Popkultur Manga Gelesen: Friends & Lovers

Gelesen: Friends & Lovers

Nach Catch my Heart bildet Friends & Lovers, ebenfalls von Yuo Yodogawa, den vierten Teil der 5 Shades of Pink – Reihe von Kazé. Nachdem der erste Titel der Mangaka bereits eine sehr deutliche Schiene bediente, legt sie nun mit dem aktuellen, nicht weniger explizit nach. Ob der Altershinweis ernst genommen werden muss, habe für einmal überprüft.

Worum geht es?

Kohei Arima ist begeisterter Leser von Boys-Love-Manga, eine Leidenschaft, die er mit seinen Geschwistern teilt. Nachdem sein Mitschüler Kaname ihn mal wieder wegen seiner miserablen Frisur anmacht, lässt er sich breitschlagen mit diesem zum Friseur zu gehen. Kazuomi Shiba ist ein ausgewachsener Haarfetischist und von Koheis weichen Zotteln sofort begeistert. Als Kazuomi dann noch mitbekommt, wofür sich sein neuer Lieblingskunde so interessiert, ist er mehr als willig dem schüchternen Jungen äußerst detaillierten Unterricht in Sachen Liebe und mehr zu geben.

Kanata ist der jüngere Bruder Koheis und hat eine Zwillingsschwester namens Ichika. Als er eine Wette gegen seine Schwester verliert, muss er, als Mädchen verkleidet, einen Tag auf ihre Schule gehen. Die Maskerade klappt zu Anfang noch überraschend gut, bis der Lehrer Kyogo Mimasaka auftaucht. Dieser merkt schnell, dass mit seiner „Schülerin“ etwas nicht stimmt. Während Kanata Farbe bekennen muss, unterzieht ihn der ziemlich lüsterne Pädagoge einer genauen Leibesvisitation. Dabei behält er das Höschen von Ichika ein, welches diese ihrem Bruder, passend zum Outfit, angedreht hat. Dass die resolute Teenagerin das gute Stück unbedingt wiederhaben will, versteht sich von selbst und führt dazu, dass Kanata schneller wieder auf Kyogo trifft, als ihm eigentlich lieb ist.

Während die Geschichte um die Arima-Brüder zwei Drittel des Mangas füllt, befasst sich der Rest mit Narumi Kokonoe, der in seinen Freund Subaru verliebt ist, was dieser natürlich nicht weiß. Aus heiterem Himmel erscheint, durch Narumis eindeutige Träume angelockt, der Incubus Noor. Dieser braucht dringend neue Kraft, die er nur durch sexuelle Handlungen bekommen kann. Ehe sich der Schüler versieht, ist er bereits zur neuen Energiequelle auserkoren und Noor nicht mehr zu bremsen. Blöderweise steht auf einmal Subaru in der Tür… Noor gefällt es dann so gut in der Menschenwelt, dass er beschließt erst einmal zu bleiben. Nahrung, glaubt er, ist genug an der Schule zu finden, wobei Kazuma Imari, einer der Lehrer, allerdings noch mehr als ein Wörtchen mitzureden hat.

Die Story

Obwohl die Storys selbstverständlich einen sehr expliziten Charakter haben, sind sie trotzdem skurril süß, was sehr an den Figuren, beziehungsweise an ihrer Situation, liegt. Dass sich Jungen so sehr für Yaoi interessieren wie die Arima-Brüder ist eigentlich schon außergewöhnlich genug. Beide treffen aber auch noch zur etwa gleichen Zeit einen Partner, mit dem sie ihre angelesenen Fähigkeiten in der Wirklichkeit ausprobieren können. Als dann noch herauskommt, dass sich Kazuomi und Kyogo kennen, wird die Angelegenheit so richtig surrealistisch.

Während die ersten Handlungsbögen noch so tun, als würden sie in einer realen Welt spielen, erheben die letzten zwei diesen Anspruch schon gar nicht mehr. Irgendwie scheint es niemanden weiter zu stören, dass auf einmal ein Incubus an der Schule auftaucht. Wenn dieser dann einfach über Schüler herfällt, entpuppt sich das auch nur als nachrangiges Problem des involvierten Lehrkörpers. Auch wenn einem normalen Schüler auf magische Weise plötzlich weibliche Geschlechtsorgane zur Verfügung stehen, ist dies in Yodogawas Welt so überhaupt kein Problem. Die Frage, wer diesen denn schwängern darf, genießt mehr Aufmerksam als der Umstand an sich.

Da sich bei Friends & Lovers vier Geschichte einen Band teilen müssen, bedeutet dies für die einzelnen Handlungen natürlich ein sehr großes Tempo, in dem Fragen gar nicht erst gestellt werden, weil das Ergebnis von vorn herein feststeht. Insgesamt leben die Charaktere in einer kleinen, heilen Welt, in der jeder Topf schnell seinen passenden Deckel findet. Der Fokus liegt auf den verschiedenen Spielarten des Geschlechtsverkehrs, welcher exzessiv ausgelebt wird.

Die Charaktere

Yuo Yodogawas Charaktere sind ähnlich liebenswert überdreht, wie ihre Geschichten. Kohei und Kanata wirken zeitweise so naiv, als ob sie kein Wässerchen trügen könnten, während sie kurz darauf wieder demonstrieren, dass stille Wasser halt doch tief sind. Wobei der jüngere Kanata reifer und erwachsener wirkt als sein großer Bruder. Beide scheinen mit der anfangs rein körperlichen Beziehung zu den älteren Männern, Kazuomi beziehungsweise Kyogo, kein Problem zu haben. Dass Kanata faktisch eine Beziehung mit dem Lehrer seiner Schwester eingeht, könnte Stoff zum Nachdenken bieten, was allerdings keiner der Protagonisten tut, schließlich ist man die meiste Zeit mit anderen (wichtiger) Dingen beschäftigt. Ihr wisst schon, was ich meine. Selbst das tendenziell peinliche Schäferstündchen zu viert wird von allen Teilnehmenden kommentarlos akzeptiert.

Das Paar Narumi und Subaru entspricht zwar ziemlich den gängigen Klischees, was aber nicht weiter stört. Narumi ist der aufbrausende, impulsive Charakter, welcher durch Subarus ruhige, kontrollierte Art ausgeglichen wird. Oftmals ist es ja eigentlich der introvertierte Charakter, der seine Gefühle versteckt, hier ist es umgekehrt. Wobei auch Subaru am Ende natürlich zugibt, dass er schon längere Zeit tiefere Gefühle für den Raufbold Narumi hegt. Somit bieten die beiden Freunde eine symphytisch, lustige Verbindung, ohne größere Überraschungen, von Narumis teilweise Geschlechtsumwandlung mal abgesehen.

Vor allem die Zusammenstellung Noors mit Kazuma Imori bietet durchaus Potential, was leider nicht genutzt wurde. Schließlich ist der Incubus, der sich aus der Erde Oga nennt, genau genommen ein Schüler Kazumas. Solche Beziehungen reichen meist aus mehrere Bände zu füllen, was durchaus berechtigt ist. Hier wird das Problem einfach dadurch gelöst, dass sich der Dämon als solcher zu erkennen gibt. Schon ist das Problem geklärt, dass dabei gleich ein neuer entsteht, wird durch Noor zwar kurz angerissen, ansonsten aber übergangen.

Zeichnung

Das Charakterdesign ist sicherlich ansprechend, auch wenn die Optik teilweise eher einem süßen Shojo-Werk entspricht. Besonders Kohei besitzt die typischen Kulleraugen, welche eine gewisse Unschuld ausstrahlen. Allerdings ist es gerade diese Diskrepanz zwischen Aussehen und Verhalten, was für mich den Charme von Friends & Lovers ausmacht. Die klare Strichführung, welche die Figuren in den Mittelpunkt stellt, ohne zu viel zu zeigen, ist ebenfalls ein Punkt, der mir positiv aufgefallen ist. Der einzige Kritikpunkt, den man anbringen könnte, sind die fehlenden Hintergründe in den meisten Panels, ein paar Folien oder Schraffierungen hätten den Zeichnungen an einigen Stellen durchaus gut getan.

Aufmachung

Fudanshi-kun no Honey Days, so der Originaltitel, erschien in Japan bereits 2012. Der deutsche Einzelband weist am Anfang eine Farbseite mit den Paaren der ersten beiden Handlungsbögen auf, mit welcher der Leser gleich auf den grundlegenden Inhalt aufmerksam gemacht wird. Passend zum Namen sowie den anderen Bänden der Reihe, ist der Einband in einem auffälligen Neon-Pink gestaltet, welches sich an den äußeren Seitenkanten wiederfindet.

Inhaltlich wird jedem Paar ein Kapitel gewidmet, in welchem dieses zusammenfindet. Während Kohei und Kanata samt ihren Liebsten noch zwei Kapitel spendiert bekommen, in denen alle vier etwas zusammen unternehmen, läuft der Aufbau des letzten Handlungsbogen chronologisch ab. Zuerst werden die beiden Freunde mit gewissen Vorzügen miteinander verkuppelt, anschließend wird der Kuppler an den Mann gebracht.

Fazit

Friends & Lovers bietet kurzweilige Unterhaltung, die zeichnerisch gut umgesetzt ist. Die Geschichten um die vier Paare sind gespickt mit Comedy-Elementen, sodass man die Charaktere mit einem Schmunzeln durch die einzelnen Kapitel begleitet. Die ersten Handlungsbögen sind miteinander verbunden, sodass eine längere Story entsteht, während der abschließende Bogen die Fantasy-Freunde ansprechen dürfte. Wer, wie ich, auf leicht schräge Figuren beziehungsweise Handlungen steht, bei denen es auch mal zur Sache gehen kann; was es ziemlich regelmäßig tut; der ist bei Yuo Yodogawas Einzelband gut aufgehoben.

Info

Friends & Lover
Original Name: Fudanshiくんなしハニー
Transkription: Fudanshi-kun no Honey Days
Von: Yuo Yodogawa
Verlag: Kazé
Verfügbar: Einzelband
Preis: 6,95 €
Genre: Smut, Boys Love
Empfehlung: 18 +
ISBN: 978-2889217236

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