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Einblicke in das Leben des ersten Kaisers von China

Der erste Kaiser – Lebensaufgabe Weltherrschaft

Die meisten Menschen hierzulande können mit dem Namen Ying Zheng nicht viel anfangen. Spricht man allerdings von Qin Shihuangdi, dem ersten Kaiser Chinas, werden die Reaktionen schon zahlreicher. Vor allem wegen seiner Terrakotta-Armee ist der erste Herrscher Chinas hierzulande bekannt. Aber wie wurde aus dem kleinen Prinzen von Qin der Mann, der im Alleingang ein Weltreich konzipierte? Der taiwanesische Künstler Chen Uen gewährt in seinem Manhua Der erste Kaiser Einblicke in das Leben dieses außergewöhnlichen Mannes.

Chen Uens Geschichte beginnt im Jahr 233. Ying Zheng ist zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt und schickt sich an, die ihm bekannte Welt zu unterwerfen. Der junge König von Qin hat große Pläne für sein Reich ebenso wie für die sechs Nachbarstaaten. Dafür braucht er eine funktionierende Verwaltung. Er hört von dem Gelehrten Han Fei, der in seinen Schriften nicht gerade milde mit dem König zu Gericht geht. Allerdings liefert er ihm viele Denkansätze, die dem Herrscher helfen, seinen Regierungsapparat zu verbessern. Er holt den jungen Mann an seinen Hof, nicht ahnend, dass dieser dort bereits mächtige Feinde hat. Schon bald ist die Heimat von Han Fei das erste Nachbarland, das sich Ying Zheng auf seinem Weg zum Alleinherrscher Qin Shihuangdi einverleibt.

Obwohl Der erste Kaiser nur einzelne Passagen aus den jungen Jahren des Kaisers von Qin enthält, illustriert das Werk überzeugend die Persönlichkeit des Herrschers, der einmal zu den größten Chinas gehören wird. Auf der einen Seite fasziniert von der Persönlichkeit Qin Shihuangdis, vergisst der Künstler nicht, die dunklen, gewaltsamen Aspekte des Herrschers zu zeigen.

Ein Reich – Ein Kaiser

Der erste Kaiser ist thematisch in zwei Hälften geteilt, die sich jeweils einer Person widmen, die mit dem König von Qin in Kontakt kommt und diesem dabei hilft, sein Weltreich aufzubauen. Dass sie dies in der Regel nicht freiwillig tun, wird dabei nicht vergessen. Während der eine als Gehilfe wider Willen an den Hof geholt wird, darf der andere Charakter Li Mu wenigstens bis zum Schluss offen gegen den jungen König rebellieren. Dass es keinem von beiden etwas nützt, lehrt nicht nur die Geschichte, der Autor illustriert es ebenso eindrucksvoll.

Obwohl Ying Zheng die Hauptfigur der Geschichte ist, kommen seine Gegenspieler Han Fei und Li Mu in ihrer Darstellung fast besser weg. Beide erhalten den Anstrich ehrenwerter Männer, die alles für ihr Reich tun, sich allerdings Gegnern gegenübersehen, die sie unterschätzen. Oft ist es nicht einmal der König selbst, der diesen Figuren zum Verhängnis wird. Es ist ihre Zeit und die Welt, in der sich die beiden bewegen, der sie nicht gewachsen sind. Beide Gegner des jungen Herrschers fallen Intrigen zum Opfer, ohne dass der Kaiser direkt involviert ist. Allerdings weiß dieser die Situationen stets perfekt für seine Zwecke zu nutzen.

Auch bleibt der König in seiner Darstellung von Chen Uen ambivalent. Auf der einen Seite zeigt der Autor einen Menschen, der durchaus mit Kritik umgehen kann, wenn sie seinen Zielen nützt. Nur wenig später stellt der Zeichner dann eine Figur dar, die ohne mit der Wimper zu zucken auch ihre eigenen Untergebenen umbringt, nur um den Führungsapparat auf Spur zu halten. Diese wechselhafte Gestaltung macht es schwer, den König wirklich zu verstehen, denn in der Regel reagiert er anders als erwartet.

Wer in Der erste Kaiser einen Lobgesang auf das Leben Qin Shihuangdis erwartet, wird enttäuscht. Chen Uen zeigt den Herrscher so wie er später sein Weltreich regiert, mit eiserner Hand und ohne große Rücksicht auf Verluste. Während er seine Nachbarn militärisch einfach überrennt, traut er nicht einmal seinen eigenen Beratern wirklich über den Weg. Allerdings dürften diese in Wahrheit nicht so grotesk ausgesehen haben wie der Künstler sie in seinem Werk darstellt.

Eine neue Welt

Künstlerisch weiß Chen Uen in seinem Werk eine außergewöhnliche Darstellung zu liefern. Der taiwanesische Künstler, der leider 2017 verstorben ist, galt als einer der besten Zeichner mit dem Tuschpinsel, was er in Der erste Kaiser auch eindrücklich unter Beweis stellt. Der gesamte Manhua besticht durch ein einfaches, aber nichtsdestotrotz ausdrucksstarkes Design. Obwohl der Künstler ohne Raster arbeitet, gelingt es ihm allein durch Schattierungen der Tusche eine große Tiefe in seinen Darstellungen zu erreichen.

Autor Chen Uen
Bild: Chinabooks´

Die Figuren haben ein individuelles Aussehen, wobei Chen Uen teilweise ein wenig zu sehr in die Welt der Fiktion abgleitet. Manche Charaktere fallen schon sehr gewöhnungsbedürftig aus. Allerdings unterstreicht die Darstellung die Rolle, die der Person zukommt. Ein Spitzel des Kaisers braucht nicht unbedingt ein Gesicht und ein groß gewachsener Krieger ist kein Meister im Geiste. Ein wenig Klischee schadet zwar keiner Geschichte, allerdings hätte es der Künstler nicht nötig gehabt auf diese zurückzugreifen, um eindrucksvolle Figuren zu schaffen.

Durch eine kurze Einleitung erhält der Leser eine Einführung in die Geschichte und die Gedanken des Künstlers. Chen Uen erklärt, wie schwierig es für ihn war, dem ersten Kaiser Chinas in jungen Jahren ein passendes Gesicht zu geben. Erst nachdem er von den realen Vorlagen abwich, war der Zeichner in der Lage ein Gesicht zu kreieren, das ihm passend erschien. Zwar weicht er dadurch von der Authentizität ab, seine Figur erscheint aber irgendwie stärker und echter. Dass er dabei insgesamt ein wenig übertreibt, ist zwar schade, kann unter dem Strich aber verschmerzt werden.

Was den Manhua in der deutschsprachigen Umsetzung so außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, dass die Geschichte einmal in übersetzter und anschließend noch in der Originalsprache vorliegt. Für knapp 32 Euro erhält man einen 510 Seiten dicken Band, der außerdem in einem vergrößerten Format erscheint. Beide Versionen werden durch 4 Farbseiten eingeleitet, in denen Chen Uen eindrucksvoll beweist, über welch große Fähigkeiten er als Künstler verfügte. Die Illustrationen sind auf den ersten Blick zwar ein wenig einfach gehalten, aber trotzdem sehr ausdrucksstark und machen neugierig auf die Geschichte. Das einzige Manko sind die recht dünnen Seiten, die den Manhua zwar leichter machen, aber beim Umblättern eine gewisse Vorsicht voraussetzen.

Fazit

Der erste Kaiser von Chen Uen ist sowohl inhaltlich als auch künstlerisch eine außergewöhnliche Veröffentlichung. Obwohl die Geschichte nur zwei kurze Abschnitte im Leben des späteren Kaisers von China zeigt, stellt das Werk einen Menschen dar, der genau weiß, was er will und bereit ist, dafür auch über Leichen zu gehen. Egal ob Freund oder Feind, Ying Zhen benutzt die Menschen so wie es ihm beliebt. Auf der einen Seite respektvoller Mann, auf der anderen kaltblütiger Eroberer, verliert sich Chen Uen nicht in einem Helden-Pathos, das heute selbst in China nicht mehr aufrechterhalten wird.

Chinabooks hat sich für seine deutschsprachige Veröffentlichung einiges überlegt und präsentiert Der erste Kaiser nicht nur in einer übersetzten Version, sondern auch in der Originalsprache. Diese Veröffentlichung zusammen mit dem außergewöhnlichen Zeichenstil Chen Uens machen den Manhua zu einem Pflichtkauf für alle, die sich für die Geschichte Chinas und seines ersten Herrschers interessieren.

Manhua Der erste Kaiser
Bild: Chen Uen

Info

Der erste Kaiser
Original Name: 中文简体德文双语版
Von: Chen Uen
Verlag: Chinabooks E. Wolf
Verfügbar: Einzelband
Preis: 31,67 Euro
Genre: Action, Fantasy, Drama
ISBN: 978-3905816822

Unsere Meinung

Story
9,0
Zeichnungen
9,0
Preis
9,5

Fazit

Der erste Kaiser ist ein Werk, das sowohl inhaltlich als auch künstlerisch zwar die ein oder andere kleine Schwäche hat, aber in seiner Gesamtheit trotzdem überzeugen kann. Vor allem die ungewöhnliche Darstellungsform wirkt auf den ersten Blick ein wenig befremdlich, lässt man sich allerdings darauf ein, ist man bald begeistert von dem künstlerischen Gesamteindruck in Chen Uens Werk.

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