stirbt, wodurch man die geschwächten Helden des Gegners noch einmal mit seinen voll aufgeladenen Recken bekämpfen darf. Dies geht natürlich schon ein wenig in die Richtung „pay-to-win“, also bezahlen um zu gewinnen, ist aber verkraftbar – und außerdem kann man auch ohne Investition von Geld viel Spaß haben.

Grafik
Fire Emblem Heroes
Kämpfe werden durch kurze Zwischensequenzen dargestellt, welche be Bedarf auch abgeschaltet werden können; © Nintendo

Bei Fire Emblem Heroes handelt es sich um ein Spiel für Smartphones. Es entspricht zwar nicht ganz den Möglichkeiten heutiger Geräte, muss sich jedoch auch nicht verstecken, im Gegenteil: Anstatt mit 3D-Grafik besticht Fire Emblem Heroes durch gezeichnete Charatere, Kampffelder sowie die zahlreichen Artworks der Helden, die bis auf wenige Ausnahmen eigentlich immer schön anzusehen sind. Vor allem auf besseren Bildschirmen wirkt das Spiel wunderschön.

Sound

Der Sound des Spiels ist durchweg stimmig. Hintergrundmusik, Kampfgeräusche und auch die Stimmen der Charaktere passen wundervoll ins Setting und können deshalb absolut überzeugen. Am „prunkvollen“ Hauptthema des Spieles, das beim Starten der App geöffnet wird, könnte sich jedoch der ein oder andere Spieler stören – mir persönlich hat es jedoch gerade deshalb sehr gut gefallen.

Lokalisierung

Das Spiel verfügt über deutsche Bildschirmtexte. Die gesprochenen Zeilen der Charaktere sind jedoch nur auf Englisch verfügbar, auch, wenn man sich zu Beginn für Deutsch als Sprachoption entscheidet. Die Synchronsprecher sind jedoch durchweg sehr gut und schaffen es, die Charaktere trotz nur weniger eingesprochener Zeilen lebendig wirken zu lassen. Weiterhin scheint die Übersetzung sehr solide zu sein, größere Makel sind mir beim Spielen nicht aufgefallen. Typische Nintendo-Qualität eben.

Spielmodi
Fire Emblem Heroes
In eurem Schloss versammeln sich eure Helden und schenken euch auch manchmal ein paar nützliche Gegenstände; © Nintendo

Derzeit gibt es bei Fire Emblem Heroes vier verschiedene Modi, in denen ihr Kämpfe bestreiten könnt: Die Hauptkarten, welche die Story-Quests (sowie später erscheinende Nebenquests) beinhalten, Spezialkarten, bei denen ihr zusätzliche Helden und andere Boni freischaltet, den Übungsturm, in dem ihr eure Helden trainiert und die Arena, in der ihr euch für wöchentliche Boni an Kämpfen gegen die (computergesteuerten) Teams anderer Spieler versuchen könnt. Leider gibt es derzeit noch keinen Mehrspieler-Modus, dieser könnte aber durchaus noch kommen – ein fünfter Modus wird bereits angezeigt, kann allerdings noch nicht ausgewählt werden. Eine Freundesliste gibt es trotzdem schon. Dort zählt übrigens Masse statt Klasse – je mehr Freunde ihr habt, desto mehr tägliche Belohnungen könnt ihr durch diese erhalten.

In den verschiedenen Modi könnt ihr zudem zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen, bei denen das empfohlene Level eurer Charaktere natürlich langsam steigt. Derzeit gibt es 45 Story-Missionen, was bei drei Schwierigkeitsgraden eine Menge an Spielzeit hergibt. Die Story ist zudem noch nicht abgeschlossen. Wir können deshalb auf einen stetigen Update-Fluss an neuen Inhalten hoffen.

Info
Name: Fire Emblem Heroes
Original Name: ファイアーエムブレム ヒーローズ
Publisher: Nintendo
Entwickler: Intelligent Systems
Plattform: IOS/Android
Genre: Strategie-Rollenspiel
USK: 12
Release: 02. Februar 2017
Preis: kostenlos mit Mikrotransaktionen
Fire Emblem Heroes
Fazit
Fire Emblem Heroes ist zwar eine stark abgespeckte Version der Hauptserie, kann aber auf Smartphones durchaus überzeugen. Es ermöglicht Interessierten einen kostenlosen Einblick in die Welt von Fire Emblem und kann auch Fans der Serie durch Nostalgie und Sammelwahn begeistern. Die kurzen Missionen sind zudem perfekt angepasst auf kurzweiliges Spielen für unterwegs - mit nur wenigen Minuten kann man deshalb bequem eine Zugfahrt, eine Pause oder sonstiges füllen, wenn man das Bedürfnis hat, mal wieder den Kopf ein bisschen anzustrengen und seine Gegner mit einer guten Strategie zu bezwingen.
Story
Steuerung
Grafik
Sound
Gameplay
Azathoth
Student der Ostasienwissenschaften. Ich schreibe über Kultur, Sprache, Wirtschaft und Politik Japans. Dann und wann helfe ich außerdem der Spiele-Abteilung.

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