Popkultur Manga Gelesen: Lupus in Fabula, Band 1

Gelesen: Lupus in Fabula, Band 1

Am 1. März 2016 feierte Carlsen Manga! mit Lupus in Fabula, Band 1 den Startschuss zum neuen Boys-Love/Urban-Fantasy-Manga der deutschen Zeichnerin Kamineo.

Kamineo kennt man in Boys-Love-Kreisen bereits vor allem durch ihre zwei Titel Beware of the Dog und Alpha² (Autor: Kamoi), welche erstmals beim Schwarzer Turm Verlag herausgebracht wurden.

Mit Lupus in Fabula legt Kamineo nun ein neues Projekt vor. In diesem bleibt sie aber ihrer Liebe für Boys Love und übernatürliche Wesen, darunter natürlich Werwölfe, treu. Die Reihe ist mit einer Altersempfehlung ab 15 auf insgesamt drei Bände ausgelegt. Beim Titel handelt es sich übrigens um eine lateinische Phrase mit zwei Bedeutungen. „(Wie) der Wolf in der Fabel“ oder „Der Wolf, von dem die Rede ist“ sind mögliche Übersetzungen. Letzteres ähnelt der heutzutage üblichen Phrase: „Wenn man vom Teufel spricht“.

Worum geht es?

Ein Geschäftsmann springt nach einem netten, außerehelichen Schäferstündchen aus dem Fenster. Knapp über dem Boden explodiert sein Körper. Das riecht nach einem Fall für FBI-Special-Agent J., der – selbst ein Werwolf – Grenzfälle bearbeitet, in denen übernatürliche Wesen, sogenannte Metahominidae, verwickelt sind. Bei den Ermittlungen zur Seite steht ihm nicht nur seine unangekündigt neu zugewiesene Partnerin Ace, die sich unwissender gibt, als sie tatsächlich ist, sondern auch der mysteriöse Sky, der aus dem Hintergrund agiert.

An Arbeit mangelt es dem Trio definitiv nicht. Hexen, Einhörner, Irrlichter und untote Kreaturen stehen auf dem Plan. J. bewahrt dabei stets professionell die Fassung. Doch als ein toter Werwolf mit einer Kugel im Kopf aufgefunden wird, bekommt die sonst so ruhige Fassade Risse. Selbst als die Chefetage den Befehl gibt, sich aus dem Fall rauszuhalten, nehmen J. und Ace die Ermittlungen auf.

Die Story

Die Grundidee ist wahrlich nichts Neues, mystische Wesen in unsere moderne Zeit zu verfrachten, wo sie unentdeckt unter der nichts ahnenden Bevölkerung leben, während Spezialkräfte dazu auserkoren sind, für Recht und Ordnung zwischen den Gruppierungen zu sorgen. Wobei ich mich schon frage, wie genau die Geheimhaltung funktioniert. Manche der präsentierten Ereignisse lassen sich schwerlich unter den Teppich kehren.

Bisher sieht es danach aus, dass sich Kamineo auf bereits bekannte Figuren aus Fabeln und Legenden begrenzt, anstatt neue Kreationen ins Rennen zu schicken. Speziell Hexen und Werwölfe weisen in der Handlung bisher eine starke Präsenz auf.

Band 1 durchwandert in sechs Kapiteln, die als „File“ durchnummeriert werden, vier Fälle der beiden Protagonisten J. und Ace. Obwohl die Handlung damit in kleine Abschnitte geteilt wird, tut dies der Atmosphäre und dem Spannungsbogen keinen Abbruch, da sich andere Merkmale, etwa die noch undeutbaren Charaktere, als roter Faden durch die Ereignisse ziehen. Zudem arbeitet Kamineo mit überraschend viel Humor in den Dialogen, was die Ernsthaftigkeit der Fälle etwas durch den Kakao zieht und Lupus in Fabula zu einer heiteren Leselektüre macht. Das bedeutet aber nicht, dass dunkle Momente komplett ausbleiben.

Als Leser bekommt man einen guten ersten Eindruck, wie das neu gebildete Duo arbeitet und wie weit gefächert ihr Zuständigkeitsbereich ist. Das Übernatürliche verbirgt sich hinter vielen Facetten: gewalttätige Morde, unerklärliche Verschwinden oder ein reißerischer Artikel in einem Klatschblatt, den man zuerst gar nicht für voll nehmen mag. Dabei müssen Metahominidae nicht immer die Täter sein, sondern können ebenfalls in der Opferrolle wiedergefunden werden.

Kamineo verwendet Lupus in Fabula, Band 1 dafür, erst einmal sorgfältig das Grundsetting der Urban-Fantasy-Reihe an direkten Exempeln zu erläutern, nachdem man gleich zu Beginn ohne viel Vorgeplänkel den ersten Toten serviert bekommt. Dass der Manga ebenfalls dem Boys-Love-Genre zugeordnet ist, fällt in diesem Band eher unter dem Tisch und ist nur in den Gesprächen zwischen J. und Sky zu erahnen. Diese Zurückhaltung erscheint ungewohnt erfrischend von der Zeichnerin, vergleicht man mal mit ihren Werken Beware of the Dog und Alpha², wo sexuelle Anspielungen von Beginn an ihre Daseinsberechtigung haben.

Die Charaktere

In Lupus in Fabula, Band 1 werden gleich mehrere Charaktere und Metahominidae vorgestellt, größtenteils handelt es sich dabei um Fall abhängige Nebencharaktere mit einem dementsprechend kurzen Auftritt, die auf spezielle Wesensarten reduziert sind, etwa die eifersüchtige Ehefrau, der naive Junge oder die geizige Hexe im Umzugsstress. Dennoch sind auch diese Figuren sehr ausdrucksstark festgehalten, sodass es mich nicht wundern würde, die eine oder andere später in der Handlung wiederzutreffen.

Das Hauptaugenmerk liegt bei den Charakteren auf den Protagonisten J. und Ace, die sich beide noch in Mysterien halten.

J. scheint schon länger fürs FBI tätig zu sein. Für ihn sind Fälle mit Metahominidae zur Routine geworden. Zur Person und Vergangenheit des „einsamen Wolfes“ tun sich schnell Fragen im Laufe der Handlung auf. Auf seinem Rücken prangt eine auffällige Tätowierung und eine zweite verbirgt sich, leicht zu übersehen, am rechten Unterarm.

Die junge Frau Ace mit den hervorstechend symmetrisch angeordneten Muttermalen unter den Augen und an den Schlüsselbeinen ist die neue Partnerin von J. und auf dem Gebiet des Übernatürlichen mehr bewandert, als sie bei ihrem ersten Auftritt vorgibt. Doch auch wenn ihr Charakter undurchsichtig ist, so beweist sich die unerschrockene Frohnatur oftmals als große Hilfe. Man darf gespannt sein, was es mit ihrer Geheimnistuerei auf sich hat.

Zuletzt zu erwähnen ist natürlich noch Sky, der Informant von J., der sich im Hintergrund hält und ein ungutes Verhältnis zu Kleidung pflegt – zumindest trägt er kaum bis gar keine in den wenigen Szenen, in denen man nicht nur seine Sprechblasen sieht, sondern tatsächlich einen kurzen Blick auf seinen Körper erhascht. Wie J. und Ace hält ebenfalls das Design von Sky nicht mit auffälligen Körpermerkmalen zurück.

Zeichnung

Kamineo besitzt einen sehr individuellen Stil mit hohem Wiedererkennungswert, der sich über die Jahre stetig weiterentwickelt hat und zwar noch Parallelen zu ihren früheren Manga-Titeln aufweist, aber auch bereits anders wirkt als in Alpha². Die Tendenz zu markanten Gesichtern und „männlichen“ Körpern mit Muskeln und Behaarung zieht sich dabei als roter Faden durch all ihre Stilphasen.

Die Charaktere sind ansprechend unterschiedlich designt. Dabei spielt Kamineo nicht nur mit Kleidung und Frisuren, sondern auch mit Hautfarbe, Alter und Statur, sodass dem Betrachter eine große Palette an Personentypen vorgeführt wird. Besonders Ace scheint so etwas wie Kamineos Anziehpüppchen zu sein, da sie stets mit neuen schicken Klamotten auftritt und gerne verschiedene Frisuren zur Schau stellt. Der Kleidungsstil von J. ist dagegen dezenter, aber ebenso abwechslungsreich.

Mit ihrer langjährigen Zeichenerfahrung stellt es für Kamineo vor keine Herausforderungen, die Emotionen punktgenau zu Papier zu bringen und die Atmosphäre nach Belieben im Panelaufbau und in den Darstellungen der handelnden Personen zu steuern, um den gewünschten Effekt von etwa Spannung, Slapstick-Humor oder Melancholie widerzuspiegeln. Von Vorteil sind zudem die detaillierten Hintergründe, welche einerseits zeichnerisch sicherlich einen horrenden Mehraufwand bedeutet haben, die Stimmung andererseits lohnenswert unterstreichen.

Wenn ich an den Zeichnungen etwas negativ anmerken muss, wenn auch nicht sonderlich tragisch, so sind das die markanten Gesichtsformen und –züge bei weiblichen Charakteren. Nimmt man die Frisur weg und betrachtet den Kopf allein, so könnte das genauso gut ein Mann sein. Hier hätte ich mir mehr geschlechtsspezifische Differenzierung gewünscht.

Kleine proportionale Schwächen können ebenfalls hier und dort mal auftreten, vermindern aber das Lesevergnügen nicht.

Aufmachung

Lupus in Fabula erscheint im verlagsüblichen Großtaschenbuchformat von 12,50 x 18,00 cm. Band 1 zählt 194 Seiten, aufgeteilt auf sechs Kapitel und ein Nachwort. Es ist eine Farbillustration von J. und ein farbiges Inhaltsverzeichnis enthalten. Auf den Umschlaginnenseiten finden sich zudem Schwarz-Weiß-Zeichnungen von den Special-Agenten J., Ace, Hernandes und Sugarhead, jeweils mit Namensschild und polizeilicher Lineup-Wand mit Größenmessung im Hintergrund. Letztere beide Charaktere tauchen in Band 1 nur für eine kurze Szene auf.

Fazit

Kamineos Lupus in Fabula hat mich mehr als positiv überrascht. Auch wenn das Grundsetting einer altbewährten und oft durchgekauten Idee entspringt, schaffen es die vielschichtigen und geheimnisvollen Charaktere im facettenreichen Design mit all ihrem Charme und dem allgemein detailbetonten Zeichenstil, neugierig zu machen. Band 1 bietet einen soliden Einstieg in die Urban-Fantasy-Welt und lässt hier und dort durchblitzen, dass es im Hintergrund brodelt, auch wenn man noch nicht den Finger darauf legen kann, was genau vor sich geht.

Trotz Weiterentwicklung in den letzten Jahren erhält sich Kamineo ihren „maskulinen“ Stil, für den sie von ihren Fans so geschätzt wird, und frönt weiterhin ihrer Vorliebe für Werwölfe. Mit Lupus in Fabula beweist sie zudem erstmals ihr Talent fürs komplexe Storytelling bei ausschweifenden Handlungen. Auch wenn das Boys-Love-Genre etwas kurz kommen mag, sollten alte Fans auch zum neuen Projekt von Kamineo greifen. Ebenso werden Liebhaber von Urban-Fantasy bei dieser deutschen Manga-Eigenproduktion definitiv auf ihre Kosten kommen.

Info

Lupus in Fabula, Band 1
Künstlername: Kamineo
Erschienen: 1. März 2016
Verlag: Carlsen Manga!
Genre: Boys Love, Fantasy
Altersempfehlung: ab 15
Sprache: Deutsch
Leserichtung: westliche
Preis:  7,95 Euro
ISBN: 978-3551728234

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