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Cross Account – Eine harmlose Gefahr und ein prominenter Kackhaufen auf der Suche nach sich selbst

Mit Tsunehiro Date und seinem Werk Cross Account holt Carlsen Manga! einen neuen Mangaka nach Deutschland, dessen Geschichte sowohl für männliche als auch weibliche Leser einige interessante Aspekte bietet. Obwohl der Zeichner noch nicht so lange im Geschäft ist, kreiert er eine Story, die ernste Themen einfühlsam und abwechslungsreich verpackt, ohne ins Drama abzurutschen.

Mit seinem Wechsel auf die Highschool geht es im Leben des Daichi Tamanashi bergab. Als Otaku hat man keinen leichten Stand, deswegen entschied sich der Junge möglichst nicht aufzufallen und unter dem Radar zu bleiben. Das führt dazu, dass ihn die meisten seiner Klassenkameraden kaum beachten und er von allen nur „Der Harmlose“ genannt wird. Selbst als er aus Versehen in die Mädchen-Umkleide stolpert, nehmen ihn seine Mitschülerinnen nicht ernst. Einzig im Social Network „Dokey Ears“ kann sich Daichi ausleben. Dort ist er „Die Gefahr“ und hat über 3.000 Follower.

Eines Tages schreibt ihn jemand, der sich selbst als „Genialer Kackhaufen“ bezeichnet, an. Daraus entsteht eine besondere Freundschaft, die es Daichi ermöglicht, mehr aus sich herauszukommen. Mit seinem Online-Freund teilt der Schüler schon bald alle Geheimnisse, auch seine Schwärmerei für die hübsche Schauspielerin Nanoka Satsuki. Was Daichi nicht weiß: Der „Geniale Kackhaufen“ ist weder ein Junge noch irgendeine Schülerin. Daichis Chat-Kontakt ist gleichzeitig sein Schwarm, Nanoka Satsuki.

(Virtuelle) x Realität

Cross Account befasst sich auf humorvolle Weise mit einer heute immer wichtiger werdenden Frage – der virtuellen Realität und der Bedeutung der sozialen Netzwerke. Jugendliche verkehren teilweise nur noch mit virtuellen Freunden oder sehen die Anzahl an Followern als Gradmesser für die eigene Beliebtheit an. Der Manga widmet sich dem Problem, dass man zwar online sehr viele „Freunde“ haben kann, in der Realität allerdings oft allein dasteht.

Gleichzeitig illustriert er die Freundschaft zwischen Personen, die sich noch nie gesehen haben und dadurch weder durch persönliche Vorlieben noch gesellschaftliche Konventionen gehemmt werden. Während Daichi und Nanoka im realen Leben so gut wie keine Berührungspunkte haben, sind sie sich im Chat sehr nah. Nur online glauben sie, ihr wahres Ich zeigen zu dürfen, gerade weil sie nicht immer dem gängigen Standard entsprechen.

Die Chats zwischen Daichi und Nanoka sind gut in den Flow der Handlung eingebunden, sodass sie den Verlauf der Geschichte nicht behindern. Vielmehr dienen sie als Aufhänger für Veränderungen, die zumindest bei Daichi rasch zu sehen sind. Durch die Ermutigungen des „Genialen Kackhaufens“ beginnt er sich zu entwickeln und kann sich so immer mehr in die Klasse integrieren und erste Bande zu seinen Klassenkameraden knüpfen.

Die Romanze zwischen Daichi und Nanoka tritt erst einmal in den Hintergrund, vor allem da Ersterer noch nicht einmal weiß, wem er da von seiner „großen Liebe“ vorschwärmt. Während die Beziehung zwischen dem Jungen und dem Idol anfangs noch parallel verläuft, weil keiner die Identität des anderen kennt, kommt es in der Mitte des ersten Bandes zu einer Aufteilung. Daichi und Nanoka treffen aufeinander und zumindest sie weiß dann, mit wem sie ihre geheime Leidenschaft teilt, behält ihr Geheimnis aber weiterhin für sich.

Der Star & Ich

Obwohl sich das Figuren-Geflecht, verursacht durch Daichis Zurückhaltung, bisher noch sehr übersichtlich gestaltet, lassen sich schon einige Konflikte und Verwicklungen erkennen. Sowohl die Beziehung von Daichi und Nanoka als auch die Verbindung des Jungen zu seiner ehemaligen Sandkastenfreundin Mao liefern einiges an Zündstoff für eine schöne Dreiecksgeschichte. Während Daichi mit seiner Bewunderung für Nanoka sehr offen umgeht, schafft es Mao, ihre Gefühle gekonnt zu verschleiern. Zumindest Daichi hat keine Ahnung. Die Tatsache, dass Mao in der Klasse eine ganze Riege Verehrer hat, sorgt für weiteren Wirbel. Denn ihre Verehrer schrecken nicht davor zurück, Daichi als Spitzel anzuheuern.

Die Figur der Nanoka ist bisher die am schwersten einschätzbare. Auf der einen Seite ein gefeiertes Idol, dem die Herzen zufliegen. Auf der anderen Seite ein waschechter Otaku, der auch kein Problem hat, Unsummen für seine Leidenschaft auszugeben. Während das Mädchen Daichi gegenüber immer wieder betont, wie wichtig es ist, man selbst zu sein, schafft sie es nicht, sich gegen ihre Mutter, die sie augenscheinlich in die Rolle des Idols drängt, durchzusetzen. Bei einem kleinen Kind, das seiner Mama gefallen möchte, ist diese Herangehensweise verständlich. Bei einer Mittelschülerin könnte man langsam erwarten, dass sie in der Lage ist, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

Die Figuren entsprechen in ihrer Darstellung und ihrer Interaktion zwar einem durchaus gängigen Klischee, dennoch macht es Spaß, ihnen bei ihrer Suche nach sich selbst zuzusehen. Vor allem die Verbindung von Mao und Daichi trägt einiges zur Komik der Geschichte bei. Obwohl Mao es in ihrem Innersten gut meint, gehen ihre Versuche, den Jungen in die Klasse zu integrieren, meist ein wenig am Ziel vorbei. Nanoka bleibt erst einmal ein Charakter, mit dem man als Leser nur schwer warm wird, dafür wirkt ihr Verhalten zu widersprüchlich.

Cross Account Volume 2 CoverKunst x Standard

Optisch bietet Cross Account eine durchaus ansprechende Erscheinung, bleibt allerdings auch hier sehr klischeehaft. Daichi sieht, wie es sein Spitzname sagt, harmlos und halt total durchschnittlich aus. Normal groß, schwarze Haare und ein wenig sagendes Gesicht. Das krasse Gegenteil in der Öffentlichkeit stellt Nanoka dar. Ein Idol mit Bilderbuch-Figur und immer zu allen nett. Im Prinzip also auch langweiliger Standard. Erst hinter verschlossenen Türen, wenn die Maske fällt, entwickelt sich das Mädchen zu einem Charakter, der einen solchen auch wirklich besitzt. Bleibt zu hoffen, dass sie Gelegenheit erhält, davon mehr zu zeigen.

Die Zeichnungen wirken insgesamt so makellos wie es die weibliche Hauptfigur Nanoka verspricht. Liebhaber schön gezeichneter Romantik finden wenige Kritikpunkte. Selbst der Fan-Service ist nur zweitweise und meist eher dezent eingebracht, sodass er sogar ein wenig zur Handlung beiträgt, was nur in den wenigsten anderen Storys wirklich gelingt. Die Gefahr, sich die Augen zu verblitzen, besteht also nicht.

Obwohl der Mangaka seine Werke noch nicht sehr lange bei größeren Verlagen veröffentlicht, besitzen sie eine schöne Ausstrahlung und machen auch grafisch Lust auf mehr. Seine erste Geschichte Tokyo Wonder Boys erschien in Japan 2014. Seitdem folgte jedes Jahr eine neue Reihe, wobei Cross Account seine bisher letzte Reihe ist und ursprünglich 2017 an den Start ging.

Tsunehiro Date zeichnete seinen Manga komplett am PC, was er am Ende auch sehr humorvoll illustriert. Dieser kurze Cross x Talk ist allerdings auch das einzige Extra, das dem Band beigelegt ist. Bei seinem ansprechenden Zeichenstil hätte wenigstens eine Farbseite, wie sie in vielen Werken mittlerweile Standard ist, den Band durchaus aufgewertet. Unter dem Strich bleibt ein ansprechender Einstieg in eine Reihe, die mit insgesamt vier Bänden übersichtlich bleibt.

Fazit

Tsunehiro Date gelingt mit Cross Account ein Debütwerk, das die Neugier auf weitere Geschichten weckt. Die Idee der zwei Leben, online und real, setzt der Zeichner sowohl amüsant als auch mit Blick auf die Probleme um. Die angedeutete Dreiecksbeziehung sorgt für weitere Spannung. Die Frage, wer am Ende mit wem eine wirkliche Beziehung eingeht, bleibt erst einmal noch im Raum stehen und animiert vor allem die weiblichen Leser zum Mitfiebern. Die Herren der Schöpfung können sich hingegen über ein wenig Fanservice und einige Slap-Stick-Bilder freuen. Ein Protagonist, der einem, Klischee hin oder her, schnell ans Herz wächst, rundet den Startband gelungen ab.

Cross Account Band 1
Bild: Tsunehiro Date

Info
Cross Account
Original Name: クロスアカウント
Transkription: Cross Account
Von: Tsunehiro Date
Verlag: Carlsen Manga!
Verfügbar: 4 Bände
Preis: 6,99 EUR
Genre: Romance, Comedy, Slice of Life
Empfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3551742056

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