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Der Graf von Monte Christo – Mein ist die Rache

Der Graf von Monte Christo von Autor Alexandre Dumas zählt zu den international bekanntesten Werken der französischen Literatur. Die Geschichte über Liebe, Verrat und Rache ist zeitlos, was vor allem an den zahllosen Adaptionen liegt. Ena Moriyama verpackte die Originalstory, die in der Regel mehrere Bände umfasst, in einen fesselnden One-Shot.

Im Frühjahr 1815 kehrt der junge Seemann Edmond Dantes nach einer abenteuerlichen Reise in den Hafen von Marseilles zurück. Auf Befehl des inzwischen verstorbenen Kapitäns machte das Schiff einen Umweg und läuft die Insel Elba an, auf der der ehemalige Kaiser Napoleon Bonaparte im Exil lebt. Der Kapitän nahm dort einen Brief in Empfang, den er vor seinem Tod an Dantes weitergab, mit dem Auftrag, diesen zu überbringen.

Als Dantes sich auf den Weg in seinen Heimatort macht, hat er den Brief fast vergessen. Der junge Mann plant die Hochzeit mit seiner Jugendliebe Mercedes. Als das verliebte Paar auf dem Weg zur Trauung ist, hält die Polizei die Hochzeitsgesellschaft auf. Den Bräutigam verhaftet sie wegen Hochverrats. Der naive Seemann bemerkt nicht, dass sein Glück einige Neider auf den Plan gerufen hat. Der Offizier Danglars, der selbst Kapitän werden möchte, sieht seine Chancen schwinden. Und Fernand, der Cousin von Mercedes, ist selbst in die junge Frau verliebt.

Beide zusammen verfassen einen Brief, in dem sie den jungen Offizier des Landesverrats beschuldigen. Der zuständige Staatsanwalt Villefort verbrennt zwar den Brief, schickt Dantes aber anschließend ins Gefängnis. Nach Jahren der Einzelhaft lernt der mittlerweile verzweifelte Dantes dort den Geistlichen Abbé Farria kennen, der ihm von einem gigantischen Schatz auf der Insel Monte Christo berichtet. Nach 14 Jahren gelingt Edmond Dantes die Flucht. Als reicher Graf von Monte Christo kehrt er nach Frankreich zurück mit nur einem Ziel, Rache zu nehmen an denen, die ihn ins Gefängnis brachten…

Meisterwerk meets Manga

Bei einem so bekannten Stoff wie Der Graf von Monte Christo ist bei einer Adaption nicht mehr so sehr das was, sondern das wie interessant. Wie nähert sich die Künstlerin der Geschichte, welche Schwerpunkte setzt sie? Bei einer umfassenden Vorlage ist es unmöglich, alles zu übernehmen, sodass immer Teile wegfallen oder zugunsten des Erzählflusses umgeschrieben werden.

Auch Ena Toyama stellte sich dieser Herausforderung und präsentiert in ihrem Manga eine ansprechende und spannende Lösung. Bei einem One-Shot muss es innerhalb der Geschichte schnell vorangehen, sodass für Zwischenepisoden kaum Zeit bleibt. Dementsprechend geradlinig entwickelt sich die Handlung. Zeitsprünge, wie sie in der Vorlage vorkommen, treten sehr rasant auf, sodass innerhalb nur weniger Panels knapp zehn Jahre vergehen. An dieses Tempo muss man sich als Leser erst einmal gewöhnen.

In der generellen Ausrichtung bleibt die Mangaka der Vorlage treu, sodass es eine klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse gibt. Die Verräter erwarben durch teilweise zwielichtige Methoden Reichtum und Wohlstand, während die anständigen Figuren erst der Rettung bedürfen. Dieses klassische Schwarz-Weiß-Schema wirkt auf viele heutige Leser vielleicht ein wenig befremdlich beziehungsweise zu einfach. In Zusammenhang mit der Entwicklung der Handlung erweist es sich allerdings als stimmig.

Obwohl im Manga die Finesse der Vorlage, begründet durch die Fokussierung auf die wichtigsten Punkte innerhalb der Story, ein wenig verloren geht, liefert Ena Toyama mit ihrer Adaption eine ansprechende und verständliche Umsetzung des ursprünglichen Stoffes. Die Altersempfehlung ergibt sich dabei weniger aufgrund der Bilder als vielmehr der Geschichte, die sehr auf die Klärung moralischer Fragen und persönlicher Schuldigkeit ausgelegt ist. Durch einige kleine Comedy-Elemente gelingt es der Zeichnerin, den ernsten Grundton der Story ein wenig aufzulockern. Trotzdem bleiben die kritischen Fragen nach Schuld, Sühne und die Grenzen der Selbstjustiz bestehen.

Der Fremde aus dem Orient gibt sich die Ehre

Schon mit dem Cover ihres Werkes macht Toyama klar, dass sie sich vorrangig auf die orientalischen Aspekte konzentriert. Spielt Haydee oftmals mehr die Rolle einer Schachfigur, die als Mittel zum Zweck dient, tritt sie im Manga Der Graf von Monte Christo als zweite Hauptfigur auf. Diesen Gedanken unterwirft die Zeichnerin den Aufbau der Geschichte, sodass die meisten anderen weiblichen Charaktere zu Randfiguren deklassiert werden.

Ein ähnliches Schicksal ist auch den meisten anderen Personen beschert, die nicht unmittelbar mit dem Rachefeldzug des Grafen in Verbindung stehen. Durch die starke Fokussierung tauchen viele Charaktere kurz auf, verschwinden aber genauso schnell auf Nimmerwiedersehen. Einige Nebenstränge der Handlung wirken deswegen unabgeschlossen, was manche Leser mit einigen Fragezeichen zurückbleiben lässt.

Bei den Figuren, die den Weg in den Manga finden, gelingt der Zeichnerin eine passende Umsetzung der Charaktere. Diese bleiben ihren Vorlagen treu, wurden allerdings so gestaltet, dass sie auch den heutigen Leser ansprechen, auch wenn die meisten Charaktere von ihrer Darstellung mehr Raum verdient hätten, als die Adaptionen ihnen lässt.

Die Grundzüge der Handlung bleiben erhalten, sodass die Figuren wechselseitig mit den Folgen ihrer Vergangenheit kämpfen. Dabei steht die übergeordnete Frage im Raum, wie weit darf ein einzelner Mensch gehen. Vor allem natürlich die Hauptfigur wandelt zwischen den Extremen. Einmal tritt er als barmherziger Samariter auf, der den Unglücklichen in der Not beisteht. Auf der anderen Seite nimmt er die Rolle des Racheengels ein, der in der Durchsetzung seiner Rache über Leichen geht.

Verbeugung gen Westen

Die Mischung aus französischem Flair und Manga-Stil bekommt Ena Toyama in ihrer Fassung von Der Graf von Monte Christo ansprechend hin, ohne allzu sehr in eine Richtung abzugleiten. Die klassischen Stile wie die großen Augen und ausdrucksstarken Gesichter sind umgeben vom Schick der damaligen Pariser Gesellschaft.

Auffällig ist der Reichtum an Details, den die Zeichnerin bei der grafischen Umsetzung an den Tag legt. Nicht nur die Figuren sind aufwendig gestaltet, auch die Hintergründe setzte Ena Toyama mit einem guten Blick für Akzente in Szene, sodass der Manga optisch ein richtiger Augenschmaus wird.

Dass Carlsen Manga sich entschloss, Der Graf von Monte Christo in einem vergrößerten Format zu veröffentlichen, erweist sich in dieser Hinsicht als sehr gute Entscheidung. Mit knapp 15 Euro für 275 Seiten, einschließlich einer Farbillustration am Anfang, stellt der Manga eine lohnende Investition dar und das nicht nur für Leser, die die ursprüngliche Geschichte kennen.

Fazit

Der Graf von Monte Christo ist eine Geschichte, die Leser jeder Altersschicht anspricht, weil man sich vor allem in die Hauptfigur bis zu einem gewissen Grad hineinversetzen kann. Unabhängig davon, ob man mit großer Weltliteratur etwas anfangen kann, liefert Ena Toyama eine spannende Story, die grafisch sehr schön umgesetzt wurde. Vielleicht gelingt es der Zeichnerin ja wirklich, wie sie es in ihrem Nachwort durchblicken lässt, die Neugier, auch jüngerer Leser, für Alexandre Dumas Roman zu wecken.

Der Graf von Monte Christo Manga
Bild: Ena Toyama, Hakusensha

Info

Der Graf von Monte Christo
Original Name: Le Comte de Monte-Christo
Original Name: モンテ・クリスト伯爵
Transkription: Monte Christo Hakushaku
Von: Ena Toyama
Verlag: Carlsen Manga
Verfügbar: One-Shot
Preis: 14,99 Euro
Genre: Drama, History
Empfehlung: ab 14 Jahren
ISBN: 978-3551754714

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