Zeitgleich zu Assassination Classroom 2 veröffentlichen MFA+ am 28. Oktober 2016 auch den Film Litchi Hikari Club in Deutschland. Doch was hat dieser Horrorfilm zu bieten, der über ein verdrehtes Ideal von Jugendlichen handelt?

Worum geht es?

Man schreibt das Jahr 2XXX. Eine verlassene Fabrikhalle in der Industriestadt Keiko ist das Versteck des Hikari Clubs, dessen neun Mitglieder nur ein Ziel vereint: Die Jungen habe sich unter ihrem Anführer Zera gegen die kaputte und verlogene Welt der Erwachsenen verschworen und erklären ihre eigene, unberührte Jugend zum Kult. Für ihren Kampf gegen die hässlichen Erwachsenen bauen sie Litchi, einen riesigen Roboter, der ausgestattet mit künstlicher Intelligenz ein Mädchen von reiner Schönheit entführt. Mit ihr will Zera eine Welt makelloser, jugendlicher Perfektion erschaffen. Aber die Ankunft des Mädchens setzt bei den heranwachsenden Jungen unausweichlich eine Spirale aus Verlangen und Fantasien in Gang. Doch die Regeln des Litchi Hikari Clubs sind streng, und Verstöße werden hart bestraft.

Die Story

Litchi Hikari Club
© Nikkatsu

Der Film Litchi Hikari Club handelt von außer Kontrolle geratenen Jugendlichen, der extrem verdrehten Realität des Hikari Clubs und dessen Anführers Zera. Ihr Ideal wird mit einer blutigen Gewalttätigkeit in sehr vielen Szenen gut und überzeugend dargestellt.

Warum genau diese Gruppe das eigentlich tut, das junge hübsche Mädchen gefangen hält und sie solch einen Hass gegenüber den Erwachsenen hegen, erkennt man hier nur sehr schwer und wird kaum geklärt. Daher sucht man schnell nach dem Sinn hinter der Geschichte des Films.

Die Charaktere und Schauspieler

Die Clubmitglieder werden in Deutsch durchgezählt, sie sprechen an einigen Stellen sogar deutsche Sätze und das Verhalten des Anführers Zera kommt eines Diktators gleich.
Dass sie Deutsch sprechen, ist zwar leider nicht so gut zu erkennen, da der komplette Film natürlich Deutsch synchronisiert ist, aber man erkennt es anhand der eingeblendeten Untertitel und auf die Lippensynchronität. Dass man hier das abgrundtiefe Böse mit scheinbar „deutschen Nazis“ darstellen wollte, wird sehr schnell klar.

Wem es interessiert, wie gut die japanischen Darsteller Deutsch sprechen können, sollte sich demnach auch die Original-Fassung anschauen. Leider sind sie nicht ganz so gut zu verstehen, was aber einem japanischen Zuschauer sicher nicht sehr auffällt.

Allgemein sind es extrem viele Charaktere, die in dem Film auftauchen, die auch wirklich eine Rolle spielen. Daher kommt der ein oder andere aufgrund der kurzen Spieldauer, die ein Kinofilm mit sich bringt, leider etwas zu kurz und man kann leicht den Überblick verlieren. Die Charaktere der Hikari Clubs haben alle ein großes Potential, doch dieses konnte nicht vollkommen ausgeschöpft werden. Allein wenn es um die schwule Beziehung zwischen Zera und Jaibo geht, hätte man gerne mehr über die Vergangenheit der beiden erfahren. Wenn man das Originalwerk nicht kennt, war diese Beziehung zunächst sehr überraschend, für Boys-Love-Liebhaber sorgten Zera und Jaibo allerdings für einige interessante Momente.

Litchi Hikari Club
© Nikkatsu

Interessant war hier natürlich, wie Schauspieler Yuki Furukawa es meistert, solch eine Art Charakter überzeugend und glaubhaft herüber zu bringen. Obwohl er auch schon Mitte-Ende Zwanzig ist, ist er trotzdem in der Lage problemlos einen Jugendlichen zu spielen. Das Verhalten und die Denkweise seines zu spielenden Charakters Zera passte zwar vielleicht nicht optimal zu seinen jungenhaften und weichen Gesicht, allerdings konnte er eine wirklich wunderbare und gar herausragende Leistung zur Schau stellen. Es ist auf jeden Fall eine Rolle gewesen, die man bisher noch nie von ihm sah und das machte die Sache noch interessanter und spannender. Yuki Furukawa konnte mit seinem Schauspiel alle anderen in den Schatten stellen.

Allerdings hätte der Film mehr Charaktertiefe gebraucht. So viel wie auf die Freundschaft zwischen Tamiya, Kaneda und Tabuse eingegangen wurde, hätten es viele andere Charaktere in dem Film ebenso verdient. Doch dies innerhalb eines ca. 2-stündigen Films zu schaffen, war anscheinend einfach nicht möglich.

Kanon war das einzige Mädchen in der Geschichte und kreierte ein paar sinnliche Momente, zusammen mit Roboter Litchi, der wunderbar in Szene gestellt wurde. Die beiden stellen einen ausschlaggebenden Faktor in der Geschichte von Litchi Hikari Club dar, auch wenn dies in ein Massaker führt.

Die Umsetzung

Litchi Hikari Club MFA 4
© Nikkatsu / MFAsia

Ich muss zugeben, dass Litchi Hikari Club doch extremer war, als ich es mir vorstellte. Es floss viel Blut, es gab sexistische Szenen und krasse Darstellungen der Mordmethoden des Hikari Clubs. Dabei sah man so einige Dinge, die man nicht wirklich sehen wollte. Daher konnte eine leicht verstörende Atmosphäre aufkommen und die Alterseinstufung von 18 Jahren ist durchaus gerechtfertigt! Kein Wunder, dass der Film unter die Kategorie Horror fällt.

Litchi Hikari Club wurde die ganze Zeit in dunklen Tönen gehalten, was allerdings perfekt zur Thematik und den Charakteren passte. Von der Umsetzung her kann man hier wirklich nichts auszusetzen haben.

Die Synchronisation

Die Synchronisation war durchaus in Ordnung, auch wenn es nicht die beste Leistung für einen japanischen Film war, der in Deutschland veröffentlicht wurde. Da hat Assassination Classroom etwas mehr überzeugen können.

Die Stimmen waren an sich gut gewählt, aber oft wirkten sie etwas schwach und wacklig.

Info

Litchi Hikari Club MFA Cover
© MFAsia

Litchi Hikari Club
Originaltitel: ライチ☆光クラブ
Transkription: Raichi☆Hikari Kurabu
Format: Film
Produktion: Nikkatsu
Deutscher Publisher: MFA+
Regie: Eisuke Naito
Drehbuch: Keisuke Tominaga, Eisuke Naito
Länge:
115 Minuten
Genre:
Horror
Japanischer Kinostart:
13. Februar 2016
Deutsche Veröffentlichung:
28. Oktober 2016
Freigegeben ab:
FSK 18
Sprache:
Deutsch, Japanisch mit deutschem Untertitel
Medium:
DVD / Blu-Ray


Litchi Hikari Club
Fazit
Litchi Hikari Club ist kein Film, den man unterschätzen sollte. Krasse und blutige Szenen, ein verdrehtes Ideal einer Gruppe von Jugendlichen, die alles dafür tun würden, um ihre ewige und unschuldige Jugend zu bewahren. Doch das Bild scheint zu bröckeln. MFA+ holte hier einen Titel nach Deutschland, der zu Recht ab 18 und als Horrorfilm bezeichnet wird.
Story73
Charaktere85
Synchronisation72
Umsetzung83
San-Tenshi
I LOVE JAPAN! Japanische Musik und Jdrama gehören zu meiner Spezialität. Bloggen, subben, zeichnen, reisen, es gibt so einiges was ich gerne mache.

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