Popkultur Manga Gelesen: Caste Heaven

Gelesen: Caste Heaven

Im April publizierte Tokyopop im deutschsprachigen Raum den Startband zu Chise Ogawas Boys-Love-Manga Caste Heaven. Die Einzelkapitel erschienen 2014 in Libre Shuppans Be x Boy-Magazin. Was das Werk zu bieten hat, verrät euch diese Review.

Worum geht es?

An der Schule regiert ein Kastensystem: der König (King) sitzt auf dem Thron und der Joker (Target) wird gemobbt. Dies entscheiden jährlich Karten und derjenige schlüpft auch stets ein ganzes Schuljahr in die jeweilige Rolle.

Azusa Yuya war beim letzten Mal der King und möchte es erneut werden. So schickt er Karino los, ihm die »King«-Karte zu besorgen. Dieser lässt dabei nichts unversucht. Auf dem Gang trifft er Kusakabe Atsumu, dem ehemaligen Joker. Dieser hatte damals die »King«-Karte gefunden und musste bedauerlicherweise mit Azusa tauschen, der den Joker erhaschte.

Plötzlich wird Azusa hinterrücks eine Treppe heruntergestoßen. Gefesselt und mit Augen verbunden vergewaltigt man ihn. Azusa erfährt, dass Karino der Täter ist, und flippt aus, bis er merkt, dass dieser jetzt der King geworden ist. Noch dazu hat Karino Azusa die »Joker«-Karte verpasst und möchte den Jungen zu seiner heißblütigen »Frau« machen, was Azusa natürlich ablehnt. Fortan muss er sich mit Schikanen zufriedengeben …

Die Story

Chise Ogawa konstruierte eine doch sehr kontroverse Handlung, die irgendwo auch meiner Logik widerspricht. Da existiert ein spezielles System an einer Schule, was einer Person erlaubt, die Herrschaft für eine bestimmt Zeit an sich zu reizen, wiederum schlüpft eine andere in die Rolle des Opfers – und dann existieren eben noch solche, die in der Hierarchie irgendwo dazwischen stehen. Das alles wird in der Welt von Caste Heaven von niemandem hinterfragt oder gar unterbunden, als wäre es etwas völlig Normales, andere fertigzumachen.

Chise Ogawa toppt dies jedoch noch mit sexuellen Schikanen: So gerät Azusa als früherer King dank Karino in die Joker-Rolle und muss sich nun dessen Übergriffen “beugen”. Es fängt bei einer Vergewaltigung an, geht mit einer versuchten weiter und endet damit, dass sich Azusa Karino absolut unterwirft.

Soll heißen, Caste Heaven inkludiert harte, sexuelle Übergriffe, die aus dem Kastensystem resultieren. Das betrifft übrigens nicht nur den obersten und untersten Rang (King sowie Joker), sondern auch jene, die von der Hierarchie über dem Joker stehen – nach dem Motto: der King erlaubt ihnen, sexuelle Handlungen an dem Joker vorzunehmen.

Die Charaktere

Mit Azusa kommt ein Protagonist aus dem sozialen Brennpunkt ins Spiel. Er lebt in einer verkorksten Familie, seine Mutter geht Anschaffen und Azusa will sich beweisen, dass er besser ist. Deshalb wollte der Junge unbedingt King sein und herrschen. Wie sich im Verlauf der Story herausstellt, kam Azusa während seiner King-Zeit von seinem hohen Ross nicht mehr runter. Im Laufe von Azusas Joker-Zeit wächst in ihm eine Hassliebe für Karino heran – diesen möchte er fertigmachen, um wieder an der Spitze zu stehen. Azusa zeigt im Geschehen demzufolge sowohl Dominanz als auch Schwäche.

Karino wiederum ist Sohn eines Politikers, wollte Azusa vom Thron schupsen. Die Dinge, welche er Azusa nun als King antun kann, findet Karino scheinbar »lustig«. Wenngleich er gegenüber Azusa auch andere Facetten zeigt, nachdem dieser von seiner Mutter rausgeworfen wurde und von Karino hart rangenommen werden wollte, um endgültig zu zerbrechen. Zumindest macht es den Anschein, als hätte Karino seine wahren Gefühle für Azusa noch nicht erkannt.

Insbesondere Azusas familiäre Umstände werden im Startband nach und nach erläutert, sodass der Leser irgendwo einen Draht zu dem Jungen bekommt. Auch rückt die Mangaka zum Ende des ersten Bandes die Nebencharaktere Kuze (damals Jack) und Atsumu (früherer Joker) in den Vordergrund.

Weniger angenehm ist jedoch der Fakt, dass die Protagonisten mittels des fragwürdigen Systems an ihrer Schule ihre sexuellen Gelüste ausleben beziehungsweise den Sex aus Rache oder gar Bestrafung anwenden – wenngleich Azusa dies später freiwillig über sich ergehen lässt. Ich muss zwar eingestehen, dass die Charakterstorys durchaus zu bewegen wissen, wenngleich mir diese in Kombination mit dem kontroversen Kastensystem einfach nicht zusagen.

Zeichnung

Chise Ogawas Charakterdesigns sind ausdrucksstark, wenn auch boys-love-typisch. Die Figuren widerspiegeln in ihrer Mimik und Gestik Dominanz sowie Unterlegenheit, Angst oder Hochmut – eben genau das, was die Story in den einzelnen Charakteren verursacht.

Die Sexszenen stellt die Mangaka ebenfalls expliziert dar, wenngleich die Geschlechtsorgane zensiert wurden.

Aufmachung

Caste Heaven kommt im gewöhnlichen Taschenbuchformat. Inkludiert sind sechs Farbseiten und ebenfalls sechs Episoden zur Hauptgeschichte sowie das kurze Extra Behind the Game, welches schildert, wie Karino an die King-Karte kam.

Fazit

Chise Ogawas Boys-Love-Manga Caste Heaven kommt meiner Meinung nach mit einer fragwürdigen Erzählung. Die Mangaka führte in der Story ein Kastensystem an einer Schule ein, welches scheinbar niemand hinterfragt beziehungsweise dagegen angeht. Mittels dieser Hierarchie leben die Charaktere ihre sexuellen Gelüste aus oder wenden diese gar als Rache an – Stichwort: Vergewaltigung, was für die Figuren im Geschehen auch völlig normal zu sein scheint. Chise Ogawa legt durchaus Wert auf die Storys der Charaktere, jedoch verschießt die Mangaka das Potenzial aufgrund des unrealistischen Kastensystems. Daher konnte mich Caste Heaven nicht überzeugen. Ich empfehle Boys-Love-Fans, vor dem Kauf des Bandes einen Blick in die Leseprobe zu werfen und danach eine Entscheidung zu treffen.

Info
Caste Heaven
Original Name: カーストヘヴン
Transkription: Caste Heaven
Von: Chise Ogawa
Verlag: Tokyopop
Verfügbar: 1+ Bände
Preis: 6,95 €
Genre: Boys Love, Psychologisch
Empfehlung: 18+
ISBN: 978-3842023826

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