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Zur Hölle mit Enra, Band 1 – Wie wird man nicht zum Sünder?

Im April 2018 veröffentlichte KAZÈ den ersten von insgesamt vier Bänden von Chie Shimadas Zur Hölle mit Enra. Welchen Eindruck der Startband bei uns hinterließ, das möchten wir in diesem Artikel schildern.

Enra ist Sohn des Höllenfürsten Enma. Dieser stellt eine Liste von künftigen Sündern auf und lockt seine Söhne mit dem Versprechen: Wer die meisten Sünder schnappt, wird der nächste Höllenfürst! Auf der Liste steht die gerechtigkeitsliebende und gutmütige Komachi, die sich stets ehrenvoll für andere einsetzt. Dadurch wirkt sie auf ihre Mitmenschen oftmals gruselig. Kaum zu glauben, dass Komachi eine Sünde begehen soll! Als Enra auftaucht, entsteht ein gewisses Band zwischen den beiden. Komachi versucht Enra davon zu überzeugen, dass Enmas Liste nicht stimmt. Dies gelingt ihr auch bei einer Mitschülerin, deren Name schließlich von der Schriftrolle verblast. Doch was ist mit den restlichen Personen? Und ob es Komachi gelingt, sich selbst vor einer Sünde zu bewahren?

Ich? Eine Sünderin? Niemals!

zur hölle mit enra - seite1
Bild: CHIE SHIMADA KADOKAWA CORPORATION ASCII MEDIA WORKS

Chie Shimadas Zur Hölle mit Enra besitzt erzählerisch reichlich shojotypische Elemente: angefangen beim sadistischen männlichen Hauptcharakter, von dem mit der Zeit andere Facetten zum Vorschein kommen, bis hin zur Protagonistin, die sich seinen Flirtereien zwar nicht entzieht, aber generell ein großes Selbstbewusstsein besitzt. Insbesondere die klischeehaft integrierten provokanten »Annäherungsversuche« von Enra könnten bei manch einem Leser Stirnrunzeln verursachen – Szenen wie der standardisierte »völlig unerwarteter« Kuss.

Prinzipiell besitzt die Geschichte eine tiefere Botschaft. So gut wie alle werdenden Sünder besitzen irgendwelche Charaktereigenarten, die ein böses Ende nehmen könnten, wenn umsichtige Menschen ihnen nicht helfen. Demzufolge steckt hinter der Grundthematik die Idee, den Leser dazu zu animieren, wohlüberlegt mit seinen Mitmenschen umzugehen. Ob es nun Midori ist, die stets ausgegrenzt wurde und sich nach Aufmerksamkeit sehnt, oder Nanato, bei dem die Gefahr auf eine krankhafte Versessenheit nach Schönheit besteht. Shimada geht aber nicht nur darauf ein, wie Komachi sie davor bewahrt, ein Sünder zu werden. Sie schildert zusätzlich die Hintergründe für das Verhalten der Nebencharaktere. Die Geschichte räumt demnach ihren Nebenfiguren rausreichend Platz ein.

Des Weiteren erzählt Chie Shimada die Story nicht episodisch, sondern fließend. Das heißt, manche Sünder handelt die Mangaka nicht kapitelweise ab, sondern sie stehen mehrere Kapitel im Fokus. Shimada nutzt den restlichen Platz, um das teils unterhaltsame Zusammenspiel der Hauptfiguren Enra und Komachi zu zeigen, wodurch der Leser weitere Facetten der Figuren kennenlernt, aber auch mit reichlichen Konflikten zwischen dem ungleichen Pärchen konfrontiert wird. Das macht letztendlich den Spannungsfaktor der Geschichte aus.

Optisch nicht perfekt aber shojotypisch …

zur hölle mit enra - seite 2
Bild: CHIE SHIMADA KADOKAWA CORPORATION ASCII MEDIA WORKS

Chie Shimadas Charakterdesigns sind lieb ausgearbeitet und süß anzusehen, heben sich aber in keinerlei Hinsicht von jenen anderer Shojo-Mangaka ab. Sowohl Proportionen aus unterschiedlichen Perspektiven als auch die Posen der Figuren fallen manchmal etwas unglücklich aus. Als Beispiel kann man hier im zweiten Kapitel ein Panel anmerken, das optisch nach einem Busengrapscher aussieht. Der war aber scheinbar nicht als solcher gedacht, da die Protagonistin so rein gar keine Reaktion auf die Situation zeigt. Im Wesentlichen drücken Shimadas Zeichnungen die emotionalen Stimmungen der Geschichte gut aus – ob nun Knistermomente oder humorvolle und dramatische Szenen.

KAZÈ gibt den ersten Band von Zur Hölle mit Enra im Taschenbuchformat und in einer soliden deutschen Übersetzung heraus. Der Verlag spendierte der Ausgabe zwei Farbseiten. Insgesamt sind vier Kapitel zur Hauptgeschichte und ein Nachwort enthalten.

Chie Shimadas Zur Hölle mit Enra verzichtet nicht auf klischeehafte Shojo-Momente, begeistert aber mit einer selbstbewussten Protagonistin und gut ausgearbeiteten Nebenfiguren. Selbst die Kernbotschaft der Geschichte besitzt eine lehrhafte Botschaft an den Leser. Die Konstellation »sadistischer männlicher Protagonist und mutige weibliche Hauptfigur« kennen Leser aus vielen anderen Shojo-Vertretern. Sie mag unterhaltsam sein, trifft aber aufgrund der unverschämten Charakterzüge von Enra nicht jedermanns Geschmack. Wer Geschichten wie Wolf Girl and Black Prince mag, der findet aber sicherlich Gefallen an diesem Pärchen. Shojo-Fans sollten Zur Hölle mit Enra eine Chance geben.

Info

zur hölle mit enra - coverZur Hölle mit Enra, Band 1
Original Name: 地獄のエンラ
Transkription: Jigoku no Enra
Von: Chie Shimada
Verlag: Kazé
Verfügbar: 4 Bände
Preis: 6,95 €
Genre: Shojo, Romanze
Empfehlung:
ISBN: 2889510344
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